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«Ich will immer noch mehr»

Sabrina Jaquet hat mit dem Gewinn der EM-Bronzemedaille für einen Exploit gesorgt. Dieser Erfolg stachelt die ehrgeizige Wahl-Bielerin noch zusätzlich an.

Stilstudie: Sabrina Jaquet in Aktion.
Stilstudie: Sabrina Jaquet in Aktion.
Keystone

Sie ist der Lohn für Tausende von Trainingsstunden, für jahrelange Entbehrungen, für ein bescheidenes Leben: Die Bronzemedaille, die Sabrina Jaquet gestern, am Schlusstag der Europameisterschaft, in der dänischen Hafenstadt Kolding überreicht bekam. Es ist auf dieser Stufe der erste Podestplatz für Swiss Badminton seit 1980, als Liselotte Blumer den EM-Titel geholt hatte.

Traum wird Realität

Im Vorfeld der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro hat Jaquet noch gesagt, eine EM-Medaille sei «eher ein Traum als ein Ziel – aber ein Traum, der in Erfüllung gehen kann». Nun erzählt sie: «Ich wusste, dass ich über das nötige Niveau verfüge. Ich wusste, dass ich, wenn ich mein Potenzial ausschöpfe, fast alle Gegnerinnen schlagen kann. Es dann aber zu tun, ist etwas ganz anderes. Eine EM-Medaille in der Hand zu haben, ist ein wunderbares Gefühl.»

Im Halbfinal sah es anfänglich danach aus, als könnte die seit einem Jahrzehnt im Bernbiet wohnende Neuenburgerin sogar das Endspiel erreichen. Doch sie verspielte im ersten Durchgang gegen die Schottin Kirsty Gilmour einen 19:16-Vorsprung, «weil ich im entscheidenden Moment etwas zu passiv agierte. Vielleicht hätte ich mit einer Führung im Rücken noch einen Satz durchgehalten, aber nach dem 20:22 fühlte ich mich leer – mental und auch körperlich.»

Druck und Schmerzmittel

Dass die Energiereserven aufgebraucht waren, kommt nicht von ungefähr. Sabrina Jaquet hat sich darauf eingestellt, im Viertelfinal gegen die als Nummer 2 gesetzte Beatriz Corrales anzutreten. Doch als der Engländerin Fontaine Mica Chapman gegen die Spanierin die Überraschung gelungen war, befand sich Jaquet plötzlich in der Favoritenrolle. «Der Druck war riesig, und ich war extrem nervös», gibt die 29-Jährige zu.

Und dann verlor sie noch den zweiten Satz, nachdem sie einen Matchball vergeben hatte. «Es war ein einziger Kampf. Ich bin stolz, setzte ich mich durch. Vor zwei Jahren hätte ich eine solche Partie noch verloren.» Erschwerend kam für die Schweizerin dazu, dass sie seit dem Swiss Open in Basel an einer Verspannung in der Schulter des Schlagarms und seit fast einem halben Jahr an einer Entzündung im rechten Fuss leidet. Jaquet hatte im März zwei Wochen pausieren müssen.

Und in Kolding spielte sie jeweils mit Schmerzmitteln. «Es ging nicht anders, aber mittelfristig ist das keine Lösung.» Das in Biel wohnende Aushängeschild der nationalen Badmintonszene ­feierte also den grössten Erfolg, obwohl die Voraussetzungen alles andere als optimal waren.

WM in Basel, Olympia in Tokio

Mit dem Gewinn der EM-Medaille ist Sabrina Jaquet am Ziel einer langen, zum Teil beschwerlichen Reise angekommen. Doch sie hat nicht vor, nun die Beine hochzulagern oder gar auf dem Höhepunkt abzutreten. «Als Athletin habe ich immer noch Hunger», sagt sie bestimmt, «ich will immer noch mehr erreichen.» Die Rechtshänderin spricht von einer weiteren EM-Medaille, von guten Resultaten auf der Weltbühne und von einer Top-30-Klassierung.

Derzeit belegt sie im globalen Ranking Position 37, durch die Halbfinalqualifikation an der EM wird sie noch ein paar Plätze gutmachen. Erfolg motiviere, berichtet sie. Es sei nun «fast sicher», dass sie sich bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio durchbeisse. «Ganz sicher dabei sein will ich an der Weltmeisterschaft 2019 in Basel.»

Vorerst geniesst sie drei freie Tage in Dänemark, danach bestreitet sie mit Issy-les-Mouli­neaux den Playoff-Final der französischen Teammeisterschaft. Nach einer Woche Ferien, von der sie sich die Genesung des rechten Fusses erhofft, beginnt Jaquet wieder mit dem Training. «Mein nächstes grosses Ziel ist die WM in Glasgow.» Eine Medaille wird sie in Schottland wegen der übermächtigen Konkurrenz aus Asien nicht gewinnen, doch das ändert nichts an ihrer Einstellung. «Ich bin überzeugt, noch weitere Fortschritte machen zu können.»

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