«Ich will springen, nicht aufhören»

Stabhochspringerin Nicole Büchler denkt nicht im Geringsten an einen Rücktritt.

Hat mit einer Diskushernie zu kämpfen: Nicole Büchler.

Hat mit einer Diskushernie zu kämpfen: Nicole Büchler.

Die Ausgangslage war hervorragend. Nicole Büchler, von Wettkampf zu Wettkampf stärker geworden, gehörte im Hinblick auf die Hallen-EM in Belgrad zum Kreis der Medaillenkandidatinnen. Die 33-jährige Bielerin steht mit einem Saisonbestwert von 4,61 Metern da. Sie hätte noch Reserven gehabt, wäre am vergangenen Samstag in Birmingham nicht eine ­Diskushernie aufgetreten.

Was ist genau passiert?Nicole Büchler: Nichts Konkretes. Rückenbeschwerden hatte ich schon an den Olympischen Spielen in Rio. Ich dachte bis etwa zwei Tage vor der MRI-Untersuchung, dass die Ursache auf ein bekanntes Problem zurückzuführen ist und ich die Hallen-EM mit Schmerzmitteln bestreiten kann.

Welches Problem meinen Sie?Als ich noch Rhythmische ­Gymnastik betrieben hatte, war in meinem Rücken eine Spondy­lolyse registriert worden. Es handelt sich um einen Bruch des Wirbelbogens, nichts Schlimmes; es gibt auch Leute, die damit geboren werden. Die Schmer­zen wurden in den letzten Wochen immer stärker, deshalb brach ich den Wettkampf in Birmingham ab ...

... nachdem Sie 4,53 Meter ­gemeistert hatten.Ja, ich war auf Kurs, der Sieg an der Hallenwelttour war mir nicht mehr zu nehmen. Die Hallensaison verlief bis zu diesem Zeitpunkt generell ähnlich gut wie im letzten Winter.

Die Geschehnisse erinnern an den letzten Sommer, als Sie die Freiluft-EM in Amsterdam ­wegen einer Oberschenkelverletzung verpasst haben.Genau, und deshalb tut es auch weh. Ich hätte im letzten Sommer Medaillenchancen gehabt, ich hätte in Belgrad Medaillenchancen. Wer weiss schon, ob ich nochmals in eine solche ­Ausgangslage kommen werde?

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Ihnen der Befund «Bandscheibenvorfall» mitgeteilt wurde?Es ging einigermassen, ich war nicht mehr so überrascht. Ich hatte mich zuvor kaum mehr bücken können, es fast nicht geschafft, die Socken anzuziehen. Aber klar, es drückt aufs Gemüt.

Wie geht es nun weiter?Ich wäre froh, wenn ich das wüsste. Zuerst ist sicher einmal Geduld gefragt, viel machen kann man nicht. Dumm wäre, wenn die Schmerzen nicht von selbst verschwänden, wenn sie mit der Hüfte, die ich ebenfalls spüre, in Verbindung stünden. Andernfalls sollte einer normalen Sommersaison nichts im Weg stehen.

Die nächste reelle Medaillenchance könnte sich in Berlin ­bieten. Planen Sie bis zur ­Freiluft-EM 2018?Berlin habe ich auf jeden Fall im Kopf. Ich höre oft die Frage, ob ich bald zurücktreten werde. Dabei mag ich mich mit diesem Gedanken gar nicht beschäftigen. Ich will springen, nicht aufhören.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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