Junge Spiezer Seglerin mit Zuversicht und Ambitionen

Obwohl erst 15, investiert die Spiezerin Anja von Allmen eine ganze Menge in eine Sportart, in der die wenigsten Profistatus haben.

Zu Hause und dort, wo ihr Herz höherschlägt: Anja von Allmen posiert im Hafen der Spiezer Bucht.

Zu Hause und dort, wo ihr Herz höherschlägt: Anja von Allmen posiert im Hafen der Spiezer Bucht.

(Bild: Christian Pfander)

Adrian Horn

Nach einem halben Tag endete beinahe, was noch gar nicht richtig begonnen hatte. Schweizer Segler trainierten auf dem Gardasee, und Anja von Allmen verging auf einmal die Lust. Knapp zwei Jahre nachdem sie mit der Sportart in Berührung gekommen war, wurde die Spiezerin im Norden Italiens erstmals mit heftigem Wind konfrontiert, mit Wellen, welche das Boot immer wieder zum Kentern brachten.

Die Schiffe hatten kein Loch – sie kriegte das Wasser kaum mehr raus.Und so stand die Berner Oberländerin durchnässt und frus­triert vor ihren Eltern, sagte, sie werde nie wieder segeln. Den andern aber war es nicht besser ergangen.

Und so begab sie sich doch erneut auf den See. Das erwies sich nicht nur für sie als grosses Glück. Fünf Jahre später beschert sie Swiss Sailing eine Bronzemedaille an der Welt­meisterschaft in der Sparte ­Frauen der Optimisten-Klasse, als erstes Mädchen überhaupt.

Säen und nicht ernten

15-jährig und Gymnasiastin ist Anja von Allmen. Der Aufwand, den sie betreibt, ähnelt jenem einer Profisportlerin. Zwölf bis vierzehn Wochen verbringt sie pro Saison im Ausland, primär zu Trainingszwecken, aber auch, um Regatten zu bestreiten. Was sie im Unterricht verpasst, muss sie an den raren freien Wochen­enden nachholen.

«Auf dem Wasser  zu sein und den Wind zu spüren – das fühlt sich  sehr gut an.»Anja von Allmen

Sie wird unter anderem von einer Mentaltrainerin betreut und arbeitet dreimal die Woche an ihrer Physis. Üppige Preisgelder und die ganz grossen Werbedeals winken nicht – mit Segeln lässt sich in den seltensten Fällen Geld verdienen. Der Aufwand mache sich dennoch bezahlt, sagt sie.

«Auf dem Wasser zu sein und den Wind zu spüren – das fühlt sich sehr gut an», erzählt Anja von Allmen. Und ihre Mutter Barbara spricht von einer «Lebensschule». Sie und ihr Mann Jürg packen mit an, transportieren auch mal das Boot und fahren ihre Tochter an die Trainingsbasis in Ipsach oder zum Flughafen, und die Ferien nutzen sie oft, um bei Anja zu sein, die vor irgend­einer Küste Europas im Einsatz steht.

Sie täten dies mit Freude und aus Überzeugung, aber nur solange ihre Tochter die Schule nicht vernachlässige und in ihrer Sportart gewisse Ambitionen hege, erzählt Barbara von Allmen. «Sollten wir auf einmal das Gefühl bekommen, es gehe unserer Tochter nur darum, an schönen Orten irgendwelche Partys zu feiern, würden wir natürlich beginnen, die Sache zu hinterfragen.»

Die Noten aber stimmen, der Sport hat die Oberländerin Dis­ziplin und Englisch gelehrt. Und sie gilt als eine der begabtesten Seglerinnen hierzulande. Die Spiezerin ist seit drei Jahren Teil des Talentpools des Verbandes, und gegenwärtig ist sie dabei, sich mit einer neuen Bootsklasse vertraut zu machen.

Angst, dass sie sich anders als in der Einsteigersparte Optimist schwertun wird, hat sie nicht. «Am ersten Tag bin ich gefühlt fünfzigmal gekentert. Aber es macht Spass.» Den Wind und das kalte Nass hat sie längst lieb gewonnen.

Berner Zeitung

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