Gold für Steingruber

Medaille angesagt, Gold gewonnen – die Schweizer Vorzeigeturnerin errang an der EM in Montpellier erstmals in ihrer Karriere an einem Grossanlass eine Mehrkampfmedaille.

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David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Giulia Steingruber setzte sich an der EM in Montpellier die Krone auf. Als erste Schweizer Turnerin gewann sie den Mehrkampftitel an einem internationalen Grossanlass. Einzige Medaillenträgerin war bis dahin Ariella Kaeslin an der EM 2009 in Mailand gewesen. Steingruber distanzierte die Russin Maria Charenkowa um über sieben Zehntel – noch während der Wettkampf lief, nahm sie die Gratulationen von Nationaltrainer Zoltan Jordanov und ihrer Gegnerinnen entgegen. «Ich bin überwältigt. Ich finde keine Worte», meinte die Europameisterin unmittelbar nach ihrem Triumph.

War dies gar der Auftakt in ein goldenes Wochenende für die 21-jährige St. Gallerin? In den Gerätefinals vom Samstag und Sonntag an den Geräten Sprung und Boden hat sie weitere Medaillenchancen. Jordanov sagte gar: «Holt sie am Sprung nicht Gold, bin ich enttäuscht.»

Da, als sie da sein musste

Der Ostschweizerin gelang es, auf den Punkt eine tadellose Leistung abzurufen. Wie man es sich von ihr inzwischen gewöhnt ist. Gerade so wie Felix Stingelin zu sagen pflegt, Chef Spitzensport beim Schweizerischen Turnverband: «Wenn sie gefordert ist, ist sie einfach da.» Das begann gleich am Startgerät, dem Balken, an dem sie in der Qualifikation noch gestürzt war. Nicht nur behielt sie diesmal bei allen Elementen perfekt die Balance, sie turnte auch insgesamt viel überzeugter und geriet nicht ein einziges Mal in Gefahr, erneut zu stürzen.

Es folgten ihre beiden besten Geräte, Boden und Sprung, und der gelungene Auftakt verlieh ihr Sicherheit. So turnte sie auch am Boden noch eine Spur genauer und schöner als in der Qualifikation (die sie an diesem Gerät ja ohnehin schon gewonnen hatte), und sie verbesserte ihr Notentotal um über zwei Zehntel. Am Sprung wiederum geriet ihr der Tschussowitina so überzeugend wie immer. Mit Abschluss des dritten Durchgangs übernahm Steingruber erstmals die Führung von der Russin Charenkowa, ihren härtesten Rivalin.

Fehlerlos auch an ihrem schwächsten Gerät

Zum Abschluss musste sie an den Stufenbarren, ihr vermeintlich schwächstes Gerät – jedoch hatte sie sich auch an diesem überraschend für den Final qualifiziert. «Am Barren geht es für sie darum, die Farbe der Medaille zu bestimmen», hatte Nationaltrainer Zoltan Jordanov prophezeit, und so war es schliesslich auch. Steingruber blieb fehlerlos und souverän und verteidigte ihre Führung mit der Routine einer Turnerin, die seit 2011 an der Weltspitze mitmischt. Charenkowa konnte nichts mehr ausrichten.

Jessica Diacci, die zweite Schweizerin im Mehrkampffinal, belegte bei ihrer Premiere Platz 21. Sie konnte nach einem Sturz zum Auftakt am Stufenbarren nicht ganz an die starke Leistung in der Qualifikation anknöpfen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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