Die nächste Episode im Hymnenstreit

Die Football-Profiliga NFL will den Kniefall während der Hymne sanktionieren. Widerstand hat sich bereits formiert.

Die Liga hat entschieden: Wer künftig bei der Nationalhymne vor den NFL-Spielen nicht stehen will, wird bestraft.

Die Meldung wurde ohne viel Aufheben verkündet. Beim Frühjahrstreffen des Verbands gab NFL-Commissioner Roger Goodell kurz und knapp bekannt: «In dieser Saison soll das gesamte Personal des Teams und der Liga stehen und der Flagge und der Nationalhymne Respekt erweisen. Personal, das sich dafür entschieden hat, für die Hymne nicht aufzustehen, darf in der Umkleidekabine bleiben, bis die Hymne abgespielt ist.»

Vor allem aber würden bei Nichtbeachtung dieser Vorschrift sowohl Vereine als auch Spieler bestraft, verkündete Goodell weiter. Damit zeitigt der Hymnenstreit, der zwischenzeitlich bis zu US-Präsident Donald Trump gelangt war, seine ersten Konsequenzen im Regelwerk der NFL. Ein Kniefall von Colin Kaepernick, dem afroamerikanischen Quarterback der San Francisco 49ers, hatte vor bald zwei Jahren die Debatte angestossen, wie sich die Football-Profis während der vor jedem Spiel intonierten Nationalhymne zu verhalten haben.

Der Widerstand gegen das neue Reglement hat sich rasch formiert: Die NFLPA, die Spielergewerkschaft, machte deutlich, dass die Liga das Vorhaben ohne Rücksprache mit den Spielern durchgeführt habe. Man werde die neue Regelung überprüfen und jeden Aspekt anfechten, der nicht in Einklang mit dem gemeinsam unterzeichneten Collective Bargaining Agreement stehe, verkündete die NFLPA ebenfalls auf Twitter.

Und Jed York, Präsident von Kaepernicks Ex-Club San Francisco, enthielt sich der Stimme in der Liga-Kommission. «Ich denke, wir sollten das erst mit den Spielern besprechen. Darüber hinaus halte ich es nicht für sinnvoll, der Hymne und der Flagge eine solche Bedeutung zukommen zu lassen.»

Christopher Johnson, Mitbesitzer der New York Jets, kündigte derweil an, dass er die Bussen seiner Spieler, die sich während der Hymne weiterhin zu einem Kniefall entscheiden würden, allesamt übernehmen werde. Brisant: Johnson ist der Bruder von Woody Johnson, ein Vertrauter von Donald Trump, der auch schon als US-Botschafter in Grossbritannien im Gespräch war.

Im Lager Trumps hat die neue Regelung Zuspruch hervorgerufen. US-Vizepräsident Mike Pence bekundete seine Zustimmung sofort auf Twitter und schrieb: «Diese Entscheidung ist ein Gewinn für Amerika. Wir können uns darum versammeln, was uns verbindet: unsere Flagge, unsere Armee, unsere Hymne.» Pence verliess letzten Herbst ein Spiel vorzeitig, als diverse Spieler sich entschieden hatten, während der Hymne nicht zu stehen.

Und auch Mr. President himself kam natürlich nicht umhin, sich dazu zu äussern. Dies tat er auf Fox News, dem Sender seines Vertrauens.

Was dafür im Getöse fast unterging: Die Spieler sind nicht mehr verpflichtet, der Hymne überhaupt beizuwohnen. Wer will, kann sich für die Dauer der Zeremonie in die Kabine zurückziehen oder sonst wo abseits des Feldes warten. Nur wer die Hymne auf dem Spielfeld mithört, ist verpflichtet, aufrecht stehen zu bleiben.

mrm

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