«Er hat fürchterliche Sachen gemacht»

Mehrere französische Eiskunstläuferinnen beschuldigen ehemalige Trainer des sexuellen Missbrauchs. Und klagen auch den Verband an.

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Die ehemalige französische Paareiskunstläuferin Sarah Abitbol erhebt in ihrem Buch «Un si long silence» schwere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Trainer Gilles Beyer. Dieser habe sie während zweier Jahre mehrfach vergewaltigt, das erste Mal 1990, als sie erst 15 Jahre alt war. Jetzt, fast drei Jahrzehnte später, getraut sich die heute 44-Jährige erstmals darüber zu sprechen: «Er hat fürchterliche Sachen gemacht.»

Sie ist aber nicht die Einzige, die Beyer sexuellen Missbrauch vorwirft. Auch Laura Detante beschuldigt Beyer, sie als 13-Jährige über mehrere Jahre hinweg missbraucht zu haben. Ein weiterer Missbrauchsvorwurf kommt von der ehemaligen Eiskunstläuferin Hélène Godard. Sie wurde als 13-Jährige von Beyer vergewaltigt, worauf sie zu einem anderen Trainer wechselte. Doch auch von Jean-Roland Racle wurde sie mehrfach missbraucht.

Kein unbeschriebenes Blatt

Beyer war schon vor diesen neuen Vorwürfen kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2000 äusserte ein Trainerkollege seine Bedenken gegenüber dem französischen Eissportverband über Beyers Verhalten, vor allem im Umgang mit jungen Athletinnen. Daraufhin wurden Untersuchungen gegen ihn eröffnet, nach deren Ende er als technischer Berater des französischen Sportministeriums entlassen wurde. Trotzdem blieb er Mitglied in der Geschäftsleitung des französischen Eissportverbands und war auch weiterhin als Trainer eines Pariser Teams aktiv.

Der 62-Jährige hat mittlerweile zugegeben, eine intime Beziehung mit Abitbol gehabt zu haben und bezeichnet das als «unangebrachte Verbindungen». Er bat die ehemalige Athletin um Verzeihung, doch sie sagt: «Ich verzeihe nicht.» Sie sieht den Fehler aber auch im System, im «organisierten Schweigen», und fordert, dass alle Beteiligten, die die Sache gedeckt haben, zur Verantwortung gezogen werden.

Auch die Politik schaltet sich ein

Dieses Anliegen wird von der französischen Sportministerin Roxana Maracineanu unterstützt. Sie fordert den sofortigen Rücktritt des Verbandschefs Didier Gailhaguet. Ihm wird vorgeworfen, er habe ermöglicht, dass Beyer auch nach seiner Entlassung vom französischen Sportministerium im Eiskunstlauf aktiv war, und dass er ihn stets gedeckt haben soll. Gailhaguet weist aber alle Vorwürfe zurück. Er sei immer allen Anschuldigungen nachgegangen und im Verband sei nie etwas vertuscht worden, behauptet er. Zum aktuellen Zeitpunkt werde er nicht zurücktreten.

Obwohl die Vergehen, die Abitbol Beyer vorwirft, bereits verjährt sind, hat die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eröffnet, da weitere Athletinnen Beyer Missbrauch vorwerfen, der nicht verjährt ist. Zudem erhofft sich die Staatsanwaltschaft, weitere Opfer zu finden.


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