Jetzt oder nie

Das «Berner Kantonale» in Meiringen ist für Simon Anderegg das Heimfest. Kein Wunder, spricht er von einem Karrierehöhepunkt.

Am «Kantonalen» hilft Simon Anderegg beim Aufbau, am Fest selber möchte der Meiringer den Siegerpreis abräumen.

Am «Kantonalen» hilft Simon Anderegg beim Aufbau, am Fest selber möchte der Meiringer den Siegerpreis abräumen.

(Bild: Andreas Blatter)

Visualisieren ist in, auch im Schwingsport. Simon Anderegg hat die ganze Woche Zeit, sich gedanklich auf das Berner Kantonalfest einzustimmen. Auf dem Flugplatz Unterbach hilft der Zimmermann beim Aufbau der Arena und kann kaum verhindern, dass er ab und zu gedanklich abschweift.

«Cheibe speziell» sei das Fest quasi vor der Haustüre. Bereits 2002 durfte Simon Anderegg am Oberländischen Schwingfest in Meiringen antreten. «Ich war damals Schulabgänger, und zum Kranz hat lediglich ein Viertelpunkt gefehlt», erzählt er.

«Cheibe speziell» sei das Fest quasi vor der Haustüre. 

Jetzt aber ist der 30-Jährige ein Routinier, ein bärenstarker Schwinger – mit Siegesambitionen. Als Karrierehighlight bezeichnet der Oberländer deshalb das Berner Kantonalfest vom Sonntag.

Zwei schwache Feste

Natürlich wurde der Formaufbau auf Meiringen und das «Eidgenössische» in Estavayer ausgerichtet, doch Simon Anderegg trumpfte bereits zum Saisonbeginn auf. Am «Mittelländischen» reichte es zu Rang 2, am «Oberaargauischen» stand er im Schlussgang (Rang 2), und am «Oberländischen» kam Rang 3 hinzu.

Es folgte ein kleiner Einbruch, «zwei Feste, mit deren Verlauf ich nicht zufrieden bin». Am Schwarzsee-Bergfest verpasste Anderegg ebenso den Kranz wie am Verbandsfest der Nordostschweizer. Obwohl er die Gründe für das Scheitern orten konnte, kam der 109 Kilogramm schwere Brocken etwas ins Grübeln, «denn das Selbstvertrauen holst du dir mit Siegen».

«Das Selbstver­trauen holst du dir mit Siegen.»Simon Anderegg

Dass aber der eingeschlagene Weg stimmt, zeigte sich am letzten Wochenende auf der Rigi. Anderegg wurde erneut Zweiter, hätten Matthias Sempach und Christian Stucki im Schlussgang gestellt, hätte er sogar den Festsieg geerbt.

Wenn von den Favoriten für das «Eidgenössische» gesprochen wird, fallen stets die Namen Sempach, Stucki, Wenger und Käser. Von Simon Anderegg hingegen spricht fast keiner. Der Sennenschwinger kann damit gut leben: «Anderegg ist nicht so wichtig», sagt er, und weiter: «Ein Berner soll in Estavayer gewinnen. Wir verfügen über ein sehr starkes Team.»

Denn hinter den Topfavoriten sind einige weitere Kandidaten für den Königstitel auszumachen. «Für den Sieg benötigt man zwei perfekte Tage.»

Zwei eidgenössische Kränze konnte sich Anderegg bereits ergattern, zufrieden ist er mit dieser Ausbeute indes nicht restlos. «Klar, ist das primäre Ziel der Kranzgewinn, aber ich hätte nichts dagegen, wenn ich in diesem Jahr etwas länger vorne mitmischen könnte.»

«Für den Sieg benötigt man zwei perfekte Tage.»Simon Anderegg

Vor drei Jahren in Burgdorf war Anderegg von der Schwinglegende Jörg Abderhalden zum Geheimfavoriten ernannt worden. Der Wettkampf verlief aber nicht nach Wunsch: «Ich verletzte mich im zweiten Gang an der Nase und verlor früh den Anschluss an die Spitze.»

Nur drei Siege

83 Kränze hat Simon Anderegg in seiner Karriere bis jetzt ge­wonnen, die Anzahl der Festsiege liest sich mit drei hingegen ziemlich bescheiden. Reüssiert hat er am Schwarzsee (2011), am «Emmentalischen» (2013) sowie am «Oberländischen» (2014). Es könnten mehr sein, zumal er ab und zu in einem Schlussgang anzutreffen ist.

«Möglich, dass ich in diesen Situationen etwas zu zaghaft war», räumt Anderegg ein. Jetzt hat er sich vorgenommen, in Zukunft etwas aktiver zu werden. «Früher legte ich die Priorität darauf, nicht zu verlieren. Heute will ich wenn immer möglich den Sieg suchen.» Die Konkurrenz sei in den letzten Jahren allerdings stärker geworden.

Hat Simon Anderegg während des Aufbaus der Schwingarena eine ruhige Minute, kann er auf den Sägemehlring in der Mitte schauen. Dort wird am Sonntag der Schlussgang ausgetragen, dort dabei zu sein, muss das Ziel des Spitzenschwingers sein. Zumindest für den Wettkampfort Meiringen heisst es: jetzt oder nie.

Verfolgen Sie am Sonntag ab 8 Uhr unseren Liveticker.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt