Guerdats Vertrauen in sein neues Pferd

Nach dem Grossen Preis gewinnt der Jurassier mit seiner Neuentdeckung Victorio des Frotards auch das Weltcup-Springen am CSI Basel.

Der CSI Basel hat es doppelt gezeigt: Steve Guerdat verfügt mit Victorio des Frotards über ein neues Siegpferd.

Der CSI Basel hat es doppelt gezeigt: Steve Guerdat verfügt mit Victorio des Frotards über ein neues Siegpferd.

(Bild: Keystone Georgios Kefalas)

Eigentlich ist Steve Guerdat ein «Schönreiter». Seine Runden im Parcours könnten in Lehrfilmen über das Springreiten verwendet werden. Seine Pferde sind auf ihre Aufgaben minuziös vorbereitet und stehen jederzeit an den Hilfen des Reiters. Mit Victorio des Frotards ist die Feinabstimmung noch nicht so ausgeprägt, beim CSI Basel sahen seine Ritte deshalb etwas wild und verwegen aus. «Einen Stilpreis hätte ich wohl nicht gewonnen», sagt der 37-jährige Jurassier.

Dafür lieferte der Weltranglisten-Zweite zweimal eindrückliche Beweise seines reiterlichen Könnens. Im Stechen der beiden sportlichen Höhepunkte des 11. CSI Basel, dem mit 210’000 Franken dotierten Weltcup-Springen sowie dem Grossen Preis vom Freitag, holte er alles aus dem auf diesem Niveau noch unerfahrenen Pferd und entschied beide Springen souverän für sich.

Guerdats Runde war zu gut

«Ich sah Steves Runde im Stechen und wusste, dass ich nicht dagegenhalten kann», sagte der zweitplatzierte Franzose Julien Epaillard, der Queeletta ritt. Wie im Vorjahr wurde der Belgier Pieter Devos mit Apart Dritter.

Steve Guerdat hatte den 11-jährigen Wallach Victorio des Frotards im Mai 2019 vom französischen Springreiter Raphael Goehrs übernommen. Der hatte das Pferd bis Dreistern-Niveau gefördert und entschied sich dann, es an einen Reiter abzugeben, der «sein Potenzial besser zum Ausdruck bringen kann». Unter dem Wahl-Elgger hatte das fuchsfarbene Pferd vor Basel noch keine ganz grossen Prüfungen absolviert, kam aber zum Einsatz, weil seine Spitzenpferde Bianca, Alamo und Venard des Cerisy pausieren. Er sei deshalb ohne Erwartungen nach Basel gefahren, sagte Guerdat, der in Basel noch nie einen Grand Prix hatte gewinnen können: «Ich wollte dem Pferd Erfahrung verschaffen und hätte nie mit einem Sieg gerechnet.» Umso stolzer war er auf das Pferd: «Victorio spürte das Vertrauen, das ich in ihn gesetzt habe, und hat angefangen, für mich zu kämpfen.»

Fuchs scheitert an Sprung 1

Mit dem Sieg, seinem 2. und 3. Rang in den Weltcup-Qualifikationen von Stuttgart und Verona sowie guten Platzierungen in Oslo, Helsinki und London übernimmt Guerdat die Führung im Zwischenklassement der Westeuropa-Liga. Als Titelverteidiger ist der dreifache Weltcup-Gewinner für den Final Mitte April in Las Vegas ohnehin gesetzt.

Martin Fuchs hatte sich mit Siegen in Lyon und London das Finalticket ebenfalls vorzeitig gesichert. Gestern gab es für den neuen Weltranglisten-Ersten, der die Hauptprüfung in Basel 2018 und 2019 gewonnen hatte, keine weiteren Punkte. Der 27-jährige schont sein Spitzenpferd Clooney im Hinblick auf die Olympischen Spiele und hatte mit Silver Shine ebenfalls ein Pferd mit wenig Erfahrung auf diesem Niveau gesattelt.

Mit dem Schimmel musste Fuchs seine Ambitionen auf die Titelverteidigung schon am ersten Sprung begraben. «Ein ärgerlicher Fehler. Aber der Sprung bereitete meinem Pferd schon am Freitag Probleme und das hatte ich wohl noch im Hinterkopf», sagte der Zürcher, der nun mit fünf Pferden nach Florida reist, um wie im Vorjahr einige Wochen an der hochdotierten Turnierserie in Wellington teilzunehmen.

Drei Schweizer in der Barrage

Vor einem Jahr hatte der deutsche Kursdesigner Frank Rothenberger den Parcours bei der Weltcup-Premiere so schwer gebaut, dass es nur drei Reiter ins Stechen schafften – gestern erfolgte nun die Korrektur in entgegengesetzter Richtung: 15 Teilnehmer erreichten diesmal die Barrage, darunter neben Steve Guerdat auch zwei Schweizer Amazonen.

Die in Italien lebende Bernerin Jane Richard Philipps verzeichnete mit Clipper einen Abwurf am ersten Stechhindernis und belegte Rang 14. Janika Sprunger zeigte noch einmal eine fehlerfreie Leistung und wurde Neunte. Sie ritt zum ersten Mal im Weltcup den sprunggewaltigen Belgier King Edward, den sie seit knapp einem Jahr im Stall hat. «Er hat sich seither gut entwickelt, nun fehlt uns nur noch Routine», sagte die Baselbieterin, die nach längerer Durststrecke wieder ein Pferd für grössere Aufgaben zur Verfügung hat.

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