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Der Schweizer Topskorer startet in Schweden durch

Nach seinem Wechsel von Köniz zu den Växjo Vipers hat sich Manuel Maurer in der besten Liga der Welt durchgesetzt. Mehr noch: Der Stürmer ist in seiner ersten Auslandsaison zum Leader gereift.

Auch in der Nationalmannschaft von unverzichtbarem Wert: Manuel Maurer (rechts).
Auch in der Nationalmannschaft von unverzichtbarem Wert: Manuel Maurer (rechts).
Fabian Trees, Keystone

Wäre es Eishockey, das Echo wäre gewaltig. Folgendes Szenario: Grégory Hofmann, der beste heimische Skorer der Qualifikation, würde seine Schlittschuhe und seinen Stock packen und die Schweiz in Richtung Nordamerika verlassen. Er würde sein Glück in der NHL suchen. Und finden. Der Durchbruch gelänge. Derart, dass er Ende Saison Topskorer seines Teams wäre und in der Rangliste der besten Torschützen und Vorlagengeber ganz weit vorne auftauchen würde.

Genau diesen Weg hat Manuel Maurer hinter sich. Nur hat das kaum einer gemerkt. Der 25-Jährige spielt nicht Eishockey, sondern Unihockey. Im vergangenen Jahr wurde er mit Köniz Meister und verliess die Schweiz, um sich in der schwedischen Superligan, der stärksten Liga der Welt, einer neuen Herausforderung zu stellen. Nach Ende der Qualifikation ist der Schweizer Nationalspieler als Topskorer mit 35 Toren und 22 Assists in 32 Partien einer der wertvollsten Spieler seines Teams, den Växjö Vipers. Er hat es mit ihnen ins Playoff geschafft und steht auf Rang 9 der Liga-Skorerliste. Wie gelang es dem Berner, sich auf Anhieb in Schweden durchzusetzen?

Er trifft und trifft und trifft

Maurer gehörte in den vergangenen Jahren zu den besten Spielern der Schweizer Nationalliga. In den letzten vier Saisons gelangen ihm immer über 60 Punkte, in der Meistersaison der Könizer war er gar der Playoff-Topskorer mit 14 Toren und 12 Assists in elf Spielen.

Eine erste Anfrage aus Schweden kam vor vier Jahren. Damals aber studierte Maurer noch Medien- und Kommunikationswissenschaften. Letzten Sommer schloss er ab, die Zeit war reif, «das gemachte Nest in Köniz zu verlassen», wie Maurer sagt.

Den Entschluss aber hatte er bereits gefasst, bevor er mit Köniz Meister wurde. Vergangenen Sommer besuchte er Trainings verschiedener Teams und entschloss sich, aufgrund des Spielsystems zu Växjo zu wechseln. Die Vipers sind im taktisch geprägten schwedischen Unihockey ein Team, dem es nicht in erster Linie darum geht, Abschlüsse des Gegners zu verhindern, sondern den Gegner auch unter Druck zu setzen. Das komme ihm entgegen und sei ein Grund für seinen aktuellen Erfolg, sagt Maurer: «Ich bin nicht gut im Spiel mit dem Ball. Eine meiner grössten Stärken und Torquellen ist es, Ballverluste zu provozieren.»

«Ich messe mich an Punkten. Ich schiesse lieber 30 hässliche als 15 schöne Tore.»

Manuel Maurer

Seine Stärke hat er in 57 Punkte umgemünzt. Mit dieser Leistung katapultierte sich der Schweizer in der Liga-Skorerwertung beispielsweise vor den ehemaligen GC-Spieler und schwedischen Superstar Kim Nilsson (52). Maurer sagt: «Konstanz ist mir enorm wichtig. In der Schweiz war mein Ziel immer, pro Spiel mindestens ein Tor oder einen Punkt zu erzielen.» Nun gelingt ihm das auch in Schweden.

Vor seinem Transfer habe er sich die Frage gestellt, ob sein Spielstil, den er als technisch einfach beschreibt, überhaupt in die anspruchsvolle Liga passe. «Ich bin kein Spektakel-Spieler. Ich spiele schnörkellos und messe mich an Punkten. Ich schiesse lieber 30 hässliche als 15 schöne Tore.»

Dass sein Spielstil nach Schweden passt, steht Ende der Qualifikation ausser Frage. Geholfen hat ihm, dass er sich schnell akklimatisiert hat – auch dank Manuel Engel, dem zweiten Schweizer Nationalspieler im Kader der Vipers. Unterhalten sie sich in ihrer Muttersprache, «klingt das für unsere Mitspieler grausam», sagt der Berner und lacht. Wie denn sein Schwedisch sei nach fast einem Jahr? «Ganz okay, aber besser geht immer.»

Sport geniesst Anerkennung

Maurers neuer Wohnort, Växjö, eine Universitätsstadt in der südschwedischen Provinz Smaland, zählt knapp 67 400 Einwohner. Sie ist Heimat der einstigen Tennisgrössen Mats Wilander und Stefan Edberg. Hier hat der Schweizer eine 2-Zimmer-Wohnung bezogen. «Luxus» nennt er das, die meisten in seinem Umfeld haben nur ein Zimmer.

Nicht nur von der Wohnung, auch von der Sportbegeisterung schwärmt er: «In der Schweiz ­haben wir eine Arbeitskultur. An allererster Stelle stehen Job und Ausbildung. Wenn du aber in Schweden gut in einer Sportart bist, dann spürst du hier die volle Unterstützung deines Arbeitgebers.» Das weiss er von seinen Teamkollegen. Er selber konzentriert sich zurzeit aufs Uni­hockey.

Anders in Schweden ist auch das spielerische Niveau. Momentan kämpft Maurer mit Växjö in einer äusserst ausgeglichenen Serie gegen Mullsjö um den Halbfinaleinzug. Wollen die Vipers heute das vorzeitige Saisonende verhindern, brauchen sie ihren Schweizer Topskorer in Bestform, liegen sie doch in der Serie 2:3 im Rückstand.

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