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«Die WM ist wie zwei Wochen Ferien»

Daniel Albrecht ist der aussichtsreichste Schweizer Anwärter auf den Gewinn des Gesamtweltcups. In den Gleitabschnitten habe er noch erhebliche Mängel, sagt der 25-jährige Oberwalliser vor dem sonntäglichen Auftakt in Sölden.

Sie beendeten den Gesamtweltcup im vergangenen Winter auf Rang 7. Welche Schlüsse haben Sie aus der sommerlichen Analyse gezogen?

Daniel Albrecht: Den meinerseits angekündeten Probelauf im Hinblick auf einen möglichen Triumph in der Gesamtwertung betrachte ich als geglückt, bis Mitte Januar war ich vorne dabei. Der Absturz von Kitzbühel und die damit verbundenen Abstimmungsprobleme im Slalom sind Erfahrungen, von denen ich künftig profitieren werde.

Anlässlich des Weltcupfinals in Bormio fuhren Sie im Slalom aus dem Nichts auf Rang 2. Vermochten Sie die Probleme über Nacht zu lösen?

Wenn es überhaupt nicht läuft, beginnt die Testerei. Man probiert Neues aus und versucht, alte Muster zu verdrängen. Wer sich in dieser Situation befindet und mittelfristig vorwärtskommen will, muss kurzfristig einen Rückschritt in Kauf nehmen. Mit einem Podestplatz hatte ich aber nicht gerechnet, war ich an diesem Tag doch mit gänzlich neuem Material unterwegs.

Werden Sie in diesem Winter sämtliche Rennen bestreiten?

Grundsätzlich ist geplant, dass ich alles fahre. Falls es nötig sein sollte, werde ich vor der WM eine Pause einschalten. Zudem findet die Abfahrt im Val Gardena wahrscheinlich ohne mich statt.

Weil sie technisch zu einfach ist? Die Ende November im Programm stehende Abfahrt von Lake Louise beinhaltet noch weniger schwierige Passagen.

In Val Gardena werde ich aussetzen, weil danach Riesenslalom und Slalom in Alta Badia anstehen. Hätte ich die Abfahrtstrainings und das Rennen in den Beinen, könnte ich in den technischen Disziplinen kaum aus dem Vollen schöpfen. Lake Louise ist eine Autobahn und deshalb ein wertvolles Training: Aus dem Probelauf für den Gesamtweltcup kann nur mehr werden, wenn ich in den Gleitabschnitten nicht mehr so viel Zeit verliere.

Vor Jahresfrist spielten Sie im Kampf um die grosse Kristallkugel bis Mitte Januar eine Hauptrolle. Was gilt es in diesem Winter zu beachten, um auch Anfang März noch vorne mitzumischen?

Die Abstimmung zwischen Mensch und Material muss in allen Disziplinen stimmen. Wer sich während der Saison gezwungen sieht, Anpassungen vorzunehmen, wird am Ende kaum ganz oben stehen. Wichtig ist auch, sich im Slalom sicher zu fühlen. Im Januar sind sechs Slaloms angesetzt, da kann man sehr viele wertvolle Punkte gewinnen respektive verlieren.

Der Weltcupfinal findet Mitte März in Are statt...

...ein reizvoller Gedanke. Sollte ich dannzumal noch im Geschäft sein, wäre dies sicher kein Nachteil – sofern die Schneeverhältnisse ähnlich sind wie vor zwei Jahren an der WM.

Im Februar werden in Val d’Isère wiederum Medaillen vergeben. Steht die WM oder der Weltcup im Vordergrund?

Das kann man nicht vergleichen. Die WM ist wie zwei Wochen Ferien. Ich kann Vollgas geben, der Blick auf Ranglisten und Punktzahlen fällt weg. Ich freue mich auf Val d’Isère, schliesslich habe ich einen Titel zu verteidigen.

Das Schweizer Männerteam bewegt sich noch immer auf äusserst dünnem Eis. Wird in diesem Winter einem der Jungen der Durchbruch gelingen?

Carlo Janka befindet sich auf bestem Weg zum Allrounder, ihm traue ich sehr viel zu. Sandro Viletta hinterliess im Slalom einen hervorragenden Eindruck.

Und Beat Feuz?

Es ist erstaunlich, wie schnell er nach der langen Verletzungspause schon wieder ist. Logischerweise fehlt ihm noch die Konstanz. Aber er ist noch jung und muss uns nicht schon in diesem Winter einheizen (lacht).

Dem Riesenslalom in Sölden folgt eine dreiwöchige Pause, ehe es richtig losgehen wird. Was halten Sie von diesem Prolog?

Mich stört das nicht. Ich bin froh, kann ich nach all den Trainings endlich in einem Wettkampf voll auf die Tube drücken.

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