Hornussen von A bis Z

Am Mittwoch beginnt in Walkringen das 38. Eidgenössische Hornusserfest. Ein A bis Z zum Start des Grossanlasses.

Von Hörnern und Schindeln. <b>Das Hornussen-ABC</b>. Illustration: Max Spring

Von Hörnern und Schindeln. Das Hornussen-ABC. Illustration: Max Spring

Reto Pfister

A wie Abtun. Das wichtigste beim Hornussen ist es, mit Hilfe der Schindel (siehe S) keinen gegnerischen Nouss ins Spielfeld fallen zu lassen. Passiert dies, kassiert man eine Nummer und gerät ins Hintertreffen, egal, wie weit man selbst schlägt. Besonders schwer abzutun sind Nousse mit unkonventioneller Flugbahn (siehe B).

B wie «Bodesuri»: Im Hornussen ist es verpönt, Nousse so zu schlagen, dass sie für den Gegner besonders schwer abzutun sind. Manchmal geschieht dies dennoch, wenn der Schläger das Spielgerät nicht optimal trifft.

Der Nouss kann dann zum Beispiel eine ex­trem flache Flugbahn einnehmen und zu einem «Bodesuri» werden. Die Abtuer müssen dann extrem rasch reagieren, um eine Nummer zu verhindern.

C wie Cumulus: Wolken dieser und anderer Art sind während eines Spiels keine unerwünschten Gäste. Bei bewölktem Himmel erkennen die Abtuer den ­fliegenden Nouss besser als bei strahlendem Sonnenschein.

D wie Dorf: Hornussen hat seinen Ursprung in bäuerlichen Kreisen im Emmental. Es verwundert daher nicht, dass zwei Dorfclubs derzeit die besten Teams stellen. Meister Höchstetten ist in einem 300-Einwohner-Ort beheimatet, der Zweite Wäseli im Osten der Gemeinde Vechigen im Gebiet einer Käserei.

E wie «Eidgenössisches»: Das Eidgenössische Hornusserfest findet alle drei Jahre statt. Bereits bekannt ist mit Thörigen/Bleienbach der Ausrichter für das Fest 2021.

F wie Frauen: Frauen dürfen ohne Einschränkung mitspielen. Es finden sich aber nur wenige, die sich der Konkurrenz der physisch überlegenen Männer stellen.

G wie Grossrinderfeld: Im Nordosten Baden-Württembergs existiert die eine von einst zwei verbliebenen deutschen Hornussergesellschaften. Die HG Grossrinderfeld wurde 1994 gegründet und nimmt am Wettkampf der 8. und damit tiefsten Stärkeklasse teil. Aufgelöst worden ist hingegen die in Franken beheimatet gewesene HG Münnerstadt.

H wie Horn: Trinkhörner mit 1 bis 2 Litern Fassungsvermögen. Traditioneller und begehrter Preis für die besten Mannschaften pro Kategorie an grösseren Festen.

I wie Innerschweiz: Das Hornussen ist bis auf wenige Ausnahmen eine bernisch-solothurnische Angelegenheit. Bereits in der benachbarten Innerschweiz ist die Sportart nahezu unbekannt. Bis jetzt fand beim Eidgenössischen Schwingfest jeweils auch ein Hornusserwettkampf statt, 2019 in Zug jedoch nicht mehr.

J wie Jung und Alt: Im Hornussen ist es gut möglich, dass mehrere Generationen zusammen in einer Mannschaft spielen. Es gibt keine Altersbeschränkungen.

K wie Kälte: Lieben die Hornusser nicht besonders. Es gibt allerdings auch einen Wettkampf auf Schnee, der auf der Gemmi im Wallis in diesem Jahr zum dritten Mal stattfand.

L wie Lost and found (verloren und gefunden): Manchmal landet ein Nouss deutlich neben dem Spielfeld und kann nicht sofort gefunden werden. Um zu ermitteln, wie viele Punkte der Schlag ergibt, muss er gesucht werden. Das Spiel kann erst danach weitergeführt werden.

M wie Mittag: Spiele werden oft am Mittag angesetzt. Ein hoher Sonnenstand ist besser als ein ­tiefer, die Abtuer werden weniger geblendet.

N wie Nouss: Das Spielgerät, das ins Feld geschlagen wird. Besteht aus Kunststoff und ist 78 Gramm schwer.

O wie Oberland: Thun ist kürzlich in die NLB aufgestiegen. Weiter südlich existieren jedoch ­keine Teams mehr. Im Oberland gibt es kaum genügend grosse Flächen, um Spielfelder anlegen zu können.

P wie Physik: Messungen des biomechanischen Instituts der ETH Zürich haben ergeben, dass die Nousse eine Abschlaggeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde erreichen und eine Flughöhe von 50 bis 70 Metern erreichen können.

Q wie Quatschen: Hornusser sind gesellige Leute. Steht einer zum Abschlag bereit, sollte man ihn jedoch nicht ansprechen. Er sollte sich auf seinen Schlag konzentrieren können.

R wie Rauchverbot: In Fussballstadien wird mittlerweile dazu aufgefordert, aus Rücksicht auf die anderen Matchbesucher nicht zu rauchen. Beim Hornussen gibt es diese Aufrufe nicht. Es darf (der Autor ist Nichtraucher) gequalmt werden, es herrscht grosse Toleranz zwischen Rauchern und Nichtrauchern.

S wie Schindel: Ein aus Esche oder Ulme fabriziertes, etwa 4 kg schweres Brett. Damit müssen die Nousse abgetan werden (siehe A).

T wie Träf: Runder Klotz aus Hartholz, am Ende des Steckens der Schläger befestigt. Damit soll der Nouss möglichst optimal getroffen werden. Wiegt zwischen 250 und 350 Gramm, je nach Vorliebe des Schlägers.

U wie Ungeduld: Keine gute Eigenschaft, wenn jemand ein guter Schläger sein will. Es ist wichtig, sich auf den Abschlag zu konzentrieren und mit der Schlagbewegung erst zu starten, wenn man darauf fokussiert ist.

V wie Vögel: Bewegen sich im gleichen Luftraum wie die Nousse. Sie können aber diesen ausweichen; Zusammenstösse gibt es nicht.

W wie Werbung: Im Gegensatz zum Schwingen ist im Hornussen Werbung auf dem Platz erlaubt. Auf den Leibchen der Spieler findet sich Reklame, genauso wie auf den Schindeln.

X wie x-mal: X-mal darf sich ein Hornusser nicht versuchen, wenn er beim Abschlag den Nouss nicht trifft. Für zwei Streiche hat er drei Versuche zur Verfügung. Trifft er ein zweites Mal nicht, erhält er einen Nuller geschrieben.

Y wie Yoga: Die bodenständigen Hornusser werden sich wohl eher nicht ins Yogastudio begeben. Es könnte aber durchaus hilfreich sein, um beim Abschlagen konzentriert und fokussiert ans Werk zu gehen.

Z wie Zieli: Markierungstafeln am Spielfeldrand. Sie dienen zur Bestimmung der Schlagweite und zur Orientierung für die Abtuer.

Berner Zeitung

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