Könizer Frühsommermärchen

Floorball Köniz hat den ersten Meistertitel der Vereinshistorie ergattert. Die Equipe von Coach René Berliat zeigte deutlich mehr Biss als Wiler-Ersigen und gewann 5:2.

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Adrian Lüpold

13 Sekunden vor der Schlusssirene liess sich auch Köniz-Trainer René Berliat in die Jubeltraube einspannen. Er legte seinen Arm auf die Schulter eines Assistenten und hüpfte los. In Reih und Glied feierten und tanzten die Spieler und Betreuer der Berner Vorstädter während der letzten Sekunden ausserhalb der Banden, kurze Zeit später stürmten sie in corpore das Spielfeld in der mit 8000 Zuschauern restlos gefüllten Swiss-Arena in Kloten.

Der lang ersehnte Meistertitel, der erste in der Vereinshistorie der Berner Vorstädter, war Tatsache. 5:2 schickte Floorball Köniz den favorisierten Serienmeister Wiler-Ersigen nach Hause. Der Erfolg basierte auf einer imponierenden Willensleistung. Denn letztlich stemmten jene Spieler den Pokal in die Höhe, die deutlich mehr Biss und Gier im Superfinal an den Tag gelegt hatten.

«Ich getraute mich erst kurz vor Schluss mitzujubeln. Unihockey ist ein so verrückter Sport, da sind auch in kurzer Zeit die unglaublichsten Wendungen möglich», sagte ein gerührter Berliat.

Mehr als ein Coach

Der 49-Jährige ist mehr als nur ein normaler Chefcoach. Er ist seit Jahrzehnten verliebt in seinen Sport, führte eine Art Ehe mit ­seinem Verein. Berliat agierte als Trainer, Ausbildner und erster Fan der Könizer, verkörperte die Seele des Clubs. Dass er nun ausgerechnet in seiner Abschiedssaison als Coach zu Meisterehren kam, lässt sich als romantische Laune des Schicksals deuten. «Ich kann es noch nicht realisieren, dass wir es tatsächlich geschafft haben. Es ist wie ein ­Märchen», erklärte Berliat.

Am Ursprung des Könizer Frühsommermärchens stand ein perfekter Start ins Spiel. Nach 72 Sekunden wuchtete Köniz-Topskorer Manuel Maurer den Lochball derart vehement und präzis zum 1:0 ins Netz, dass manchem Fan von Wiler-Ersigen ob der Entschlossenheit Maurers schon Böses schwanen konnte. «Das frühe Tor ist uns sicher entgegengekommen, weil es Wiler-Ersigen nicht mag, einem Rückstand hinterherzurennen. Das wussten wir», sagte Torschütze Maurer.

In der Tat schienen die Unteremmentaler lange Zeit blockiert. Sie investierten zwar eine Menge in die Offensive, die Angriffe perlten aber regelmässig am Könizer Abwehrverbund ab wie Wasser an Wachs. Die Könizer Verteidiger blockten mit Leidenschaft, warfen sich furchtlos in die Schüsse. Und im Angriff stimmte die Effizienz – Hampus Dargrens Treffer zum 2:0 nach 11 Minuten war ein optisches Meisterwerk.

Einzig zu Beginn des zweiten Drittels, als ­Wiler-Ersigen kurz nach Wiederaufnahme des Spiels den Anschlusstreffer durch Claudio Mutter buchte, wackelte Köniz. «Da stimmte für einen Moment der Fokus nicht mehr», erklärte Goalie Patrick Eder.

Ausgekontert

Doch Köniz überwand die Schwächephase, hielt mit Kampfgeist und körperlicher Frische dagegen und schaffte es, im zweiten Drittel keinen weiteren Treffer zu kassieren. Dies setzte Wiler-Ersigen im Schlussabschnitt unter Druck, und als dem Könizer Fabian Michel gar das 3:1 gelang, mussten sie immer riskanter agieren. Dies spielte den konterstarken Könizern in die Karten. Jungspund Jan Zaugg, ein Magier mit dem Stock, erhöhte mit zwei Kontern auf 5:1.

Die Gewissheit, den Meistertitel endlich nach Köniz zu holen, wuchs. Knappe zwei Minuten vor Schluss begannen die Könizer ihre Jubeltraube zu bilden. Einzig Chefcoach Berliat traute dem Braten bis 13 Sekunden vor Schluss nicht. Umso spürbarer und authentischer war seine Freude am Ende: «Heute werden wir es richtig, richtig krachen lassen.»

Berner Zeitung

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