Ehrgeizig und zurückhaltend

Razlan Shah hat die Berner Meisterschaft gewonnen. Der Malaysier ist erst seit zwei Monaten in der Schweiz, hat aber einiges vor.

Zweifacher Meister: Razlan Shah gewann im Einzel und im Doppel. Max Füri

Zweifacher Meister: Razlan Shah gewann im Einzel und im Doppel. Max Füri

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Razlan Shah fällt auf. Nicht, weil er besonders gross oder kräftig wäre, sondern weil er äusserst ­geschmeidig über den Hallenboden gleitet, fast schwebt. Und weil er zum einzigen Spieler avancieren sollte, der gleich zweimal zuoberst aufs Podest steigt. Der Malaysier holte sich an der 27. Berner Badminton-Meisterschaft in Burgdorf sowohl den Titel im Einzel als auch im Doppel.

Der 22-Jährige ist erst seit gut zwei Monaten in der Schweiz. Im Sommer hatte ihn Donovan Cuntapay kontaktiert. Der Trainer führt in Worblaufen eine Badmintonakademie und fragte ihn an, ob er bei ihm mittrainieren und dabei sein Wissen weiter­geben möchte. Shah sagte zu. «Das ist eine neue Erfahrung für mich.» In seiner Heimat spielte er seit einem Jahr als Profi.

Sein Vater hatte ihn als Kind in eine Akademie geschickt. «Damit ich nicht auf der Strasse herumlungere.» Nun spielt Shah seit gut zwölf Jahren Badminton. In seiner Heimat gehört der schnellste Rückschlagsport der Welt zu den populärsten und meistgeförderten Sportarten, hierzulande ist Badminton indes eine Randsportart. Razlan Shah will mit seinem Einsatz dazu beitragen, dass sich daran etwas ändert.

Gewichtiger Unterschied

Shah ist ehrgeizig, gleichzeitig aber zurückhaltend. Denn auch wenn er an der Berner Meisterschaft überlegen triumphierte, lobte er seine Gegner und sagte, dass er noch viel lernen könne. Zwischen dem Badminton in Europa und dem Badminton in Asien habe er nämlich einen ­gewichtigen Unterschied festgestellt. Während in Asien vorab gewinne, wer möglichst hart schlage und schnell spiele, werde in Europa viel taktischer gespielt. «In Asien hauen sie einfach drauf, in Europa wird viel mehr mit dem Kopf gespielt. Da kann ich hier noch viel profitieren.»

Razlan Shah ist die Freude anzumerken, wenn er von seiner bisherigen Zeit in der Schweiz erzählt. Davon zum Beispiel, als er zum ersten Mal Schnee gesehen hat. In Spiez, wo er regelmässig trainiert und bald auch fürs Interclub-Team spielen möchte. Die kalte, weisse Masse hatte er vorher nur aus dem Fernsehen gekannt. «Ich dachte immer, es sei wie Eiscreme», sagt Shah und lacht. Bald möchte er sich auch einmal Ski anschnallen. Razlan Shah hat sowohl auf als auch ­abseits der Halle noch viel vor.

Ungewisse Zukunft

Ob er denn auch die Zeit dazu erhält, alles in die Tat umzusetzen, ist momentan indes noch unklar. Sein jetziges Visum ist auf drei Monate beschränkt, am liebsten würde er mindestens ein Jahr hier bleiben. Das Beantragungsverfahren für eine neue Aufenthaltsbewilligung ist langwierig und kompliziert, die Verantwortlichen kümmern sich aber aktuell darum. Sollte das Vorhaben scheitern, müsste Razlan Shah die Schweiz im Dezember verlassen.

Zu Beginn habe er sich dar­über schon Gedanken gemacht, gibt Shah zu. «Aber ich kann es nicht beeinflussen.» Viel mehr, als auf einen Bescheid zu warten, könne er nicht tun. Doch unabhängig davon, wo seine Zukunft liegt, geschmeidig über den Hallenboden gleiten wird Razlan Shah sowieso.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 15.11.2016, 09:42 Uhr

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