Zum Hauptinhalt springen

Die Geldsorgen der Handballvereine

Im Kampf um die Weiterexistenz befindet sich das finanziell schwer angeschlagene Pfadi Winterthur in einem Wettlauf mit der Zeit. Sorgen kennen auch die andern Clubs hierzulande.

In misslicher Lage: Wacker (hier der zurückgetretene Roman Caspar) war, Pfadi ist in Bedrängnis.
In misslicher Lage: Wacker (hier der zurückgetretene Roman Caspar) war, Pfadi ist in Bedrängnis.
Christian Pfander

Die Lage ist ernst. 400'000 Franken benötigt Pfadi Winterthur bis Ende März. Kriegen die Mitglieder des Traditionsclubs das Geld nicht zusammen, ist dieser zumindest in der gegenwärtigen Form Geschichte. Den Zürchern droht die Zahlungsunfähigkeit. Tritt diese ein, zögen sie sich auf der Stelle vom Spielbetrieb zurück. Unweigerlich. Rund 1,5 Millionen Franken Schulden hat oder hatte der amtierende Cupsieger, es handelt sich dabei um Altlasten, die bereits bestanden, als der jetzige Präsident Jürg Hofmann das Amt 2014 antrat. Vom Pfad der Tugend waren die Pfader davor abgekommen.

Publik machte Hofmann die Probleme Mitte letzter Woche. Szenekenner überraschte bloss die Höhe der fraglichen Beträge. Die Winterthurer kämpfen seit einer ganzen Weile um den Fortbestand. Und sie sind nicht der erste Schweizer Handballclub, der in Schwierigkeiten steckt. Suhr und den BSV Bern plagten um die Jahrtausendwende Finanzsorgen, 2006 löste sich der HC Zentralschweiz auf, kurz darauf bangte St. Gallen, bevor GC Amicitia Zürich 2009 den Konkurs in extremis abwendete. Wacker bat 2011 um Unterstützung, die Spieler verzichteten damals auf einen Monatslohn. Vollständig ist die Aufzählung nicht.

Rubins Warnung

Die ambitionierten Vereine operieren meist mit einem Budget in siebenstelliger Höhe. Das Eigenkapital ist in vielen Fällen vergleichsweise gering. Vertreter der Clubs geben an, die Beschaffung der nötigen Gelder sei stets eine grosse Herausforderung. Die Zuschauerzahlen sind zwar stabil und teilweise deutlich gestiegen; die Einnahmen, die resultieren, fallen aber zu niedrig aus, als dass sie ein Faktor wären.

Der langjährige Nationaltorhüter Andreas Merz ist einer der aufmerksamsten Beobachter der hiesigen Szene, welcher er als Goalietrainer von Meister Wacker unverändert angehört. Er sagt, in der Schweiz konkurrierten viele Sportclubs auf vergleichsweise engem Raum um potenzielle Sponsoren. Und im Handball würden mitunter Beträge wie in einem KMU umgesetzt, der administrative Bereich weise meist aber nicht vergleichbare Strukturen auf, weil die Leute halbprofessionell oder ehrenamtlich arbeiteten. «Ausserdem neigt man dazu, immer gleich auszugeben, was man eingenommen hat, statt Reserven zu bilden.» Stehe einem Club mehr Geld zur Verfügung, pflege er dieses in einen Spieler zu investieren.

Martin Rubin, Chefcoach der Thuner, sagt, es gebe derzeit zu wenige gute Akteure. Mögliche Leistungsträger seien entsprechend begehrt – und demzufolge teuer. «Und wenn du vorne mitspielen willst, musst du dir diese Leute eben leisten.» Das sei gefährlich. Nun, reich wird mit Handballspielen hierzulande keiner. Aber die Löhne sind im Schnitt höher als im Unihockey, und zwar nicht unwesentlich.

Als Hofmann gefragt worden war, weshalb in Bezug auf das Fanionteam die Kosten und damit die Ambitionen nicht zusätzlich gesenkt worden seien, sagte er, ein Pfadi, das gegen den Abstieg spiele, sei für Sponsoren nicht attraktiv. Im ewigen Balanceakt droht den Winterthurern nun der Fall.

Das Vorbild BSV

Für die Probleme des Playoff-Finalisten der letzten Saison kann Hofmann weitestgehend nichts. Er gewährte dem Club gar ein Darlehen und leistete einen Sanierungsbeitrag. Die Nöte stehen im Zusammenhang mit dem Rückzug eines Sponsors und der Nichteinhaltung von Versprechungen anderer.

Wacker ist heute schuldenfrei, der BSV ist es längst. Letzterer pflegt mit dem «Bärenclub» ein viele Kontakte umfassendes Netzwerk, um das ihn selbst Player aus den ganz grossen Sportarten beneiden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch