Zum Hauptinhalt springen

Finale Taten des Nimmermüden

Floorball-Köniz-Captain Kaspar Schmocker tritt nach dem Superfinal vom Sonntag zurück. Der 30-Jährige hat die Szene mitgeprägt.

Präsenz markieren: Kaspar Schmocker (Mitte, 8) setzt sich gegen Tatu Väänänen durch.
Präsenz markieren: Kaspar Schmocker (Mitte, 8) setzt sich gegen Tatu Väänänen durch.
Manuel Zingg

Es ist ein kleiner Scherz. Er sperre sich jeden Abend in ein Zimmer ein und weine, das seien sehr düstere Momente, erzählt Kaspar Schmocker. Das ist natürlich Quatsch, ein Ulk eben. Köniz’ Captain ist eher kein Ausbund an Melancholie, vielmehr ein fleisch­gewordener Muntermacher.

Der 30-Jährige verspürt scheinbar weder Trauer noch Müdigkeit; er mag hauptberuflich als Vertreiber eines Fitnessgeräts arbeiten, taugte aber gewiss genauso zum Entertainer. Gespräche mit ihm werden rasch zu einem rastlosen Ereignis, der Wimmiser widerlegt das Klischee des behäbigen, bisweilen mürrischen Berner Oberländers in Windeseile. Der frühe Tod seiner Mutter habe ihm gezeigt, dass das Leben endlich sei und dass man demnach jede Minute auskosten solle, sagt er.

Typen wie er – hochgradig engagiert, inspirierend und nimmermüde – sind gern gesehen, gerade in Sportmannschaften. Und sie eignen sich prima zum Leader. Schmocker ist Captain des Vorstadtclubs, und für ihn besteht das Amt aus mehr als bloss dem Tragen der Binde, die den Anführer kennzeichnet.

Der Verteidiger motiviert, er treibt an, er fordert, er lobt. Aus Leidenschaft. «Ich liebe den Dialog mit den Mitmenschen», erzählt er.

«Ich habe lange gebraucht, bis ich meinen Stil gefunden habe. Ich wollte ein Kreativverteidiger sein. Aber ich bin kein Künstler.»

Kaspar Schmocker

Am Sonntag führt er sein Team ein letztes Mal aufs Feld. Der Superfinal gegen seinen Ex-Verein Wiler-Ersigen ist die Abschiedsvorstellung des langjährigen Nationalspielers. Schmocker tritt zurück. Die Belastung sei grenzwertig hoch geworden, sagt er.

Der Sensopro, das Fitnessgerät, das er mit Freunden entwickelt hatte, schlug ein. Der Akademiker ist zum Jungunternehmer geworden, Gesicht und ­Co-Inhaber einer florierenden Firma. Der 30-Jährige tritt in Fernsehsendungen auf, jüngst war er bei «Aeschbacher» zu sehen, und er wird bei Fitnesszen­tren vorstellig, um diesen sein Gerät schmackhaft zu machen.

Über 80'000 Kilometer legt Schmocker jährlich im Auto zurück, er steht meist vor 6 Uhr auf, arbeitet vor und nach der täglichen Übungseinheit mit den Könizern. «Der Aufwand wird weiter zunehmen, wir wollen uns auch im Ausland etablieren, entsprechend öfter würde ich im Training fehlen», sagt er. «Und das wäre nicht befriedigend – weder für mich noch für Köniz, den Club, an dem mir so viel liegt.» Und so verliert die hiesige Uni­hockeyszene am Sonntag einen ihrer Botschafter.

Das Lob an die Mitstreiter

Der frühere Auslandprofi – Schmocker spielte während eines Jahres in Göteborg in der renommierten schwedischen Liga – ist begeistert ob der Entwicklung, welche hierzulande hinter der Sportart liegt. «Dass das Schweizer Fernsehen Partien direkt überträgt, ist grossartig, ein Riesensprung für uns. Da haben sehr viele unserer Leute eine Menge richtig gemacht», sagt er.

Bloss ein Tor hat die Abwehrkraft in dieser Saison erzielt, 17 weniger als in ihrer statistisch besten Saison. Hört Schmocker auch deswegen auf, weil seine stärksten Jahre hinter ihm liegen, er zuletzt vergleichsweise selten in Erscheinung trat? Der Berner Oberländer verneint, erklärt, er halte sich in der Offensive bewusst zurück, weil seine Stärken woanders lägen, wie er realisiert habe.

«Ich habe relativ lange gebraucht, bis ich meinen Stil gefunden habe. Ich wollte ein Kreativverteidiger sein und dachte, ich müsste mich auch vorne einbringen. Aber ich bin kein Künstler.» Er gewinne Zweikämpfe; das zeichne ihn aus.

Zweikämpfe gewinnen, die andern mitreissen und vielleicht doch schiessen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet: All das wird er am Sonntag wieder tun. Ein letztes Mal.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch