Grosse Spiele für die Kleinsten

Sie sind am 1. «Indoor Sports»-Supercup die kleinsten Vertreter ihrer Teams: Fabienne Zurbuchen (Rotweiss Thun), Samuel Nussbächer (Wiler-Ersigen) und Simona Belotti (Volley Köniz). Am Wochenende können die drei Berner Protagonisten in Zürich einen ersten Titel gewinnen.

Berner Ballkünstler: Fabienne Zurbuchen, Samuel Nussbächer und Simona Belotti.

Berner Ballkünstler: Fabienne Zurbuchen, Samuel Nussbächer und Simona Belotti.

(Bild: Urs Baumann)

Der Fototermin vor der Weissensteinhalle ist gewissermassen ein Blind Date. Fabienne Zurbuchen, Samuel Nussbächer und Simona Belotti begrüssen sich mit einem freundlichen «Hallo, ich bin…» Das Eis bricht schnell. Die Handballerin, der Unihockeyaner und die Volleyballerin brauchen keine Floskeln, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Sie haben nämlich etwas gemeinsam: Zurbuchen, Nussbächer und Belotti sind die jeweils kleinsten Akteure der NLA-Teams Rotweiss Thun, Wiler-Ersigen und Volley Köniz. An diesem Wochenende stehen sie alle vor einem grossen Spiel – im Rahmen des 1. «Indoor Sports»-Supercup im Zürcher Hallenstadion begegnen die drei Berner Protagonisten der höher gewachsenen Konkurrenz auf Augenhöhe.

Fabienne Zurbuchen: 1,65 m

«Ich bin flink, das hilft im Handball enorm», sagt Fabienne Zurbuchen. Die 1,65 Meter grosse Flügelspielerin von Rotweiss Thun, ausgestattet mit einem feinen linken Händchen, würde sich wünschen, dass sie hin und wieder einen Angriff mit einem Sprungwurf über die gegnerische Verteidigerin abschliessen könnte.

«Das geht halt nicht. So muss ich in die Trickkiste greifen und den Ball neben der Abwehrspielerin vorbeischiessen.» Dank der Erfahrung könne sie ein Spiel ganz gut lesen, meint die ehemalige Nationalspielerin (6 Länderspiele), die Handball seit zehn Jahren auf höchstem Niveau betreibt. Ihre Rolle im Team definiert Zurbuchen wie folgt: «Ich will die jüngeren Spielerinnen motivieren und ihnen eine Stütze sein.»

Dem Supercup-Prestigeduell gegen Doublegewinner LK Zug am Sonntag (16.20Uhr) misst die studierte Sozialgeografin eine grosse Bedeutung zu. In der vergangenen Saison unterlagen die Thunerinnen Zug im Cupfinal.

So gesehen könnte Rotweiss in Zürich zum ersten Mal einen «richtigen» Titel feiern. «Wir sind topmotiviert und wollen diese Chance auch nutzen.» Zurbuchen will in Zürich noch eine andere Gelegenheit wahrnehmen: «Basketball auf höchstem Niveau habe ich noch nie live gesehen. Deshalb reizt es mich, den Frauen-Supercup-Final anzuschauen.»

Samuel Nussbächer: 1,67 m

«Eher klein gewachsen zu sein, hat auch einen Vorteil: In einer schnellen Sportart wie Unihockey kann ich mir meine Wendigkeit zunutze machen», meint Wiler-Ersigens 1,67 Meter grosser Verteidiger Samuel Nussbächer.

Um mit einem Schmunzeln anzufügen: «Wenn ich in einen Zweikampf gegen einen gross gewachsenen Stürmer steige, kann es vorkommen, dass ich denke: Oh, wie praktisch wäre es jetzt, über einen zwei Zentimeter längeren Arm zu verfügen.» Auch das Wegräumen eines schwergewichtigen Gegners vor dem eigenen Tor klappe eben nicht immer, meint der 25 Jahre alte Onlinespezialist.

Angesprochen auf seine Rolle im Team des Schweizer Meisters, sagt Nussbächer: «Ich wurde einmal mit dem Wort Defensivsoldat treffend beschrieben.»

Ein Kreuzbandriss hat Nussbächer die ganze letzte Saison ausser Gefecht gesetzt. Er schuftet für sein Comeback. Ob sein Knie halten wird, weiss er nicht. «Im Moment fühle ich mich gut, und es macht Spass, wieder mit der Mannschaft zu trainieren», sagt der Unihockeyaner. Er lasse sich Zeit.

«Ein sauberer Aufbau ist mir wichtiger, als einen Rückfall zu riskieren.» Dem Vergleich am Samstag (20.30Uhr) gegen Cupsieger Alligator Malans fiebert Nussbächer entgegen: «Wir wollen gleich ein Zeichen setzen und der Unihockey-Schweiz zeigen, dass wir parat sind.»

Es gebe in einem würdigen Rahmen einen ersten Titel zu gewinnen, das motiviere sehr. «Als Unihockeyspieler erhältst du nicht oft Gelegenheit, im Zürcher Hallenstadion zu spielen.» Er möchte gerne den Handballern zuschauen, sagt Nussbächer. «Sie haben teilweise ähnliche Spielzüge wie wir, und es geht ebenso intensiv zur Sache.»

Simona Belotti: 1,69 m

«Im Volleyball geht es in der Abwehr darum, dass der Ball nicht auf den Boden fällt. Auf der Position der Libera ist es deshalb ein Vorteil, wenn man klein gewachsen ist. So ist man schneller unten», sagt die 1,69 Meter grosse Verteidigungsministerin von Volley Köniz und lacht herzhaft.

Natürlich würde sie während eines Spiels auch gerne einmal über die Netzkante schauen, so wie das alle anderen auch tun, meint der Könizer Zugang von Kanti Schaffhausen. Als Libera darf sie auch keine direkten Gewinnpunkte schlagen. Es kann aber vorkommen, dass eine Abwehraktion Belottis direkt auf der gegnerischen Seite auf den Boden fällt. «Das kommt pro Saison ein- bis zweimal vor», sagt die 22 Jahre alte Nationalspielerin, die seit drei Wochen als Profi bei ihrem neuen Arbeitgeber unter Vertrag steht.

Auch Belotti hat gegen den letztjährigen Cupfinalisten Düdingen am Sonntag (11Uhr) ein klares Ziel vor Augen: «Wir nehmen jedes Spiel, jedes Turnier ernst. Wir wollen den ersten Titel in der neuen Saison gewinnen.» Es wäre für Volley Köniz so etwas wie eine späte Revanche für die Niederlage im vergangenen Cuphalbfinal in Düdingen.

Nicht verpassen möchte Belotti am Supercup-Event das Kräftemessen zwischen den Kadetten Schaffhausen und Pfadi Winterthur: «Als Schaffhauserin drücke ich meinen Handball-Kollegen die Daumen. Wir trainierten ja in der gleichen Halle und kennen uns bestens.»

Berner Zeitung

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