Die NBA steht schief

Die Golden State Warriors sind erneut klar favorisiert. Daran hat der Wechsel von LeBron James zu den Los Angeles Lakers nichts geändert.

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Adrian Ruch

Mit «LeBron goes to Hollywood» lässt sich die Geschichte der Sommerpause in der National Basketball Association mit einem Satz zusammenfassen. Der Wechsel von LeBron James von den Cleveland Cavaliers zu den Los Angeles Lakers hat die NBA grundlegend verändert. Man könnte auch sagen: Sie ist aus dem Gleichgewicht geraten.

Die fünf grössten Stars der Liga – neben LeBron James Kevin Durant, Stephen Curry, James Harden und Russell Westbrook –, spielen nun alle in der Western Conference. Seit 2011 hiess das Duell um den Titel in der weltbesten Liga stets: die Besten des Westens gegen das Team von LeBron James. Doch das wird künftig nicht mehr so sein.

Die Lakers im Umbau 

Den Transfer zu den Lakers hat James kaum aus rein sportlichen Gründen vollzogen, denn die Playoff-Finals wird der derzeit 33-Jährige im kommenden Frühsommer für einmal nur als Unbeteiligter erleben. Selbst der beste Spieler der Welt kann das Verliererteam nicht über Nacht in eine Meistermannschaft verwandeln, und das war in den letzten Jahren die Rolle der Lakers. Mittelfristig sind die Perspektiven des berühmten Clubs zwar gut, aber zuerst muss ein Umbau vollzogen werden.

Die General Manager – wie die Sportchefs im englischsprachigen Raum heissen – setzten die Lakers in der alljährlichen Umfrage der NBA in der Western Conference auf Platz 5. 87 Prozent dieser Insider sehen Titelverteidiger Golden State Warriors erneut als Champion, die restlichen Stimmen verteilten sich gleichmässig auf die Boston Celtics und die Houston Rockets.

Das Warriors-Experiment

Die Rockets waren in der letzten Saison nahe daran, den Warriors den Rang abzulaufen. Doch die Aufgabe, den Titelträger aus Oakland zu entthronen, dürfte noch schwieriger geworden sein. Noch überraschender als der Transfer von James war jener von DeMarcus Cousins von New Orleans zu Golden State. Der viermalige Allstar hatte sich im Januar einen Achillessehnenriss zugezogen. Weil er keine ihm zusagende Offerte bekam, beschloss er, bei den Warriors anzuklopfen und sich anzubieten – quasi zum Mindestsalär. Warriors-General-Manager Bob Myers glaubte zuerst, jemand erlaube sich einen Scherz, doch dem Anrufer war es ernst.

So kam es, dass sich das Starensemble von Coach Steve Kerr mit Durant, Cousins, Klay Thompson und Draymond Green aus vier Olympiasiegern von 2016 sowie dem Weitschützen (Stephen Curry) zusammensetzt.

Es wird eine Herausforderung für Coach Kerr, Cousins in das ausgereifte, von viel Bewegung und gepflegtem Passspiel ­geprägte System zu integrieren. Doch wenn das Experiment glückt, wird es die Konkurrenz schwer haben, die Warriors am vierten Titel innert fünf Jahren zu hindern. Ein wenig Aufschub bleibt ihr: Cousins hat das ­Training zwar wieder aufgenommen, doch sein Comeback wird erst für Dezember oder ­Januar erwartet.

Zu Saisonbeginn ebenfalls fehlen wird Thabo Sefolosha. Der Waadtländer wurde für fünf Partien gesperrt, weil ihm während seiner langen Verletzungspause Marihuana-Konsum nachgewiesen worden war. Der 34-Jährige fühlt sich nach seiner Knieoperation wieder fit und hofft auf eine gute Saison mit Utah Jazz.

Die Mannschaft aus Salt Lake City gewann in der vergangenen Saison 29 der letzten 35 Partien und erreichte die Playoff-Viertelfinals. Laut der Umfrage unter den NBA-Sportchefs ist sie in der Defensive die Nummer 1 der Liga.

Hohe Ziele von Capela

Im Osten, wo Boston favorisiert ist, würde Utah zu den Anwärtern auf den Platz im Final ­zählen, doch Utah spielt im Westen. Und da können sich einzig die Houston Rockets realistische Chancen ausrechnen, die Warriors zu stoppen. Neben den Stars James Harden und Chris Paul zählt mittlerweile auch Clint Capela zu den Unverzichtbaren.

Der Genfer schloss im Sommer einen Fünf-Jahres-Vertrag ab, der ihm mindestens 80 und maximal 90 Millionen Dollar einbringen wird. Der 24-Jährige ist damit der bestbezahlte Mannschaftssportler der Schweiz. Darf man Capela glauben, haben ihn die Millionen aber nicht satt gemacht. Er strebt ein Aufgebot für das All-Star-Game und den Titel mit den Rockets an. Auf dem Weg dahin wäre alles andere als ein Halbfinal-Duell mit den Warriors eine Überraschung.

Doch selbst wenn die Saison läuft wie erwartet, und die Lakers sich früh verabschieden – einem wird es kaum langweilig werden: LeBron James in Hollywood. Der Superstar hat nebenbei im Filmgeschäft Fuss gefasst. Laut dem Magazin «The Hollywood Reporter» ist er in zwölf Projekte involviert.

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