«Eifach e guete Cheib»

Thomas Zaugg ist der Doyen im Berner Team und unter den Schwingern äusserst beliebt. Am Sonntag bestreitet der 36 Jahre alte Emmentaler in Sumiswald sein Heimfest – zum letzten Mal. Nach dieser Saison wird er zurücktreten.

Obenauf:?Thomas Zaugg (im Bild gegen Ursin Battaglia) strebt in seiner letzten Saison den Gewinn des vierten eidgenössischen Kranzes an.

Obenauf:?Thomas Zaugg (im Bild gegen Ursin Battaglia) strebt in seiner letzten Saison den Gewinn des vierten eidgenössischen Kranzes an.

(Bild: Andreas Blatter)

Reto Kirchhofer@rek_81

Schwingerkönig Matthias Sempach sagt: «Ich mag ihn. Jeder mag ihn.» Und: «Dr Thömu isch eifach e guete Cheib.» Peter Schmutz, technischer Leiter der Berner, sagt: «Mit seiner Erfahrung ist er sehr wichtig für unsere Mannschaft.» Und: «Dr Thömu isch eifach e guete Cheib.» Matthias Aeschbacher, aufstrebender Spitzenschwinger der Emmentaler, sagt: «Im Training gibt er alles, zieht die anderen mit.» Und: «Dr Thömu isch eifach e guete Cheib.»

«Thömu», das ist Thomas Zaugg: 36 Jahre alt, dreifacher eidgenössischer Kranzgewinner, achtfacher Kranzfestsieger – und eben: «eifach e guete Cheib». Der Emmentaler ist aus dem Berner Team seit Jahren nicht wegzudenken: Am 7. Juni 1998 hat er sein erstes Eichenlaub gewonnen; mittlerweile umfasst die Sammlung 106 Kränze. Bei den Athleten ist er wegen seiner bescheidenen Art beliebt, beim Publikum wegen seiner offensiven Schwingweise.

Den Aufwärtstrend fortsetzen

Dass der Sennenschwinger 2016 noch im Sägemehl steht, ist ­keineswegs selbstverständlich. Zauggs Rücktritt schien im Vorjahr beschlossene Sache, zumal er beim Bergkranzfest am Schwarzsee sein grosses Ziel erreicht und die magische Marke von 100 Kränzen geknackt hatte. «Ich hatte wirklich vor, aufzuhören», sagt Zaugg. Doch einige Gespräche führten zum Umdenken. «Neben der Familie hatte mein Physiotherapeut Michel Olivari sicher grossen Einfluss: Er sagte, ich sei körperlich fit – und die Zeit zum Aufhören sei noch nicht gekommen.»

Zaugg ist mittlerweile zwei­facher Familienvater, arbeitet im Teilzeitpensum als Zimmermann und als Landwirt, bietet vom eigenen Betrieb Produkte per ­Direktvermarktung an («Zaugg’s Beef»). Für das Schwingtraining bleibt ihm nicht mehr so viel Zeit wie früher. «Deshalb ist umso wichtiger, dass die Qualität der Trainings stimmt.»

Mit dem Saisonverlauf ist der dreifache «Eidgenosse» mässig zufrieden. Wohl hat Zaugg viermal den Kranz geholt, «aber oft geknorzt. Es fehlte an Spritzigkeit. Aber zuletzt lief es besser.» Am vergangenen Wochenende erreichte er am Schwarzsee mit Rang sechs seine beste Klassierung des Jahres. Der Aufwärtstrend soll am Sonntag beim «Emmentalischen» fortgesetzt werden. Das Heimfest konnte Zaugg bereits dreimal für sich entscheiden. «Ich hoffe, in Sumiswald mit der Spitze mithalten zu können.» Einfach wird das Unterfangen nicht, sind doch unter anderem die Schwinger­könige Sempach und Kilian Wenger gemeldet.

Abschied im Kemmeriboden

Sumiswald wird für Zaugg eine Etappe auf dem Weg zum grossen Saisonziel sein: Ende August möchte er in Estavayer den vierten eidgenössischen Kranz holen. «Es wird zwei Supertage benötigen. Dessen bin ich mir bewusst.» Die Konkurrenz ist stärker geworden, die Jungen rücken näher – nicht zuletzt im eigenen Teilverband.

Dies spürt Zaugg bei den Kaderzusammenzügen: «Es ist schön, zu sehen, wie die Jungen Gas geben», sagt er. Natürlich kriegt der Teamälteste ab und an einen Spruch zu hören; etwa nach einer Niederlage: «Itz muesch de höre», heisse es dann scherzeshalber, erzählt Zaugg und schmunzelt. Nur: Aus dem Spass wird am 4. September Ernst: Beim Kemmeriboden-Schwinget unmittelbar nach dem «Eidgenössischen» will Zaugg seine Karriere beenden. Oder lässt er sich erneut ein Hintertürchen offen? «Nein», erwidert der Emmentaler energisch. «Denn isch definitiv fertig!»

Verfolgen Sie am Sonntag ab 8 Uhr unseren Liveticker.

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