Magic Johnsson

Wiler-Ersigens Schwede Daniel Johnsson ist ein Mann fürs Spektakel. Der 30 Jahre alte Stürmer nimmt im Ensemble der Unteremmentaler eine Schlüsselrolle ein.

Fühlen sich wohl in Zuchwil: Wiler-Ersigens Schwede Daniel Johnsson und seine Freundin Caroline Pettersson sitzen zu Hause auf dem Sofa.

Fühlen sich wohl in Zuchwil: Wiler-Ersigens Schwede Daniel Johnsson und seine Freundin Caroline Pettersson sitzen zu Hause auf dem Sofa.

(Bild: Marcel Bieri)

«Es gibt nur einen Magic Johnson», sagt Daniel Johnsson und grinst verschmitzt. Der Basketballstar der 1980er-Jahre hatte seinen Übernamen einst in seiner Juniorenzeit erhalten. Ob der Gedanke an den US-Amerikaner präsent war, als Teamkollegen begannen, den schwedischen Unihockeyspieler ebenfalls «Magic» zu rufen, weiss Johnsson nicht mehr. «Ich glaube, die Medien waren dafür verantwortlich.» Passend ist die Bezeichnung alleweil.

Johnsson, seit dem vergangenen Sommer bei Wiler-Ersigen unter Vertrag, ist ein Zauberer mit dem Stock. Den Zorro-Trick hat er zu seinem Markenzeichen gemacht. Seit er als Zwölfjähriger ein Video davon gesehen hat, wie ein Spieler den Ball in der Luft hin und her bewegte, ist er besessen davon. Der «Zorro» ist eine Waffe: Mit ihm lässt sich von hinter dem Tor direkt einnetzen, und kommt er beim Penalty zum Einsatz, ist der Goalie nahezu chancenlos. «Meine Stärke ist, den Zorro im Spiel auch wirklich einzusetzen», hält Johnsson fest. Wobei er freilich auch andere Qualitäten hat.

Der Bart war noch kürzer, getroffen hat Daniel Johnsson trotzdem. Und das oft spektakulär – die schönsten Tore aus der Saison 16/17 (Quelle: floorballtoday.com/Youtube).

«Daniel ist ein unglaublich smarter Typ», sagt sein Trainer Thomas Berger. «Es gibt Spiele, da fragt man sich zunächst, ob er überhaupt auf dem Feld ist. Und am Ende hat er trotzdem zwei Tore erzielt.» Die Kaltblütigkeit und der harte, präzise Schuss haben Johnsson zu herausragenden Skorerwerten in der schwedischen Superligan verholfen. 56 Tore hat er in der letzten Saison in 36 Spielen für Helsingborg erzielt.

Der Faktor Ikea

Helsingborg, das war zehn Jahre lang Johnssons Verein. Dahin war er von seinem Heimatdorf in Mittelschweden gezogen, um auf höchstem Level Unihockey zu spielen, und da hat er seine Freundin Caroline Pettersson kennen gelernt.

Jetzt also ist das Paar in die Schweiz gezogen. «Wir haben uns gefragt: Warum eigentlich nicht?», erzählt Johnsson, für ihn war die Zeit reif für einen Wechsel. «Es hat alles zusammengepasst», sagt Pettersson. Auch sie suchte Veränderung. Ihr Arbeitgeber Ikea hat für sie eine Stelle in der Schweiz gefunden; die frühere Spitzenfussballerin arbeitet im Logistikmanagement. Von der Schweiz seien sie sofort sehr angetan gewesen, sagen die beiden. In Zuchwil hat das Paar eine Parterrewohnung bezogen, sie sprechen von einer Wunschlösung.

«Jetzt ins Eisbad»

Bald geht es im Gespräch um den Stellenwert des Sports, der in Schweden deutlich höher liegt als hierzulande. «Unihockey ist mein Leben», sagt Johnsson. Er versteht sich als Profisportler, obwohl er, wie schon in Schweden, in einem Teilzeitpensum als Transferdrucker arbeitet. In seinem Alter, mit 30, hören viele NLA-Spieler auf – Johnsson möchte noch lange weiterspielen.

Sein Teamkollege Matthias Hofbauer steht mit 36 noch auf dem Feld, Helsingborgs Finne Mika Kohonen ist über 40. Allerdings geht das hohe Tempo des Schweizer Unihockeys nicht spurlos an Johnsson vorbei. «Jetzt muss ich ins Eisbad», sagte er am letzten Samstag nach dem zweiten Halbfinalspiel gegen Winterthur. Die Regeneration nimmt bei ihm mehr Zeit in Anspruch als bei jüngeren Spielern – auch, weil er in Schweden nie übermässig viel Laufarbeit verrichten musste.

«Es gibt Spiele, da fragt man sich, ob er überhaupt auf dem Feld ist. Und am Ende hat er trotzdem zwei Tore erzielt.»  Trainer Thomas Berger über Johnsson

Johnsson ist primär und sekundär fürs Toreschiessen zuständig. Das gelingt dem vollbärtigen Schweden nach verhaltenem Start immer besser und soll selbstverständlich erst mit dem Meistertitel enden.

Daniel Johnsson und Caroline Pettersson haben ihren Lebensmittelpunkt in die Schweiz verschoben. «Alle unsere Sachen sind hier», sagt sie. Es klingt nicht, als würden die beiden bald zurückkehren. Bis zum Sommer 2019 bleiben sie mit Sicherheit, bis dann läuft Johnssons Vertrag. Und bis dann wird «Magic Johnsson» das NLA-Publikum unterhalten.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt