«Ein Cheeseburger mit extra Käse. Das reicht mir»

Andy Reid hat sein ganzes Coaching-Leben auf einen Sieg in der Superbowl gewartet. Der Triumph mit Kansas City vermag sogar den Pragmatiker ein wenig aus der Fassung zu bringen.

Vorentscheidend: Der 38-Yard-Lauf von Chiefs-Runningback Damien Williams. Video: FoxSports

Als Chiefs-Besitzer Clark Hunt um 22.24 Uhr Ortszeit die Vince Lombardi Trophy von NFL-Chef Roger Goodell entgegennahm, war er völlig aus dem Häuschen. Er bedankte sich bei Spielern, Staff und Fans für eine grossartige Saison. Insbesondere bedankte er sich jedoch bei dem Mann, der das alles erst möglich machte: Andy Reid. Für Reid ist es der erste Titel als Cheftrainer.

Reid stand auch auf der Pressekonferenz nach dem Spiel im Mittelpunkt. Superbowl-MVP Patrick Mahomes bezeichnete ihn als einen der besten Trainer aller Zeiten. Um diesen Status zu untermauern, hätte er eine Meisterschaft gar nicht nötig gehabt, so Mahomes.

Dennoch hat er diese jetzt in der Tasche. Die erste für Kansas City nach 50 Jahren. Doch nicht nur für die Chiefs bedeutete der Titel das Ende einer Durststrecke, sondern auch für Reid persönlich. 1999 übernahm der heute 61-Jährige sein erstes Amt als Cheftrainer bei den Philadelphia Eagles. Zuvor war er Assistenztrainer von Mike Holmgren in Green Bay. In dieser Funktion gewann er 1996 seine erste Superbowl. In seinen dreizehn Amtsjahren in Philadelphia sollte ihm dies jedoch nie gelingen.

Reid formte aus den Eagles eine fantastische Mannschaft, die es so gut wie jede Saison in die Playoffs schaffte. Dort war früher oder später (2005 schaffte er es einmal in die Superbowl) jedoch immer Schluss. So erwarb sich Reid das Stigma des besten Trainers, der nie eine Superbowl gewonnen hat. In der regulären Saison hatte er immer Erfolg. Danach kriegen seine Spieler jedoch auf mysteriöse Weise die Leistung nicht mehr auf den Platz und ihm haftete der Ruf des sympathischen Verlierers an.

Dieser Trend bestätigte sich auch nach seinem Wechsel zu Kansas City. Jedes Jahr war es dieselbe: Playoffs ja, Meisterschaft nein. Bis zu diesem Jahr.

Da sah es für Reid lange Zeit so aus, als sei es für ihn wieder nicht vorherbestimmt, den grossen Wurf zu landen. In diesem Reids Kansas City und San Francisco 49ers in der ersten Hälfte nichts. Mit dem Stand von 10:10 ging man in die Pause. Nach der Pause gewannen die 49ers die Oberhand, gingen mit 20:10 in Führung. Die Defensive der Kalifornier schien einfach zu stark, Kansas’ Superstar Mahomes wurde in Schach gehalten.

Im letzten Viertel warf dieser in aussichtsreicher Feldposition den Ball auch noch dem Gegner in die Hände – die Partie schien gelaufen. Doch dann das Comeback, Quarterback Mahomes und Läufer Damien Williams kamen in Fahrt, drehten das Spiel innerhalb weniger Minuten. Nach dem 38-Yard-Touchdown von Williams zum 31:20 wussten auch die letzten Zweifler: Die Chiefs sind neuer Superbowl-Champion. Reid erfährt seine Erlösung, sein Vermächtnis ist besiegelt.

«Ich habe keine Verletzungen»

Als man Passempfänger Travis Kelce nach dem Grund für die Aufholjagd seiner Mannschaft fragte, musste dieser nicht zweimal überlegen: «Andy Reid. Als wir mit dem Rücken zur Wand standen, bewahrte er die Ruhe im Team. Wir wussten, dass wir es schaffen werden, wenn jeder Einzelne das umsetzt, was der Coach uns aufträgt.»

Und Reid? Der feierte ausgelassen auf dem Feld, mit einer erstaunlichen Vitalität. Als er sich als Letzter zur obligatorischen Pressekonferenz einfand, trat er ans Mikrofon und grummelte durch seinen üppigen Schnauzbart: «Ich habe keine Verletzungen.» Schallendes Gelächter seitens der Journalisten. Was ihm der Titel persönlich bedeute? Das sei ihm egal, sagte Reid. Football sei eine Teamsportart und dies sei auch der Grund, wieso er überhaupt mit dem Coachen angefangen habe.

Auf die Frage wie er den grossen Sieg feiern werde, antwortet Reid, der als passionierter Esser bekannt ist: «Mit einem Double Cheeseburger mit Extra-Käse. Das reicht mir. Nächstes Jahr werden wir wieder angreifen.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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