Matthias Glarner wird wohl wieder schwingen können

Schwingerkönig Glarner zieht sich beim Sturz von einer Gondel aus zwölf Metern Höhe schwere Verletzungen zu. Er hat Glück im Unglück und dürfte, sofern die Rehabilitation gut verläuft, künftig wieder schwingen können.

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Marco Oppliger@BernerZeitung
Reto Kirchhofer@rek_81

Um 20.45 Uhr wird Matthias Glarner im Berner Inselspital aus dem Operationssaal geführt. Kurze Zeit später ist der 31 Jahre alte Meiringer bereits ansprechbar «und den Umständen entsprechend sogar gut drauf», wie Glarners Vertrauensperson Beni Knecht sagt. Sechs Stunden hat die Operation gedauert, somit länger als erwartet, weil sich die Verletzung im Fuss als höchst komplex erwies.

«Aber nun sind alle erleichtert, dass ‹Mätthel› in einem stabilen Zustand ist», sagt Knecht. Er atmet hörbar auf. Und so endet dieser schwarze Dienstag für Matthias Glarner, sein Umfeld und die ganze Schwingerszene doch noch mit einer positiven Meldung; jener Dienstag, der für den Schwingerkönig von 2016 mit einem schockierenden Unfall begann.

Sturz aus zwölf Metern Höhe

Es ist kurz nach 8 Uhr, als bei der Kantonspolizei Bern der Alarm losgeht. In Hasliberg hat sich ein schwerer Unfall ereignet: Ein Mann ist auf der Linie Twing–Käserstatt von einer Gondel gefallen. Rasch wird klar: Beim Ver­unglückten handelt es sich um Matthias Glarner.

Der Schwingerkönig muss mit dem Rega-Helikopter ins Inselspital transportiert werden, nachdem er sich beim Sturz aus rund zwölf Metern Höhe schwerste Verletzungen am Becken und am Sprunggelenk zugezogen hat (siehe Kasten). Gleichwohl hat der 31-Jährige unfassbares Glück im Unglück: Im Normalfall zieht sich ein Mensch bei einem solchen Sturz lebensgefährliche Verletzungen zu, das bestätigt ein Arzt.

Unfall beim Fotoshooting

Aber was ist genau geschehen? Der Unfall ereignete sich während eines Fotoshootings mit der «Schweizer Illustrierten». Das Magazin dokumentiert im Vorfeld des Unspunnen-Schwingets den Arbeitsalltag der Spitzenschwinger. Glarner ist bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg als Personalbetreuer angestellt, doch er hat im Betrieb auch Ausbildungen absolviert und Qualifikationen dafür erworben, in der Höhe am Seil an den Gondeln zu arbeiten.

Ein Freund sagt, Glarner habe diese Arbeiten sehr gut im Griff. Der Schwingerkönig hat beim Vorfall die Schutzausrüstung getragen, die notwendigen Sicherheitsmassnahmen getroffen. Wie es zum Absturz kommen konnte, ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen.

Bestürzung allenthalben

Stefan Regez, Co-Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten», wird in der Pressemitteilung zwar als Kontakt angegeben, er äussert sich aber gegenüber dieser Zeitung nicht. Auf Anfrage schreibt die Kommunikations­abteilung des Ringier-Verlages, zu welchem die «Schweizer Illustrierte» gehört, lediglich: «Der genaue Unfallhergang wird derzeit untersucht. Wir sind tief betroffen und wünschen Matthias Glarner gute Genesung.»

Jedenfalls wirft die Meldung von Glarners Unfall in der Szene hohe Wellen. Die Bestürzung ist gross, vor allem bei Glarners Teamkollegen. «Das ist wahnsinnig», sagt Peter Schmutz, der Technische Leiter der Berner Schwinger. «Für unser Team ist das ein schwerer Verlust.»

«Ich bin noch immer schockiert. Mir gehen die schlimmsten Bilder durch den Kopf.»Matthias Sempach

Am Freitag hätte sich Glarner zum Training mit dem Berner Kader getroffen. Matthias Sempach, der Schwingerkönig von 2013, sagt: «Ich bin noch immer schockiert. Mir gehen die schlimmsten Bilder durch den Kopf. Ein Sturz aus zwölf Metern Höhe, das ist kaum vorstellbar. Ich wünsche Matthias Glarner einfach nur das Beste.»

Wie lange Glarner ausfallen wird, ist unklar. «Er ist ein Kämpfer», sagt Knecht. Klar ist: Seine hervorragende körperliche Verfassung dürfte Matthias Glarner am Dienstagmorgen am Hasliberg das Leben gerettet haben.

Berner Zeitung

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