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«Ich mag wohl zu viele Sachen»

Die Westschweizerin Albane Valenzuela hat die Anlagen, in die Weltspitze vorzustossen. Ehrgeizig ist die 19-Jährige auch abseits des Platzes: Sie studiert an der Eliteuniversität Stanford.

Albane Valenzuela: Die Olympiateil­nehmerin, die in Kalifornien ihre sportliche Karriere und ihre Ausbildung vorantreibt, ist das Aushängeschild der EM in Lausanne.
Albane Valenzuela: Die Olympiateil­nehmerin, die in Kalifornien ihre sportliche Karriere und ihre Ausbildung vorantreibt, ist das Aushängeschild der EM in Lausanne.
Keystone

Die kleine Narbe über dem linken Auge ist ein Überbleibsel eines Unfalls, der das Leben Albane Valenzuelas grundlegend hätte verändern können. Die begabte Golferin musste am 23. März auf dem Areal der Stanford University mit dem Velo einem Auto ausweichen, worauf das Vorderrad blockierte – die Genferin flog in hohem Bogen über den Lenker und landete unsanft auf dem Kopf.

«Ich verbrachte neun Stunden in der Notfallaufnahme. Ich litt an einer ziemlich schweren Hirnerschütterung, hatte überall Nähte im Gesicht. Die Hände waren aufgeschürft, die Patella­sehne war angerissen», erzählt Valenzuela. Tags darauf hätte sie nach Los Angeles fliegen wollen, um an einem Major-Event (entspricht einem Grand-Slam-Turnier im Tennis) teilzunehmen, für das sie eingeladen war.

Wer mit Valenzuela spricht, vergisst, dass sie am 17. Dezember 2017 erst ihren 20. Geburtstag feiern wird. Sie redet rasant, wirkt aber abgeklärt. «Es war ein Erlebnis, das mir die Augen öffnete. In so einem Moment realisierst du, dass es in beide Richtungen gehen kann.» Neben dem Unfall plagten die Romande weitere gesundheitliche Probleme; einmal löste ein vertauschtes Smoothie aufgrund von Nüssen eine heftige allergische Reaktion aus. Sie habe im ersten Jahr ein Auf und Ab erlebt, sich aber nach allen Rückschlägen aufraffen können und insgesamt gutes Golf gespielt. «Und ich habe gelernt, dass ein Bogey oder Doppelbogey kein Weltuntergang ist.»

Der Besuch von Tiger Woods

Sie empfindet den Unfall als Bestätigung dafür, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Die Tochter eines Mexikaners und einer Französin hatte schon früh das Ziel gehabt, im nordkalifornischen Stanford an einer der renommiertesten Hochschulen der Welt zu studieren. Obwohl ihre Resultate, darunter Platz 21 an den Olympischen Spielen, suggerieren, dass sie auf Profiniveau bereits jetzt mithalten könnte, hält sie an diesem Plan fest.

Ihre hohen Erwartungen an die Eliteuniversität wurden voll und ganz erfüllt. «Es hat so viele schlaue Leute, und die meisten leisten nicht nur in einem Bereich Erstaunliches. Stanford belegt im US-Ranking, das sportliche und akademische Leistungen einbezieht, Platz 1.» Sie habe viele interessante Personen kennen gelernt, erzählt Valenzuela und nennt einen Nachbarn, der an der Entwicklung des Google-Autos beteiligt ist, die fünffache Schwimmolympiasiegerin Katie Ledecky, mit der sie gemeinsam Kurse besuchte, die frühere US-Aussenministerin Condoleezza Rice und Tiger Woods, der drei Tage auf der Anlage im Campus trainierte. «Er war entspannt, sprach mit uns, war supernett zum ganzen Team. Überhaupt, du bist von grossartigen Menschen umgeben; ich denke, die Qualität der Leute macht Stanford einzigartig.»

«Die Beste sein»

Die in New York geborene Schweizerin, die akzentfrei Französisch, Spanisch sowie Englisch spricht, passt perfekt in dieses Umfeld. Sie trug entscheidend dazu bei, dass das Frauenteam die Collegegolfsaison als Nummer 1 beendete, obwohl es am Finalturnier im Halbfinal gescheitert war.

Valenzuela brillierte nicht nur sportlich, sondern auch schulisch. Gemäss dem Magazin «Golfweek» schloss sie jede Prüfung mindestens mit A minus ab. «Ja, ich hatte tolle Noten, aber ich musste hart für sie arbeiten. Ich bin eine Perfektionistin, wenn es um das Akademische geht», sagt sie. Es sei wichtig, die Zeit gut einzuteilen. «Wenn du nach Stanford gehst, willst du die Beste sein, in der Schule und im Sport», beschreibt sie die vorherrschende Mentalität auf dem Campus in Palo Alto, rund 60 km südlich von San Francisco.

«Der Support ist so, dass nicht der eine Bereich den anderen einschränkt. Ich fühlte mich gut unterstützt, sodass ich auch akademisch meine Ziele erreichen konnte.» In welchem Fach sie dereinst den Abschluss machen will, ist noch unklar. «Ich mag wohl zu viele Sachen.» Interessiert ist sie an Politwissenschaften, internationalen Beziehungen und Kommunikation.

Hat sie auch golferisch Fortschritte erzielt? «Ich habe viel über mein Spiel gelernt. Ich benutze nun mehr unterschiedliche Schläge. Noch in Rio hatte ich nur eine Flugbahn im Repertoire, dafür wurde ich zuweilen bestraft.» Es sei schwierig, ein ganz neues Niveau zu erreichen, aber sie habe viele Details verbessert. Zusammenfassend sagt Albane Valenzuela lachend: «Ich denke, ich habe mich mehr als Person denn als Golferin entwickelt. Aber ich nehme alles.»

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