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Klassentreffen unter «Nordlichtern»

Am Samstag beginnt die Unihockey-Meisterschaft - mit neuen und bekannten Gesichtern aus Umea

Miteinander in Umea, gegeneinander in Bern: Wiler-Ersigens Michael Zürcher, Christoph und Matthias Hofbauer (von links) werden auf den «Tiger» Marc Dysli treffen.
Miteinander in Umea, gegeneinander in Bern: Wiler-Ersigens Michael Zürcher, Christoph und Matthias Hofbauer (von links) werden auf den «Tiger» Marc Dysli treffen.
Andreas Blatter

«Schwedisch organisiert» sei das Abendessen gewesen, welches jüngst bei Marc Dysli in Bern stattgefunden habe, sagt Matthias Hofbauer. In andern Worten: Was wie und wann geschehen wird, weiss niemand; sicher ist einzig, dass die Stimmung gut sein wird. Ab halb neun Uhr trudelten die aus dem Raum Bern und aus Zürich angereisten Gäste ein, der Hausherr erschien um halb zehn – nach dem Unihockeytraining; gegessen wurde um elf. Überrascht war keiner der Geladenen. Was die Runde verbindet, ist ein mindestens zweijähriger Aufenthalt in Umea, 700 km nördlich von Stockholm gelegen.

Im Sommer 2004, nach der Unihockey-WM in Kloten, kehrte der Schweizer Nationaltrainer Urban Karlsson in seine Heimat zurück. Dysli, damals 22-jährig und einer der begabtesten Verteidiger des Landes, begleitete den Schweden, der fortan als Sportchef und Trainer des Eliteserievereins IBK Dalen amtete. 2006 folgte Michael Zürcher dem Ruf des einstigen Mentors, 2007 komplettierten Christoph und Matthias Hofbauer das helvetische Quartett in der 75000 Einwohner zählenden Universitätsstadt «fernab des hektischen Schweizer Lebens», wie die Nationalspieler unisono festhalten.

Im Frühling 2008 hatte der heute 28-jährige Winterthurer Zürcher Dalen Richtung Wiler-Ersigen verlassen – und dabei Verteidiger Mattias Wallgren mitgenommen; zwölf Monate später hoben die Verbliebenen die helvetische Exklave in Umea auf. Derweil sich die Hofbauers ihrem Stammklub Wiler-Ersigen anschlossen, zog es Dysli zu den Langnauer Tigers. Dessen Freundin Cecilia Aström – sie hielt an erwähntem Abend die Fäden in der Hand – verstärkt in der am Samstag beginnenden Meisterschaft die Bern Capitals. Ihre Kollegin Sophia Molin liess sich von Dalen zu den Burgdorf Wizards transferieren. Gastiert Wiler-Ersigen am 4.Oktober bei GC, wird es neuerlich zu einem Klassentreffen kommen: Nicht zuletzt dank Co-Trainer Anton Jonsson konnten Verteidiger Patrik Lundström und Nationalstürmer Alexander Bodén aus Umea nach Zürich gelockt werden.

Mehr Zündstoff birgt die Partie vom 21.November zwischen Wiler-Ersigen und den Langnauer Tigers, handelt es sich doch dabei nicht nur um den Vergleich zwischen Dysli und den früheren Gefährten, sondern auch um die Reprise des letzten Playoff-Finals. «Komisch» sei das Gefühl, wenn er an die Bedeutung der Spiele gegen die Tigers und die gemeinsam verbrachte Zeit denke, sagt der 28-jährige Bätterkinder Matthias Hofbauer. Die Situation sei insofern unproblematisch, als «wir auch im Training Gegenspieler waren und uns nichts gönnten», meint der 26-jährige Bruder Christoph augenzwinkernd. Dysli erwähnt die «vielen Erlebnisse, die wir geteilt haben», glaubt aber nicht, dass diese auf dem Feld eine Rolle spielen werden. «Nach dem Spiel dürfte der eine oder andere Spruch fällig werden.»

In sportlicher Hinsicht wurden nicht alle Ziele erreicht, in den Playoffs vermochte Dalen die ausgezeichneten Qualifikationsleistungen nie zu bestätigen. Ansonsten sind Erinnerungen und Erkenntnisse durchwegs positiver Natur. Dysli hat in Schweden «wertvolle Lebenserfahrung» gesammelt, Matthias Hofbauer ist «flexibler» geworden. Zürcher und Christoph Hofbauer vermissen die «hohe Lebensqualität», die auf den frühen Trainingszeiten (im Normalfall um 16.30 Uhr) und den mit dem Trainingsplan harmonierenden Arbeitszeiten beruht: «In Umea hatten wir jeden Abend frei, in der Schweiz kehren wir um halb elf Uhr aus dem Training zurück.»

Die Rückkehr ist mit einem Rückschritt verbunden. In Schweden sei «fast jedes Spiel eng», sagt Matthias Hofbauer. «Die eigene Leistung kann den Unterschied ausmachen, das ist sehr motivierend.» Die andern nicken, und Christoph Hofbauer ergänzt, es falle schwerer, sich am Limit zu bewegen, «wenn du 9:2 gewinnst». Zürcher spricht über die Taktik, die Organisation auf dem Feld, die als Gegenpol zu jener eines Abendessens betrachtet werden könne. In der Schweiz hätten die meisten Teams diesbezüglich erheblichen Nachholbedarf. Ruhe und Gelassenheit, welche die vier Nationalspieler ausstrahlen, führen unweigerlich zur Prognose, dass die helvetischen «Nordlichter» im Frühling ganz hell leuchten werden.

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