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«Ich freute mich auf ein Leben ohne Spitzensport»

Romi Kessler (53) war vor Ariella Kaeslin die erfolgreichste Schweizer Kunstturnerin. Sie erreichte an den Olympischen Spielen 1984 zwei 5. Plätze und einen 6. Rang.

Während heute die meisten Turner Profisportler sind, kam es für Romi Kessler damals nicht infrage, nur zu turnen.
Während heute die meisten Turner Profisportler sind, kam es für Romi Kessler damals nicht infrage, nur zu turnen.
zvg

Ich werde in beiden Wochen von Donnerstag bis Sonntag in Bern sein, weil ich in der Sportmuseum-Lounge in der Postfinance-Arena die Gäste mitbetreue. Dort wird die Entwicklung des Kunstturnens gezeigt, unter anderem, wie die Schweizer Frauen im Vergleich mit den Männern aufgeholt haben, was sich gerade anhand der gewonnenen Medaillen an Grossanlässen zeigt. Aber wahrscheinlich schaue ich mir schon jeweils am Mittwoch die Wettkämpfe vor Ort an.

Interesse für Sport nach wie vor gross

Daneben freue ich mich auch auf die spannenden Gespräche mit alten Bekannten und Gästen. Ich trainiere immer noch einmal die Woche in einer Showgruppe vom Turnverein Rüti mit anderen ehemaligen Kunstturnerinnen und Gymnastinnen, zwei meiner Kinder betreiben Sektionsturnen, und auch sonst ist mein Interesse für diesen Sport nach wie vor gross.

Ich bin gespannt, zu hören, wo heute die Bedürfnisse im Turnsport liegen. Im Vergleich zu den internationalen Wettkämpfe Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre hat sich bis heute einiges verändert. So mussten wir etwa an jedem Gerät neben der Kür- noch eine Pflichtübung turnen, wo alles genau vorgeschrieben war. Das war ein Riesenaufwand. Auch die Geräte wurden weiterentwickelt. Die Holme des Stufenbarrens waren viel enger beisammen, und der Bock beim Sprung war damals nicht ge­federt.

Und bei uns war die Höchstnote einfach 10, während diese sich heute aus mehreren Werten zusammensetzt und über 15 oder sogar über 16 Punkte erreicht werden können. Sowieso ist alles extremer geworden. Heute zeigen schon die Juniorinnen Elemente, die ich während meiner ganzen Karriere nie geturnt habe. Man soll es auch gar nicht vergleichen.

Kein Vertrag und keine Preisgelder

Während heute die meisten Turner Profisportler sind, kam es für mich nicht infrage, nur zu turnen. Weder hatte ich einen Vertrag, noch gab es Preisgelder. Viel Training jedoch brauchte es damals schon. Wir Frauen trainierten noch nicht regelmässig in Magglingen – ich zum Beispiel in vier verschiedenen Schulsporthallen im Raum Zürich. Ich bekam von meinem KV-Lehrbetrieb aus acht Stunden pro Woche für Trainings frei. Nur im Halbjahr vor den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles trainierte ich voll.

Ich hatte für mich beschlossen, dass dies mein letzter Wettkampf sein würde. Umso schöner, dass ich so gut abschnitt und am Barren und am Boden Platz 5 und am Balken Platz 6 in den Geräte­finals erreichte. Ich hatte alles aus mir herausgeholt und das Turnen voll ausgelebt. Danach freute ich mich auf ein Leben ohne Spitzen

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