Gegenwind kam Dänzer entgegen

An der Ironman-WM auf Hawaii haben die sechs Berner Amateure das Ziel erreicht. Besonders gut lief es Sandra Dänzer aus Oberhofen – sie triumphierte in ihrer Altersklasse.

Simone Weber zeigt vor der Wand mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern stolz auf ihren Namen.

Simone Weber zeigt vor der Wand mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern stolz auf ihren Namen.

(Bild: zvg)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Über 2300 Amateure traten am Samstag früh zur Ironman-Weltmeisterschaft auf «Big Island» an. Gewiss nicht alle erreichten das Ziel, stellt doch der Wettkampf mit 3,86 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen bei schwül-heissem Wetter höchste Anforderungen an Körper und Geist.

Die sechs Berner Amateure schafften es jedoch, auf dem Ali’i Drive in Kailua-Kona ins Ziel einzulaufen. Manuel Frey aus Köniz wurde in seiner Altersklasse (40–44 Jahre) 77., der Berner Marco Iseli (35–39) erreichte Platz 23. Die beiden Athleten traten nicht zum ersten Mal an der inoffiziellen WM über die Langdistanz an.

Für Sandra Schöni indes war es ein Debüt – sie meisterte es in 12 Stunden, 15 Minuten und 19 Sekunden, was zu Platz 42 in ihrer Altersklasse (45–49) führte. «Ich bin mega happy und stolz, dass ich die Ziellinie überqueren durfte», meinte die Burgdorferin.

Simone Weber aus Bern – ebenfalls eine Debütantin – erreichte den 15. Rang (30–34). Die Bewegungswissenschaftlerin erlebte zwei spezielle Momente: «Auf der Schwimmstrecke im Meer begegnete ich keinen Haien, leider auch keinen Delfinen – dafür stiess ich auf zappelnde Männerfüsse. Auf dem Rad wurde es tückisch. In Hawaii goss es wie aus Kübeln. Es entstand Aquaplaning.»

115 Stunden im Wasser

Besonders gut lief es den beiden Oberländerinnen Barbara Bracher und Sandra Dänzer. Bracher, die zum ersten und auch gleich letzten Mal an der Ironman-WM auf Hawaii antrat, wurde 9. (35–39), Dänzer gewann gar ihre Alterskategorie (40–44).

Dänzer bereitete sich ein Jahr lang akribisch auf die Ausdauerprüfung im Aloha-Staat vor. Ein Blick auf den Trainingsplan: 293 km oder 115 Stunden im Wasser; 9218 km oder 350 Stunden auf dem Velo, 1594 km oder 143 Stunden auf der Laufstrecke. Dazu kamen 75 Stunden Athletiktraining.

Auf dem Rad musste sie einen bangen Moment überstehen. «Auf den letzten 60 Kilometern konnte ich nur noch die zwei vorderen Gänge gebrauchen. Zum Glück blies in dieser heiklen Phase der Gegenwind, sonst hätte ich ein Problem gehabt.

Trotzdem musste ich gehörig in die Pedale treten», erzählt die 43-jährige Oberhofnerin, die sich als einzige Athletin über den Gegenwind gefreut hatte. Die letzten zwei Kilometer auf der Marathonstrecke forderten Dänzer alles ab. «Ich hatte nur noch die Salatschüssel vor Augen, die ich unbedingt wollte.»

Sonnenbrand zugezogen

«Beim Schwimmen war es super, dass wir Frauen separat gestartet sind. Weniger super war dann, dass wir die schwachen Männer schon vor der Hälfte eingeholt hatten», erzählt Bracher. Dies habe schliesslich zu Schlägen und einem Zickzackkurs im Wasser geführt. Auf dem Velo machte sich das spezielle Klima auf Hawaii bemerkbar.

«10 Kilometer vor dem Wendepunkt in Hawi setzte Regen ein, ab Kilometer 110 wurde es dann heiss, und 40 km später blies sehr starker Gegenwind», sagt die Thunerin. Geschadet scheint ihr die Tortur jedoch nicht zu haben, «bis auf den Sonnenbrand an Schultern und Armen geht es mir gut». Und jetzt warten auf Hawaii drei Wochen Ferien auf sie – ganz bestimmt ohne Training.

Berner Zeitung

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