Die Lücke schliesst sich langsam

Fabian und Michael Kauters Ära neigt sich dem Ende zu. Gefragt sind nun aus Berner Perspektive Nachwuchstalente, die die Lücke füllen können. «Wir sind auf gutem Weg», sagt Daniel Giger, ehemals Weltklassefechter und heute Trainer in Bern.

Der Mentor und sein Schützling: Nationalmannschaftsbetreuer Daniel Giger (rechts) rekapituliert mit Lorin Criblez dessen Wettkampf.

Der Mentor und sein Schützling: Nationalmannschaftsbetreuer Daniel Giger (rechts) rekapituliert mit Lorin Criblez dessen Wettkampf.

(Bild: Christian Pfander)

Es ist kein erfolgreicher Berner Tag in der Wankdorfhalle. Am Qualifikationstag für den Grand Prix gilt es, den Cut zu schaffen, einen Platz im Einzelwettkampf zu ergattern. Sämtlichen einheimischen Fechtern misslingt das Unterfangen, auch Routinier Michael Kauter.

Dennoch sagt der frühere Weltklassefechter Daniel Giger: «Wir sind wieder auf einem aufsteigenden Ast.» Giger, Olympia-Silbermedaillengewinner 1972 im Team und Kauters Onkel, ist Trainer im Fechtklub Bern. Den am Samstag und Sonntag stattfindenden Grand Prix begleitet er als Betreuer und Ratgeber; es gilt, den Jungen Hilfestellungen zu bieten.

Das Namenpaar Giger/Kauter hat den Berner Fechtsport lange Zeit geprägt, am GP treffen sich die Familien zum alljährlichen Wiedersehen. Michael Kauter hat den Aufwand bereits vor geraumer Zeit reduziert, ist seit dem Frühjahr zudem Vater von Zwillingen. Die fehlenden Trainingsstunden machen sich bemerkbar, wobei der 38-Jährige anmerkt, er fühle sich frisch und bereit.

Trotzdem scheitert auch er in der Qualifikation. Bruder Fabian Kauter, mehrfacher WM-Bronzemedaillengewinner und Weltcupsieger, tritt am diesjährigen Grand Prix nicht an; er konzentriert sich derzeit auf Ausbildung und Beruf. Den Rücktritt haben die Brüder beide nicht gegeben, doch werden sie kaum wieder die Form ihrer besten Tage erreichen.

Seit die beiden Kauters dem Fechtsport weniger Priorität einräumen, präsentieren sich die sportlichen Aussichten der Berner Fechter nicht eben vielversprechend. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber: Hinter den Kauters klafft zwar eine Lücke, doch sie schliesst sich langsam.

Die Weltelite in Bern

Voran gehen dabei Lorin Criblez und Fabian Broger. Vor einem Jahr erreichten beide an ihrem Heimturnier das Hauptfeld. Die Wiederholung dieser Leistung ist heuer missglückt. «Das hätte eigentlich wieder drinliegen müssen», hält der 19-jährige Criblez nach seinem letzten Gefecht enttäuscht fest.

Giger relativiert: «Das Starterfeld ist stärker besetzt als vor einem Jahr. Nach den Olympischen Spielen verzichteten einige Topathleten auf den Start in Bern.» Heuer ist praktisch die gesamte Weltelite dabei – mit Ausnahme der aktuellen Weltnummer eins, Yannick Borel. Der Franzose hat den Veranstaltern kurzfristig eine Absage erteilt.

Der Weltcupsieg mit 47

Hinter Criblez und Broger rücken weitere talentierte Junioren nach. Auf Stufe U-17 mischen im nationalen Vergleich deren drei an der Spitze mit. «Wir konnten dem Fechtplatz Bern einen Schub geben», stellt Daniel Giger zufrieden fest. Der Weg an die Spitze ist weit. Turnier für Turnier gilt es für die Zukunftshoffnungen, Wettkampfpraxis zu sammeln.

Fechten gehört zu den Sportarten, bei denen die Er­fahrung eine wesentliche Rolle spielt. «Man erreicht seinen Zenit im Normalfall mit ungefähr 30 Jahren», sagt Giger. Eine Obergrenze ist kaum definierbar; ein Beispiel dafür lieferte der heute 68-Jährige einst selbst. An einem Weltcupturnier wurde Giger Dritter – mit 47.

Im heutigen Einzelwettkampf bleibt aus Schweizer Sicht Max Heinzer als Aushängeschild. Der Innerschweizer zählt zum Favoritenkreis, blickt beim Grand Prix von Bern auf drei Titelgewinne en suite (2011–2013) zurück. Hinzu kommen der Zürcher Georg Kuhn und der Unterwalliser Lucas Malcotti. Hoffnung besteht auch im Teamwettkampf von morgen. Dort stehen neben Heinzer und Kuhn Michele Niggeler sowie Alexis Bayard im Einsatz.

Berner Zeitung

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