«Die Spitzenclubs haben ihre DNA»

Unihockey-Nationaltrainer David Jansson erklärt, weshalb es im Superfinal zum Berner Derby zwischen Wiler-Ersigen und Köniz kommt.

David Jansson: Der Schwede ist Schweizer Nationaltrainer.

David Jansson: Der Schwede ist Schweizer Nationaltrainer. Bild: Raphael Moser

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Der Superfinal ist heuer eine ­innerbernische Angelegenheit. Ist der Kanton Bern eine Grossmacht in der NLA?
David Jansson: Es ist schwierig, das so pauschal festzuhalten. Wiler-Ersigen gegen Köniz ist die logische Finalpaarung, die beiden Clubs waren während der ganzen Saison an der Spitze. Im Juniorenbereich sehen wir an der Spitze ein ähnliches Bild – allerdings mischt da auch GC wesentlich mit. Aber Wiler-Ersigen ist ja seit Jahren eine Macht.

Was haben Wiler-Ersigen und Köniz in dieser Saison besser ­gemacht als die Konkurrenz?
Die Teams haben eine gute Kombination aus Spitze und Breite: viel Qualität bei den Einzelspielern, gleichzeitig Junge, die nachrücken. Bei beiden Finalvereinen ist eine rote Linie erkennbar, die sich durch alle Juniorenstufen bis zur ersten Mannschaft zieht. Allgemein in der Schweiz haben die Spitzenclubs ihre DNA. In Schweden etwa ist das weniger der Fall.

Wiler-Ersigen ist der Generationenwechsel im Team scheinbar mühelos geglückt...
... ich dachte schon, dass das Team auch in dieser Saison ein Meisterkandidat ist. Aber dass dieser Übergang so schmerzlos passiert ist, überrascht mich sehr. Im Verein herrscht jedoch eine aussergewöhnlich starke Leistungskultur.

«Bei beiden Finalvereinen ist eine rote Linie erkennbar.»David Jansson

Köniz hat nach einer enttäuschenden Saison den Weg ­zurück an die Spitze gefunden. Die Strategie, erstmals mit drei Ausländern zu agieren, ist aufgegangen.
Köniz hat drei starke Verstärkungen gefunden, vor allem das Ri­sikospiel von Verteidiger Jesper Johansson überzeugt mich. Es gab im letzten Sommer viele Wechsel in der Mannschaft. Ich war deshalb erstaunt, wie rasch sich das Team gefunden und eingespielt hat. Dass es für den Final gereicht hat, überrascht mich aber keineswegs.

Als Nationaltrainer müssen Sie einen umfangreichen Überblick über das Geschehen haben. Wie organisieren Sie sich während der Saison?
Ich besuche so viele interessante Spiele wie möglich, bis zu vier pro Wochenende. Es ist mir wichtig, selbst in der Halle zu sein. Das nützt mir viel mehr, als Videos zu studieren.

Gerade im Fall von Wiler-Ersigen haben sich viele junge Akteure aufgedrängt. Sie haben für die WM im November die Qual der Wahl.
Allerdings! Im Vergleich zu meinem Stellenantritt im April 2015 habe ich heute ein ganz anderes Gefühl. Wir haben eine junge Generation, die mit einer Art posi­tiver Respektlosigkeit spielt. Ich mag Spieler, die sich tendenziell etwas über- statt unterschätzen. Da hat es im aktuellen Team einige dabei, und das gefällt mir.

Erstmals wurden in diesem Frühling Playoff-Spiele im Live-TV gezeigt. Kann Unihockey dabei ein breites Publikum ansprechen, oder wird es immer ein Szeneding bleiben?
Die Fernsehpräsenz ist fantastisch. Ich habe diverse Rückmeldungen von Leuten erhalten, die beim Zappen auf ein Livespiel ­gestossen sind und Gefallen ­daran gefunden haben. Die TV-Spiele sind nur ein Teil der Gesamtentwicklung. Aber ich bin überzeugt, dass sich Unihockey durchsetzt.

Das grosse Aushängeschild bleibt der Superfinal, der am nächsten Sonntag statt­findet. Wiler-Ersigen steigt als Favorit ins Endspiel.
Ich bin mir da nicht sicher. Weil es nur ein Finalspiel gibt, würde ich beiden Teams etwa gleich hohe Chancen zurechnen. Ich mag es überhaupt nicht zu tippen, finde es sogar uninteressant (lacht). Aber hypothetisch über die Strategien der Teams nachzudenken, ist immer spannend.

Wiler-Ersigen ist in taktischer Hinsicht primär defensiv aufgefallen; die Unteremmentaler hinterliessen im Playoff einen unwiderstehlichen Eindruck. Wie kann Köniz diese Abwehr bezwingen?
Manuel Maurer und Jan Zaugg müssen ihre Stärken ausspielen und mit schnellen Balleroberungen zusätzliche Chancen kreieren. Köniz kennt das Wiler-Ersigen-System und ist im Cupviertelfinal schon einmal daran gescheitert. Trainer René Berliat hat jetzt zwei Wochen Zeit für die Vorbereitung – das sollte eigentlich genügen.

Worauf müssen auf der anderen Seite die Akteure des Titelverteidigers achten?
Sie müssen im Spiel nach vorne sorgsam mit dem Ball umgehen, um gute Abschlusspositionen zu kreieren. Ebenso wird es wichtig sein, die für Wiler-Ersigen typische Winnermentalität auszuspielen. Und weil es eben nur ein Spiel und keine Serie ist, muss die Mehrheit der Spieler einen guten Tag erwischen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.04.2018, 15:55 Uhr

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