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«Für die Neuseeländer muss es ein Schock sein»

Vom 8:1 zum 8:9 – das Finale des America’s Cup war Höchstspannung pur. Ex-Alinghi-Segler Christian Scherrer erklärt, warum Oracle gegen Team New Zealand das Hitchcock-End für sich entschied.

Sebastian Rieder
Larry Ellison, CEO und Gründungsmitglied von Oracle, feiert den hauchdünnen Sieg von 9:8 gegen das Team New Zealand.
Larry Ellison, CEO und Gründungsmitglied von Oracle, feiert den hauchdünnen Sieg von 9:8 gegen das Team New Zealand.
Unglaubliche Aufholjagd: Oracle macht einen 1:8-Rückstand wett.
Unglaubliche Aufholjagd: Oracle macht einen 1:8-Rückstand wett.
Das historische Duell fand vor der Küste von San Francisco statt.
Das historische Duell fand vor der Küste von San Francisco statt.
So perfekt war das Wetter nicht immer: Zweimal musste das Rennen abgebrochen werden.
So perfekt war das Wetter nicht immer: Zweimal musste das Rennen abgebrochen werden.
Die Wende: Oracle investierte vor allem in die Schiffskonstruktion und konnte das Tempo von Rennen zu Rennen steigern.
Die Wende: Oracle investierte vor allem in die Schiffskonstruktion und konnte das Tempo von Rennen zu Rennen steigern.
Kopf an Kopf: Die beiden Teams lieferten sich bis zum Schluss ein packendes Rennen.
Kopf an Kopf: Die beiden Teams lieferten sich bis zum Schluss ein packendes Rennen.
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Christian Scherrer, Sie haben als ehemaliges Mitglied der Alinghi-Crew schon einiges erlebt. Was hat die grossartige Wende vom 1:8 zum 9:8 bei Ihnen ausgelöst? Ich war sehr überrascht. Das war schon sehr beeindruckend von Oracle, ein unheimliches Comeback. Für die Neuseeländer muss es ein Schock sein, so zu verlieren. Ich fühle mit, diese Niederlage ist hart. Aber die Leistung von Oracle ist herausragend, das verdient grossen Respekt.

Wie ist es möglich, dass die Neuseeländer einen Vorsprung von 8:1 noch aus den Händen geben? Dafür gibt es mehrere Gründe. Das Team New Zealand hatte nach einem starken Start in die Serie wirklich Pech mit dem Wetter. Zwei Rennen wurden annulliert, als sie auf Siegkurs waren. Einmal war der Wind zu schwach, einmal zu stark.

Das war aber nicht der Hauptgrund? Nein, entscheidend war die unglaubliche Lernkurve der Amerikaner. Oracle hat aus den ersten Duellen sehr schnell gelernt und das Schiff stetig verbessert und zudem auch das Segelteam umgestellt. Die Veränderung auf dem Wasser war dadurch enorm, es sah so aus, als hätte Oracle den Turbo gezündet.

Inwiefern? Oracle hat das Setup verändert und besser an die Bedingungen angepasst. Das Boot wurde kontinuierlich schneller, vor allem gegen den Wind. Technisch ist das schwierig zu erklären, das sind ganz viele kleine Veränderungen am Schiff, die eine grosse Wirkung zeigen.

Die Neuseeländer haben sich doch auf ihrem grossen Vorsprung ausgeruht. Das glaube ich nicht, auch wenn sie vielleicht nicht mit letzter Konsequenz gearbeitet haben. Vielleicht haben sie Oracle ein wenig unterschätzt. Aber wenn du nur noch einen Sieg vom Triumph entfernt bist, willst du diese Entscheidung möglichst schnell herbeiführen.

Oracle tankte mit jedem Sieg zusätzlich Selbstvertrauen. War das Team New Zealand psychisch blockiert? Das ist eher unwahrscheinlich. Sie sind das letzte Rennen perfekt gefahren, ich habe keine Fehler gesehen, aber Oracle war einfach schneller. Die sind den Neuseeländern um die Ohren gesegelt. Am Ende hat wohl auch das grössere Budget von Oracle einen grossen Einfluss gehabt, die Amerikaner haben mit geschätzten 150 Millionen Franken mindestens anderthalbmal mehr investiert als die Neuseeländer.

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