Kunstturntalent will hoch hinaus

Andrin Frey hat am europäischen Jugend-Olympia-Festival in Ungarn Gold im Sprung gewonnen. Der 16-jährige Steffisburger ist eines der grössten Talente des Landes.

Flug Richtung Goldmedaille: Am Sprung übertrumpfte Andrin Frey am EYOF die Konkurrenz.

Flug Richtung Goldmedaille: Am Sprung übertrumpfte Andrin Frey am EYOF die Konkurrenz. Bild: Keystone

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Die Vitrinie mit Medaillen und Auszeichnungen ist bereits ordentlich gefüllt. Die wertvollste Plakette allerdings hat Andrin Frey noch nicht darin verschlossen. «Sie wird aber sicher den ­Ehrenplatz erhalten», meint er lächelnd.

Am europäischen Jugend-Olympia-Festival (EYOF) im ungarischen Györ gewann der 16-Jährige aus Steffisburg Ende Juli Gold im Sprung und Bronze mit dem Team. Es handelt sich dabei um den grössten internationalen Anlass, an dem Frey bisher angetreten ist, die besten Junioren Europas waren vertreten.

«Als ich vier Gerätefinals erreicht hatte, rechnete ich mir natürlich einen Medaillengewinn aus», hält er fest. «Aber dass es Gold werden würde, hätte ich nicht gedacht. Es war einfach schön, ein unbeschreibliches Gefühl.»

«Er ist sehr fleissig»

Andrin Frey ist einer der talentiertesten jungen Kunstturner des Landes. An der Junioren-Schweizer-Meisterschaft in diesem Jahr gewann er dreimal Gold und zweimal Bronze. Das ist umso erstaunlicher, bedenkt man, dass die Berner zuletzt eine untergeordnete Rolle spielten. Der 2016 zurückgetretene Claudio Capelli war der letzte Kunstturner im Nationalkader, welcher im regionalen Leistungszentrum Bern ausgebildet worden war.

Olympiateilnehmer Benjamin Gischard ist zwar aus Herzogenbuchsee, wurde allerdings in Solothurn zum Spitzenturner geformt. Angesprochen auf diesen Fakt, meint Sandor Kirlay: «Aus dieser Halle einen solch talentierten Turnier hervorzubringen, das ist eine grosse Sache.» Der Ungar amtet seit 2009 als Cheftrainer am RLZ Bern, zuvor war er für das Schweizer National­kader verantwortlich. Er macht keinen Hehl daraus, dass die Infrastruktur in der Hauptstadt im Vergleich mit anderen Zentren nicht mithalten kann.

Frey allerdings schien dies in der Entwicklung nicht zu beeinträchtigen. «Er ist sehr fleissig, hört gut zu und ist körperlich ziemlich robust», nennt Kiraly einige Gründe für des Oberländers Aufstieg. Frey bezeichnet den Ungar «fast als einen zweiten Vater». Er verstehe sich sehr gut mit ihm, «auch wenn es zwischendurch Krach gibt, aber das passiert zu Hause ja auch mal», meint er lächelnd.

«Dass es Gold werden würde, hätte ich nicht gedacht. Es war einfach schön, ein unbeschreibliches Gefühl.»Andrin Frey

Wer eine Laufbahn als Kunstturner einschlägt, ist früh gefordert. Seine ersten Versuche wagte Frey mit fünf Jahren in Steffisburg, ab der zweiten Klasse begann er im RLZ Bern zu trainieren. Mittlerweile besucht er das Sportgymnasium in Bern, weshalb sich der Trainingsaufwand nach dem Stundenplan richtet. Im Moment trainiert der 16-Jährige achtmal pro Woche.

Frey hat in seinen jungen Jahren einige Kollegen aufgeben sehen – sei es wegen Verletzungen, oder weil der Aufwand zu gross wurde. «Eine andere Sportart kam für mich aber nie infrage», sagt er. Durch das Kunstturnen lerne man seinen Körper sehr gut kennen, was Spass mache, «und das Fliegen ist für mich die grösste Faszination». Es erstaunt deshalb kaum, ist das Reck sein Lieblingsgerät, sind doch hier akrobatische Einlagen in der Luft garantiert.

Das Nationalkader lockt

Frey lebt in einer Grossfamilie mit drei Brüdern und zwei weiteren Pflegekindern. «Es ist nie langweilig zu Hause, das ist schön», betont er. Nicht zuletzt das familiäre Umfeld sei enorm wichtig für junge Sportler, hält Trainer Kiraly fest. «Und bei ihm ist es absolut super.»

Nach dem Auftritt am EYOF hat der Steffisburger nun bereits neue Ziele ins Auge gefasst. Nächstes Jahr will er an der Junioren-EM ganz vorne mitturnen. Das Niveau dürfte ähnlich hoch sein wie am EYOF, weshalb Frey entsprechend viel herausholen will.

«In Györ konnte ich nun herausfinden, wie es an grösseren Wettkämpfen abläuft, diese Erfahrung ist sehr hilfreich», meint er. Im Herbst 2018 kann sich Frey an einem Testwettkampf für einen Platz im Nationalkader bewerben. Dass er künftig in Magglingen turnen will, steht ausser Frage, schliesslich möchte Frey dereinst an einer WM oder an Olympischen Spielen teilnehmen.

«In Györ konnte ich nun herausfinden, wie es an grösseren Wettkämpfen abläuft, diese Erfahrung ist sehr hilfreich.»Andrin Frey

Am EYOF triumphierte er am Sprung mit einem Jurtschenko mit zweieinhalb Schrauben und einem Tsukahara mit Doppelschraube. Bei beiden Sprüngen will er nun je eine halbe Drehung anhängen. «Am Sprung und am Boden ist er teilweise bereits weiter als einige Turner im Nationalkader», sagt Trainer Kiraly.

Darauf jedoch mag sich das Talent nichts einbilden. Er spricht von viel Feinarbeit, welche ihm ­bevorstehe. Freys Vorbild ist übrigens Pablo Brägger. Der Reckeuropameister nahm 2009 ebenfalls am europäischen Jugend-Olympia-Festival teil, gewann drei Medaillen – doch keine war golden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.08.2017, 10:11 Uhr

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