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Die Bösen lassen ihre Muskeln spielen – Favoriten am «Kilchberger»

Am 15. Kilchberger Schwinget wird am Sonntag der Nachfolger des verletzten Jörg Abderhalden ermittelt.

Thomas Sempach: Auch er gehört zu den talentierten Berner Schwingern.
Thomas Sempach: Auch er gehört zu den talentierten Berner Schwingern.
Keystone
Christian Stucki: Das Kraftpaket aus dem Seeland ist die grosse Berner Hoffnung.
Christian Stucki: Das Kraftpaket aus dem Seeland ist die grosse Berner Hoffnung.
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Toni Rettich: Er hat schon neun Kränze in diesem Jahr auf dem Buckel.
Toni Rettich: Er hat schon neun Kränze in diesem Jahr auf dem Buckel.
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Der Schwingerkönig kann den 2002 errungenen Titel wegen seiner Schulteroperation nicht verteidigen. Die Suche nach Favoriten gestaltet sich schwierig.

Selbst Fachleute sind sich uneins. So stark und gleichzeitig so ausgeglichen war der «Kilchberger» noch nie besetzt. Kein Schwinger kam heuer ohne Niederlage durch und mit Ausnahme von Abderhalden sind alle 20 Kranzfestsieger 2008 für den letzten und gleichzeitig grössten Anlass der Saison gemeldet. In die Jahre gekommene Athleten wie Publikumsliebling Hans-Peter Pellet (38) oder der 100-fache Kranzgewinner Toni Rettich (37) nehmen bereits zum dritten Mal an diesem Fest mit eidgenössischem Charakter teil, das nur alle sechs Jahre stattfindet. Und doch gehören Pellet und Rettich noch immer zu den Attraktionen. Für 42 der 58 Kollegen wird das Antreten auf dem Gutsbetrieb «Uf Stocken» hoch über dem Zürichsee vor 12'500 Zuschauern ein Debüt sein.

Stucki - die Hoffnung der Berner

Zu diesen Neulingen zählt Christian Stucki, die grosse Hoffnung der starken Berner Fraktion. Das Kraftpaket aus dem Seeland gewann heuer zwei Bergfeste (Schwarzsee, Weissenstein) und dazu vier weitere Kantonale oder Gauverbandsfeste. An der Hauptprobe, dem Schwägalp-Schwinget vor zwei Wochen, schaffte es der 140 kg schwere Forstwart zum einzigen Mal in dieser Saison nicht in den Schlussgang. Diesen Part und auch jenen des Festsiegers übernahm am Fusse des Säntis überraschend Stuckis Verbandskollege Thomas Sempach.

Gerade jenes Vorkommnis demonstrierte, wieso die Berner nach langer Durststrecke wieder vermehrt zum Favoritenkreis gezählt werden. Hinter dem 23-jährigen Stucki, mit zehn Kränzen der Erfolgreichste seines Verbands, sind die praktisch gleichaltrigen Thomas Sempach, dessen zuletzt eher stagnierender Cousin Matthias und vor allem auch Matthias Glarner (Geheimfavorit von ESV-Obmann Ernst Schläpfer) in der Lage, beim Ausfall der Leaderfigur in die Bresche zu springen. Zukunftssorgen müssen sich die Berner keine machen.

Grab, die Hoffnung der Innerschweizer

Martin Grab fehlte trotz insgesamt acht Kränzen und den drei Festsiegen (Brünig und Rigi innerhalb von fünf Tagen sowie Zuger Kantonales) die Konstanz und Lockerheit früherer Jahre, um die Konkurrenz zu dominieren. Dennoch war der 29-jährige Schwyzer zusammen mit Philipp Laimbacher, dem erneuten ex-aequo-Sieger auf dem Stoss (zusammen mit Bruder Adrian), erfolgreichster Innerschweizer. Folglich gehört Grab auch am «Kilchberger» und wie schon vor sechs Jahren nach einer damals überragenden Saison zum Favoritenkreis. Zudem hat der fünffache Familienvater aus Rothenthurm mit Siegen am Expo- (2002) und Unspunnen-Schwinget (2006) bewiesen, dass er sich auf wichtige Anlässe fokussieren kann. Aussenseiter-Chancen hat im 18 Mann umfassenden Aufgebot der Innerschweizer der offensiv starke Obwaldner Peter Imfeld.

Jene Breite, die die Berner so stark und unberechenbar macht, fehlt derzeit den Nordostschweizern. Für Jörg Abderhalden (Saisonende nach Schulteroperation) und dessen stark gestarteten Vereinskollegen Urban Götte (Kreuzbandriss) ist die Saison nach Verletzungen längst vorbei. Hoffnungsträger des Teilverbands, der mit Ausnahme des Unspunnens 2006 (Grab) sämtliche Sieger an Festen mit eidgenössichem Charakter seit 1993 gestellt hat, ist primär Arnold Forrer.

Forrer und Fausch als Herausforderer?

Mit neun Kränzen führt der Appenzeller mit Toni Rettich die Liste der erfolgreichsten NOS-Schwinger des Jahres an. Dreimal schwang der Käser aus Stein obenaus. Und wenn Hobbyjäger Stefan Fausch von seiner Rippenverletzung, die ihn auf der Schwägalp zur Aufgabe zwang, nicht allzu stark behindert wird, könnte der routinierte Bündner seinem Kollegen beistehen, wenn einer der Brocken aus der Innerschweiz oder aus dem Kanton Bern aus dem Weg geräumt werden muss. Immerhin hat Fausch heuer Schwingerkönig Jörg Abderhalden schon zwei Mal und Christian Stucki einmal bezwungen.

Der hoffnungsvollste Kandidat der Nordwestschweizer auf einen Exploit heisst nicht Mario Thürig, sondern Bruno Gisler. Der 25-jährige Solothurner war mit elf Kränzen der meistgekürte Schwinger des Landes und deutete seine Stärke unter anderem auf dem Stoos an. Gisler hatte auf der Rigi unter anderem Nöldi Forrer auf den Rücken gelegt. In zwei Gängen gegen den späteren Festsieger Grab war er jeweils der aktivere Schwinger. Mit einem Gestellten und der Niederlage im Schlussgang kam Gisler aber schlecht weg.

Anwärter auf den Siegerpreis «Silvio», einen im Dezember 2006 auf dem Kilchberger Hof geborenen Muni, stellen im Prinzip also alle Teilverbände ausser jener der Südwestschweiz. Mit Hans-Peter Pellet hat er noch immer einen der attraktivsten Offensivschwinger in seinen Reihen. Seinen Zenit scheint der Bauschreiner aus Brünisried trotz neun Kränzen (an zumeist nicht topbesetzten Festen) wie auch Stefan Zbinden überschritten zu haben.

si/fal

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