Glarners Déjà-vu

Weil Christian Stucki und Kilian Wenger im Schlussgang stellen, erbt Matthias Glarner wie vor einem Jahr als lachender Dritter den Festsieg am «Seeländischen».

  • loading indicator
Marco Oppliger@BernerZeitung

Fünf Minuten läuft der Schlussgang bereits, da wagt Christian Stucki seinen ersten gefährlichen Angriff. Mit Kurz versucht er Kilian Wenger auf den Rücken zu legen, doch der Oberländer kann sich im Sägemehl liegend noch abdrehen. Fünf Minuten später präsentiert sich beinahe eine identische Szene, und wieder kann sich Wenger retten. Dann ist der Schlussgang zu Ende, Stucki erhält für den Gestellten nicht die Maximalnote 9, somit erbt Matthias Glarner den Festsieg. Der Seeländer Hühne schüttelt kurz den Kopf und verschwindet dann wortlos in der Garderobe.

«Nach dem Gang ist es jeweils schwierig, so etwas richtig zu beurteilen, man ist ja sehr emotionell», sagt der mittlerweile durch eine Dusche abgekühlte Stucki. Er wolle sich den Kampf sicher noch einmal anschauen, «aber nun bin ich halt Zweiter, das kann man nicht ändern». Für Stucki ist es die zweite Schlussgangteilnahme ohne Erfolg in Folge, vor einer Woche unterlag er am «Bern-Jurassischen» bereits Matthias Siegenthaler. «Vielleicht habe ich heute zu wenig riskiert, aber Wenger war immerhin Schwingerkönig, da hat man Respekt», meint er dazu. Dass er 2014 noch ohne Festsieg dasteht, will der Lysser nicht überbewerten, seinen nächsten Versuch dazu startet er nun am Bergfest auf dem Stoos am Pfingstmontag.

Ein Sieg für den Vater

Somit lacht am «Seeländischen» am Ende ein Oberländer. Für Glarner ist es ein Déjà-vu, bereits vor einem Jahr hatte er nach einem Gestellten zwischen Florian Gnägi und Simon Anderegg im Schlussgang in Biel den Festsieg geerbt, damals aber musste er diesen mit Matthias Sempach teilen. «Deshalb ist dieser Erfolg jetzt noch ein bisschen schöner», sagt Glarner. Gegen den Schwingerkönig musste er in Studen auch in den Ring steigen, konnte diesem aber einen Gestellten abtrotzen. «Nach den zwei Niederlagen am ‹Eidgenössischen› in Burgdorf und vor zwei Wochen am ‹Emmentalischen› wollte ich nicht wieder verlieren, deshalb stand gegen ihn die Sicherheit im Vordergrund», erklärt er.

Noch immer steht Glarner im Sägemehlring, in welchem sich vor wenigen Minuten Stucki und Wenger gegenüberstanden. Er lacht. Nach seiner Niederlage im Schlussgang am «Mittelländischen» gegen Gnägi tue ihm dieser Sieg einfach richtig gut. Dann hält der Meiringer einen Moment inne und beginnt schliesslich zu erzählen: «Ich widme diesen Sieg meiner Familie, dass mein Vater heute da sein konnte, hat mich am meisten gefreut.» Wegen dessen angeschlagener Gesundheit liegt eine schwierige Zeit hinter der Familie Glarner.

Sportlich gesehen geht es für den 28-Jährigen Knall auf Fall weiter. Wie Stucki wird er auf dem Stoos antreten, danach folgt der Brünig-Schwinget. Im Fokus aber steht für ihn in diesem Jahr klar der Kilchberg-Schwinget: «Das ist die Champions League, wenn man dort dabei sein darf, ist das eine Ehre.»

Dick sagt Adieu

Während sich Glarner feiern lässt, steht ein anderer still daneben und geniesst seine Zigarre. Nach dem sechsten Gang, einem Gestellten gegen Remo Schenkel, verzog sich Christian Dick rasch in die Garderobe, die Augen glänzten. Gut zwei Stunden später verkündet er seinen definitiven Rücktritt. «Der Zeitpunkt stimmt für mich, auch wenn es nicht mehr für den Kranz gereicht hat», sagt Dick.

1995 hatte er die ersten grossen Feste, das «Emmentalische» und das «Seeländische» bestritten. 19 Jahre später beschliesst er seine Karriere mit eben diesen Schwingfesten. Dass er gesund aufhören könne, sei viel wert, sagt der in Alchenstorf lebende gebürtige Seeländer. Noch sind die Augen ein wenig gerötet, was indes auch an der langsam abbrennenden Zigarre liegen könnte.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt