«Die Variante Niesen ist besser als Muottas Muragl und St. Moritz»

Chefarzt German E. Clénin ­findet das Höhentrainings-Experiment von Mountainbikerin Ramona Kupferschmied auf dem Niesen ideal.

Bringen Ramona Kupferschmied die Übernachtungen auf dem Niesen etwas?German E. Clénin:Ja, sie stimulieren die Blutbildung. Es fördert die roten Blutkörperchen und ist damit quasi legales EPO-Doping. Bei der Höhentraining-Variante «Live high, train low» ist wichtig, dass man während rund vierzehn Stunden höher als 2000 Meter über Meer wohnt. Der Niesen ist mit 2300 Metern ideal. Auf dieser Höhe schlafen die meisten Menschen noch gut. Würde man höher übernachten, etwa auf dem Jungfraujoch, würde das Risiko von Schlafstörungen stark ansteigen.

Wäre ein Training in der Höhe nicht effektiver?Bei der Variante «Live high, train high» hat man bisher keine Verbesserung der Blutbildung nachweisen können. Also ist es sinnvoll, tagsüber in Spiez zu trainieren. Die Trainingsqualität ist viel besser. In der Höhe sind die Bewegungsausführungen nicht optimal. Selbst St. Moritz auf 1800 Metern ist dafür eigentlich noch zu hoch. Deshalb ist die Variante Niesen besser, als, wie das viele tun, auf Muottas Muragl zu übernachten und in St. Moritz zu trainieren. Idealer wäre im zweiten Fall, wenn man im Puschlav auf 800 Metern trainieren würde.

Ist die Zeitspanne von einem Monat auf dem Berg ­ausreichend?Ideal sind drei Wochen am Stück, was 294 Stunden in der Höhe entspricht. Ab vier Wochen sollte man die Aufenthalte splitten: zwei Wochen, eine Pause und dann wieder zwei Wochen auf dem Berg. Entscheidend ist immer, dass man gesund ist. In der Höhe nimmt die Infektanfälligkeit jedoch stark zu.

Kann die Athletin allenfalls sogar noch im September an der Weltmeisterschaft auf der Lenzerheide von diesem Aufenthalt profitieren?Entweder absolviert man den Wettkampf gleich am nächsten Tag nach dem Höhenlager, oder man wartet zehn Tage. Denn in dieser Phase ist der Körper durcheinander. Nach der Adaptation kann man aber zwei bis vier Wochen vom Höhentraining profitieren. Im erwähnten Fall reicht es also nicht bis September. Empfehlenswert wäre hier in den Sommerferien ein ­erneuter Aufenthalt auf dem Niesen von nochmals zwei Wochen.

Berner Zeitung

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