Zum Hauptinhalt springen

Kurs auf Enoshima

Die Spiezerinnen Maja Siegenthaler und Linda Fahrni sind entschlossen, 2020 in Tokio ein olympisches Diplom zu gewinnen. Es wären bereits die zweiten Spiele für die beiden 24-Jährigen.

Halt in der Heimat: Linda Fahrni und Maja Siegenthaler (rechts) posieren im Hafen des Thunersee-Yachtclubs.
Halt in der Heimat: Linda Fahrni und Maja Siegenthaler (rechts) posieren im Hafen des Thunersee-Yachtclubs.
Manuel Lopez

Es war ein Schock. Als Maja Siegenthaler und Linda Fahrni erstmals in Rio landeten, wähnten sie sich in einer fremden Welt. «Die Temperaturen waren unfassbar hoch, die Dinge gross, chaotisch, unübersichtlich», erzählt Erstere. Und die Angst war allgegenwärtig, die Angst, dass ihnen Kriminalität widerfahren könnte, wovor die Leute aus ihrem Umfeld sie unaufhörlich gewarnt hatten. Als die Seglerinnen zwei Wochen danach die Heimreise antraten, verspürten sie: jede Menge Erleichterung.

Zwei Jahre später sollten die Berner Oberländerinnen die brasilianische Metropole mit ganz andern Gefühlen verlassen. Die Stadt am Zuckerhut hatten sie in der Zwischenzeit lieb gewonnen, sie mochten Land und Meer, Klima und Bedingungen. «Manchmal vermisse ich Rio», sagt Fahrni.

Sie sitzt in der Cafeteria des Thunersee-Yachtclubs und spricht mit ihrer Mitstreiterin über das letzte Jahr, das einen weiteren Aufenthalt in Süd­amerika und vor allen Dingen die Teilnahme an den Olympischen Spielen beinhaltete. Rang 14 belegten die beiden 24-Jährigen. Das ist per se nichts, was sie hätte enttäuschen können. Und doch herrschte so was wie Bitterkeit, waren sie vor dem letzten Tag doch in den Top 10 gewesen.

Durch den Alltag navigieren

In ihrer Sportart überragen die Spiele all die andern Wettkämpfe, Welt- und Kontinentalmeisterschaften sind wichtig, gewiss, sie erreichen aber nicht die Relevanz olympischer Bewerbe. So planen ambitionierte Segler im Vier­jahreszyklus, von Spielen zu Spielen. Im Fall von Siegenthaler/Fahrni stand die Fortsetzung der Karriere nicht gleich fest, die ­Jugendfreundinnen überlegten sich erst, ob sie bereit sind, den Aufwand noch mal auf sich zu nehmen.

«Man investiert eine Menge und muss konsequent sein: Entweder man widmet sich der Sache – oder man lässt es besser bleiben», sagt Siegenthaler. Bis zu fünf Stunden täglich verbringt auf dem Wasser, wer vorne mitmischen will. Daneben wird an Kraft und Kondition gearbeitet und der Alltag organisiert, was mitunter sehr anspruchsvoll ist, weil es zig Bedürfnisse zu be­rücksichtigen gilt. Fahrni ist angehende Lehrerin, Siegenthaler studiert in Basel Industriedesign, wird aber demnächst eine Pause einlegen, nach Möglichkeit ein Praktikum absolvieren – der Studiengang lässt sich nur schwer mit der Kernaufgabe verknüpfen.

Das Manöver

Rasch kamen die Spiezerinnen unabhängig voneinander zum Schluss, dass sie zu gern segeln, zu viel auf sich genommen haben, über zu gute Perspektiven ver­fügen, als dass es klug wäre, nun und damit in sehr jungem Alter aufzuhören. Doch sie stellten gewisse Dinge um, gestalten etwa das Training abseits des Wassers abwechslungsreicher.

Siegen­thaler hat mit Crossfit begonnen, Fahrni besucht Thaiboxunterricht. Gleichzeitig fassten sie neue Ziele. Über allem steht freilich Tokio 2020, die Oberländerinnen möchten den Wettkampf, der im nahe gelegenen Enoshima über die Bühne gehen wird, unter den Top 8 beenden, wodurch sie sich ein Diplom sicherten.

Verankert

Die zwei 24-Jährigen entstammen keinen Seglerfamilien, in der Unterstufe gerieten sie erstmals mit ihrer künftigen Passion in Berührung, als der sogenannte Ferienpass ein entsprechendes Angebot bereitgehalten hatte. Schnell sprachen sich Talent und Wille der beiden herum, sie schlossen sich dem Yachtclub an, konzentrierten sich später während der Vorbereitungen auf Rio auf den Sport. Unverändert geniessen sie Unterstützung, vorab welche der Eltern, die im Wesentlichen für alltägliche Ausgaben aufkommen.

Gelohnt haben sich die Investitionen bis hierhin. Im Weltcup schafften es die beiden kürzlich aufs Podest, und an der EM in Monaco hätten sie sich im Spitzenfeld klassiert, wären sie nicht Opfer von Materialproblemen geworden. Siegenthaler/Fahrni sind auf Kurs.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch