Die Berner hinken hinterher

Die Berner vermögen den Heimvorteil an der Schweizer Badminton-Meisterschaft in der Wankdorfhalle nicht zu nutzen. Dass sie im nationalen Vergleich meist Nebenrollen einnehmen, hat mehrere Gründe.

Trotz vollem Einsatz verlieren Sabrina Angehrn (links) und Nadia Fankhauser.

Trotz vollem Einsatz verlieren Sabrina Angehrn (links) und Nadia Fankhauser.

(Bild: Andreas Blatter)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Zumindest ein klein wenig konnte sich der Berner Badmintonfan am Sonntag doch noch freuen. Sabrina Jaquet triumphierte in der Wankdorfhalle sowohl im Einzel als auch im Doppel. Die Neuenburgerin ist seit Jahren im Bernbiet zu Hause. Sie verpasste zwar den Titel im Mixed – es wäre ihr fünftes Triple in Folge gewesen –, dennoch war sie die erfolgreichste Athletin der diesjäh­rigen Schweizer Meisterschaft. ­

Ansonsten bekleideten die Berner Athleten Nebenrollen.Die Burgdorferin Nadia Fankhauser schaffte im Einzel den Einzug in den Halbfinal, wo sie gegen Jaquet chancenlos blieb. Im Doppel musste sie sich an der Seite Sabrina Angehrns in der ersten Runde geschlagen geben, im Mixed reichte es für den Einzug in den Viertelfinal.

Cuntapays Magnetwirkung

Etwas fällt beim Blick aufs Teilnehmerfeld auf: Einigen/Spiez ist der einzige Verein aus dem Kanton Bern, der Teilnehmer an den nationalen Titelkämpfen stellt. 2012 waren noch vier Klubs vertreten. Seither ist vieles passiert. Die Spieler sind nicht von der Bildfläche verschwunden, sondern sie haben sich neu orientiert.

Vor fünf Jahren eröffnete der einstige Spitzenspieler Donovan Cuntapay in Worblaufen eine Akademie, in der die Talente intensiv und gezielt trainieren können. Cuntapay könne das Training sehr gut auf die einzelnen Spieler und deren Fähigkeiten abstimmen, sagt Nadia Fankhauser, die aktuell bestklassierte Bernerin, die täglich in der Akademie trainiert. «Dadurch vergrössert sich auch der Lerneffekt.»

Cuntapay leitet neben seiner Akademie auch Trainings beim BC Einigen/Spiez, was viele Spieler anderer Klubs dazu veranlasste, künftig zum Trainieren auch ins Oberland zu fahren.

«Einigen/Spiez hat sich diesen Vorteil erarbeitet», sagt Mathias Jost. Auch der Präsident des Berner Regionalverbandes stellt eine gewisse «Magnetwirkung» fest, die Cuntapay auf die Spieler hat. Das sei durchaus positiv, denn: «Donovan ist einer der besten Trainer in der Schweiz.»

Doch nicht überall finden die Spieler derart professionelle Bedingungen vor. «Aber es gibt durchaus Alternativen», sagt Jost und erwähnt die ehemalige Olympiateilnehmerin von 1992, Bettina Villars, die 1993 die Badmintonschule Berner Oberland ins Leben rief und zudem als Trainerin des Berner Regionalkaders sowie des BC Thun-Uetendorf-Steffisburg viel Zeit in die Athletenförderung investiert. «Aber im nationalen Vergleich hinken wir etwas hinterher.»

Der Verband wolle die Vereine unterstützen, sagt Jost. «Aber schliesslich liegt es an jedem selber, die bestmöglichen Strukturen zu schaffen.» Jost würde sich wünschen, dass in Zukunft wieder mehr Berner Vereine an den nationalen Wettkämpfen vertreten wären, allerdings lässt sich nicht abschätzen, wann dies der Fall sein könnte. Es mangle oft an der Bereitschaft, sich freiwillig und unentgeltlich zu engagieren, findet Jost. Zwar gebe es viele, die sich schon über eine lange Zeit einsetzten, «aber irgendwann mögen auch die nicht mehr».

Fankhauser, die seit dieser Saison in der zweiten Bundesliga in Saarbrücken aktiv ist, blickt dennoch positiv in die Zukunft. Seit der Gründung der Akademie habe sich die Einstellung der Spieler verändert. Der Ehrgeiz, zu gewinnen, sei nun eher vorhanden als früher, als es primär ums Dabeisein gegangen sei. «Heute wird zielorientierter gearbeitet.»

Damit sich am Status quo etwas ändere, müsse der Aufwand auf möglichst viele Schultern verteilt werden, sagt Mathias Jost. Bald soll das Ressort Nachwuchs neu besetzt und mit frischem Elan ans Werk gegangen werden. Jost ist überzeugt: «Es muss schnell etwas passieren.»

Berner Zeitung

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