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Hype, Hysterie und Historie

Wenn die Red Sox aus Boston auf die Yankees aus New York treffen, geht es um mehr als nur Sport. Es ist das Duell zweier Metropolen.

Heiko Oldörp
Selbst handgreiflich wird es gelegentlich bei Duellen zwischen Red Sox und Yankees – wie hier in diesem Frühling in Boston. Bild: Billie Weiss (GettyImages)
Selbst handgreiflich wird es gelegentlich bei Duellen zwischen Red Sox und Yankees – wie hier in diesem Frühling in Boston. Bild: Billie Weiss (GettyImages)

Das Spiel zwischen den New York Yankees und den Oakland Athletics war noch lange nicht beendet. Die Gastgeber führten in diesem Wild Card Game der Major League Baseball im sechsten von neun Innings 3:0. Doch auf den Rängen beschäftigten sich die Fans längst mit der Zukunft. «We want Boston», skandierten sie. Ihr Wunsch wurde erfüllt. New York gewann 7:2, nun treffen die Yankees im Playoff-Viertelfinal auf die Boston Red Sox.

Das Duell der Traditionsvereine ist ein Homerun für Fans, Fernsehanstalten und die Liga. Denn Red Sox gegen Yankees – das ist die grösste Rivalität im US-Sport und steht für Hype, Hysterie und Historie. «Das wird ein Spass. Viele Baseballfans wollten dieses Duell, wir wollten es auch», sagt Yankees-Pitcher Dellin Betances.

Red Sox gegen Yankees ist jedoch nicht nur das Aufeinandertreffen zweier Erzrivalen, sondern auch immer ein Duell der Städte. Boston und New York gelten als Leuchttürme an der US-Ostküste. Zwei Metropolen mit Geschichte. Boston ist eine der ältesten Städte der USA. Hier kamen einst die ersten Übersiedler aus Europa an, und hier begann 1775 der amerikanische Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten. New York wurde im 19. und 20. Jahrhundert für Millionen Auswanderer zum Symbol für Hoffnung und Freiheit.

Und dennoch kann sich Boston nicht wirklich mit New York messen – aber welche Metropole der Welt kann das schon? Boston hat zwar berühmte Universitäten wie Harvard oder das Massachusetts Institute of Technology (MIT), aber eben nicht den Glitzer und Glamour von New York. Der «Big Apple» steht für sich, gilt als Schmelztiegel der Welt, ist die City, die niemals schläft. In Boston schliessen die Clubs, Bars und Restaurants spätestens morgens um 2 Uhr.

10:4 Titel für Boston

Sportlich hingegen hat die Massachusetts-Metropole es immer wieder mit den New Yorker Teams aufnehmen können – und ist seit der Jahrtausendwende sogar weitaus erfolgreicher gewesen. Die Patriots (American Football), Red Sox, Celtics (Basketball) und Bruins (Eishockey) haben seit 2002 zusammen zehn Meisterschaften gewonnen. New York kommt mit seinen sieben Teams in den vier grossen Ligen auf vier. Die Yankees sind mit 27 World-Series-Titel die erfolgreichste Franchise im nordamerikanischen Profisport.

In Boston schütteln sie bei dieser Bilanz noch heute den Kopf – denn es waren ausgerechnet die Red Sox, die den «Bronx Bombers» einst auf die Sprünge halfen. Zwischen 1915 und 1918 hatten die Roten Socken drei Titel gewonnen. Der Star des Teams war Babe Ruth, Spitzname «Bambino». Allerdings hatten die Red Sox Finanzprobleme und verkauften Ruth 1919 an die bis dahin titellosen Yankees. «Dieser Wechsel hat das Schicksal beider Vereine für Jahrzehnte verändert», schrieb Yankees-Historiker Marty Appel.

Als Ruth 1934 seine Karriere beendete, hatte New York viermal die World Series gewonnen. Bis heute kamen 23 weitere Meisterschaften hinzu. Boston hingegen holte bis 2004 keinen Titel mehr. Generationen von Red-Sox-Fans wuchsen mit der Gewissheit auf, dass ihre Lieblinge es irgendwie immer wieder schaffen würden, die wichtigen Spiele doch noch zu verlieren. Die Red Sox bekamen den Spitznamen «lovable losers» und glaubten an den «Fluch des Bambino». Dieser endete erst im Oktober 2004 – als aus den liebenswerten Verlierern endlich Champions wurden.

Die phänomenale Wende

Allerdings spricht niemand über den gewonnenen Final gegen St. Louis, wenn vom Titel 2004 die Rede ist. Diese Meisterschaft ist nicht nur deshalb so besonders, weil es die erste nach 86 Jahren war, sondern vor allem, weil im Halbfinal die Yankees besiegt wurden. Dabei hatte New York die ersten drei Spiele gewonnen und brauchte nur noch einen Sieg, um die World Series zu erreichen. Nie zuvor hatte in der MLB-Geschichte ein Team einen 0:3-Rückstand noch gedreht. Doch dann gewannen die Red Sox tatsächlich vier Spiele nacheinander.

Dieses Comeback überraschte auch die Produzenten von «Fever Pitch». Der Film – mit Drew Barrymore und Jimmy Fallon – erzählt die Leidensgeschichte eines Red-Sox-Fans, war bereits abgedreht und endete damit, dass die Red Sox mal wieder im Playoff an den Yankees scheiterten. Nach dem spektakulären Comeback mussten die Kameras jedoch erneut rausgeholt und das Ende neu verfilmt werden.

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