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Die Tücken des Umbruchs

Auf nationaler Ebene spielt Wiler-Ersigen vorne mit, von seinen besten Tagen ist der Serienmeister aber ein gutes Stück entfernt. Erfolgstrainer Thomas Berger sieht sich mit einer neuen Herausforderung konfrontiert.

Talentiert: Andrin Hollenstein (links) gehört zu Wiler-Ersigens jungen Wilden, welche dereinst den Kern des Teams bilden sollen.
Talentiert: Andrin Hollenstein (links) gehört zu Wiler-Ersigens jungen Wilden, welche dereinst den Kern des Teams bilden sollen.
Manuel Zingg

Es sieht aus wie ein Tanz mit Ball. Den ersten Gegenspieler schüttelt Joel Krähenbühl mit einer Körpertäuschung ab, den zweiten nach einer Drehung um die eigene Achse. Worauf der Flügel den perfekt positionierten Matthias Hofbauer bedient, der Center dem Zuger Torhüter Florian Bär keine Abwehrchance lässt. In Szenen wie diesen werden Erinnerungen an jene Zeiten wach, in denen Wiler-Ersigen wie ein Uhrwerk funktionierte, das Geschehen in den Unihockeyhallen nach Belieben dominierte.

Im Vergleich zwischen Meister und Aufsteiger gibt es jedoch auch Momente, die an einen Werbespot mit Franz Beckenbauer erinnern. «Ja ist denn heut schon Weihnachten?», könnten sich die Zentralschweizer fragen, als Nicola Bischofberger vor dem eigenen Gehäuse den Ball verstolpert. Als Torhüter Christoph Reich einen Distanzschuss Billy Nilssons trotz freier Sicht passieren lässt. Als Dave Wittwer dem Zuger Marcus Thunvall auf leichtsinnige Weise das 8:8 ermöglicht.

«Wir schwanken in jedem Spiel», sagt Wiler-Ersigens Trainer Thomas Berger, nachdem seine Mannschaft die Partie dank eines Überzahltreffers in der Verlängerung für sich entschieden hat.

Der Auftritt in Finnland

Berger ist hierzulande der Erfolgreichste seiner Zunft. Der Bündner hat mit den Unteremmentalern in zwei Amtszeiten bei acht Anläufen siebenmal den Titel gewonnen – zuletzt im April, nach Penaltyschiessen, gegen seinen Stammverein Malans. Philipp Fankhauser grub damals Bälle aus; Adrian Zimmermann, Patrick Mendelin und Ville Lastikka bildeten die produktivste Sturmformation.

Fankhauser war auch gegen Zug dabei. Zuerst fungierte er als Türsteher, später als Bandenrichter. Der Agronom gehört mittlerweile zur zweiten Mannschaft, leistete seinen obligatorischen Helfereinsatz. Mendelin skort für Basel in der NLB, Lastikka für Hämeenlinna in Finnland; Zimmermann wiederum verkauft für einen Grossverteiler Fahrräder.

Wiler-Ersigen erlebt den markantesten Umbruch in seiner Geschichte, Berger befindet sich in einer ungewohnten Situation. Nie zuvor sei er vor der Herausforderung gestanden, in einem Spitzenteam einen Generationenwechsel zu vollziehen, hält der 48-Jährige fest.

In der Tabelle liegt seine Auswahl auf Platz 2, sechs von sieben Vergleichen wurden gewonnen. Die Aussagekraft dieser Fakten ist jedoch begrenzt, wie die Leistung am Champions Cup im finnischen Seinäjoki offenbarte. Im Viertelfinal gegen das auf hohem Niveau solide, aber keineswegs brillante Heimteam mangelte es an Kreativität und Durchschlagskraft. Gefragt sei primär Geduld, das Potenzial für künftige Grosstaten vorhanden, meint Berger. «Unsere Jungen schiessen Supertore. Aber sie müssen verstehen lernen, wie man sich in bestimmten Situationen verhält.»

Der Irrtum des Skorers

Wobei der Trainer auch die Routiniers in die Pflicht nimmt, deren Rolle als Stabilisatoren des Systems betont. Bischofberger spielte zuletzt in Schweden, Reich war Stammgoalie in Chur, Wittwer feierte im August seinen 30. Geburtstag. Daniel Johnsson ist einen Monat jünger als Wittwer; der Schwede kam mit der Reputation als einer der besten Ligatorschützen in die Schweiz.

Im grün-weissen Dress bekundet der Flügel Mühe, sich zu entfalten, was Berger nicht überrascht. «Er dachte, er würde bei uns von Beginn weg Tore erzielen, aber wir spielen anders als sein früherer Klub.» Fast ein Jahrzehnt lang hatte Johnsson von den Künsten des genialen Centers Linus Nordgren profitiert, das Duo perfekt harmoniert. «Wir werden an Daniel viel Freude haben, aber er muss sich zuerst an uns gewöhnen», sagt Berger. Ehe es so weit sein wird, sind andere gefragt. Der 32-jährige Krähenbühl und der 36-jährige Hofbauer beispielsweise, Relikte aus der goldenen Gene­ration.

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