«Irgendwann klappt es schon noch mit dieser Kuhglocke»

Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich beenden das Gstaad-Major auf Rang 4. «Dass wir jetzt schon auf diesem Level stehen, hätten wir nicht erwartet», sagt die Bernerin Vergé-Dépré im Interview.

Anouk Vergé-Dépré (rechts) und Joana Heidrich schafften es in Gstaad auf den 4. Platz.

Anouk Vergé-Dépré (rechts) und Joana Heidrich schafften es in Gstaad auf den 4. Platz.

(Bild: Andreas Blatter)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Am Ende ging Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich die Luft aus. Fünf Spiele de suite hatten sie am Gstaad-Major gewonnen, als erstes Schweizer Team seit 2012 am Heimturnier den Einzug in den Halbfinal geschafft. Wenig, sehr wenig fehlte, und die Bernerin und die Zürcherin hätten sich für das Endspiel qualifiziert.

In einer dramatischen Partie unterlagen Heidrich/Vergé-Dépré jedoch den späteren Turniersiegerinnen Chantal Laboureur/Julia Sude aus Deutschland (21:15, 21:23, 18:20). Im Spiel um Platz 3 gegen die Kanadierinnen Sarah Pavan/Melissa Humana-Paredes verloren die Schweizerinnen dann deutlich 15:21, 12:21.

Gleichwohl ist der 4. Platz für Heidrich/Vergé-Dépré ein grosser Erfolg. Das Duo spielt erst seit dieser Saison zusammen und klassierte sich nun erstmals an einem Turnier der höchsten Kategorie für den Halbfinal.

Welches Gefühl überwiegt mit etwas Abstand, die Enttäuschung oder der Stolz?
Anouk Vergé-Dépré: Grundsätzlich können wir auf eine coole Woche zurückschauen. Im Halbfinal fehlte wenig. Dass wir danach im Spiel um Platz 3 so auf die Kappe bekommen haben, ist aber sicher eine Enttäuschung, wir wären sehr gerne auf dem Podest gestanden...

... aber Ihnen ging die Luft aus.
Wir starteten gut, hatten viele Break-Chancen, die wir nicht nutzten. Aber dann fanden unsere Gegnerinnen besser in die Partie, machten sehr viele Punkte mit Block und Defensive. Und was die Energie betrifft, war es schwierig, das Level zu halten. Wir haben gemerkt, dass wir in den drei letzten Wochen viel mehr Spiele absolviert haben als zuvor.

Ein 2. Platz in Den Haag, ein 5. Rang in Porec und nun Vierte in Gstaad. Die Bilanz der letzten drei Wochen lässt sich sehen.
Das zeigt, dass es nicht nur Zufall war und wir auf dem richtigen Weg sind. Es gibt noch viele Sachen, die wir verbessern können, aber dass wir jetzt schon auf diesem Level stehen, hätten wir nicht erwartet.

Nun haben Sie erstmals am Wochenende in Gstaad gespielt, in einem vollen Stadion. Was bedeutet das für Sie?
Das möchte ich auf jeden Fall wieder erleben, und irgendwann klappt es schon noch mit dieser Kuhglocke (lacht/Anm. der Red.: Die besten drei Teams erhalten in Gstaad jeweils eine Kuhglocke). Für mich ist aber bereits ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Schon als kleines Mädchen hatte ich dieses Turnier besucht, Autogramme geholt. Und diese Stimmung am Samstag, ich hatte Hühnerhaut.

In knapp drei Wochen beginnt die WM. Was können Sie vom Gstaad-Major mitnehmen für die Titelkämpfe?
Unsere Problemzonen haben sich verschoben. Anfang Saison musste ich noch überlegen, wo ich als Defensivspielerin im Feld genau stehen muss. Nun kann ich darüber reden, wie ich den Gegner verwirren kann. Wir haben nun gesehen, dass wir jedes Team schlagen können. In Gstaad haben wir zwei Teams bezwungen, die wir an der WM in unserer Gruppe haben werden, das gibt sicher Vertrauen. Aber: Es waren sehr enge Spiele, was zeigt, dass wir unser Bestes abrufen müssen.

Hat sich Ihre Zielsetzung, ein Top-Ten-Platz an der WM, nach den starken Auftritten nun verändert?
(überlegt) Ehrlich gesagt kann ich diese Frage nicht genau beantworten, ich muss mir darüber nochmals Gedanken machen. Wir haben zwei brasilianische Teams in unserer Gruppe. Dennoch möchten wir uns eine gute Ausgangslage für die K.O.-Runde verschaffen, also uns auf den ersten beiden Plätzen klassieren. Der Schlüssel wird sein, sich auf jedes Spiel zu fokussieren, denn es wird schwierig. Aber wir reisen sicher mit mehr Vertrauen nach Wien.

Berner Zeitung

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