Die Kampfrichter waren sich nicht einig

Der Emmentaler Matthias Siegenthaler wurde am Sonntag Opfer eines krassen Fehlentscheides. «Es tut mir leid», sagt der Unparteiische Ady Zurfluh, der anderer Meinung war als Kollege Beat Kaspar.

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Der Unmut bei Matthias Siegenthaler war gross, das Unverständnis bei manch einem Zuschauer, Schwinger und Betreuer noch grösser. Am Sonntag legte der Emmentaler im vierten Gang Christian Schuler auf den Rücken, was TV-Bilder bewiesen – und der Innerschweizer Kontrahent gar zugab. Selbst aus rund 50 Metern Entfernung schien der Fall klar zu sein, die Unparteiischen aber gaben das Resultat nicht. Kurz darauf wurde Siegenthaler ins Sägemehl gedrückt.

Brisant ist: Platzkampfrichter Stefan Tresch sowie Ady Zurfluh und Beat Kaspar, die Unparteiischen am Tisch, waren nicht einer Meinung gewesen. Kaspar hätte Siegenthaler den Sieg zugesprochen, wurde jedoch von seinen Kollegen überstimmt. «Ich war mir absolut sicher, wollte schon aufstehen», sagt der Basler. Er wolle niemanden verurteilen, «aber ich weiss zumindest, dass ich ein gerechter Mann bin».

Derweil der Zürcher Tresch im Ausland weilt und nicht erreichbar ist, meint Zurfluh, er habe das Resultat nicht werten dürfen, «ich war nicht überzeugt davon, dass eines vorlag». Für Siegenthaler sei der Entscheid natürlich «ein Riesenseich, er hätte sich ja wohl für den Schlussgang qualifiziert. Es tut mir wirklich leid.» Für den Fehler entschuldigt hat er sich beim «Eidgenossen» allerdings nicht.

Kein Video-Beweis

Beat Kaspar erzählt am Montagabend, er habe eine schlaflose Nacht hinter sich. Der Neffe von Peter Vogt, welcher 1946 in Kilchberg gesiegt hatte, sagt, es mangle einigen Kampfrichtern an mentaler Stärke, nicht alle seien belastbar. «Ich verstehe, dass wir in den Medien kritisiert werden.» Zurfluh wiederum hält fest, im von ihm überwachten Sägemehlring seien lediglich zwei Fehlentscheide gefällt worden.

«Man darf nicht vergessen, dass die Belastung enorm ist. Ein Kampfrichter steht während über zehn Stunden im Einsatz.» Gegen den Vorwurf, er habe sich als Innerschweizer nicht neutral verhalten und deshalb für den Schwyzer Schuler entschieden, wehrt sich Zurfluh vehement. «Das ist Quatsch. Beim zweiten Fauxpas war ein Luzerner der Leidtragende. Die Verbandszugehörigkeit spielte keine Rolle.»

Stellt sich die Frage, weshalb an Festen von eidgenössischem Charakter den Schiedsrichtern keine Fernsehbilder zur Verfügung stehen. Der Videobeweis sei in der Szene nicht erwünscht, meint Obmann Paul Vogel, «auch als traditionellen Gründen wird sich dies in absehbarer Zeit nicht ändern». Konsequenzen müssen die Kampfrichter übrigens nicht befürchten, wenngleich Vogel klarstellt, dass die Szene anlässlich der nächsten Sitzung diskutiert werde. Siegenthaler («Es ist schwierig, das Ganze zu akzeptieren») wird sich davon nichts kaufen können.

Berner Zeitung

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