Der nackte Tongaer will es wieder tun

Mit eingeöltem Oberkörper wurde Pita Taufatofua an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele zur Internetberühmtheit. Nun will er ein drittes Mal an die Spiele – in der dritten Sportart.

Pita Taufatofua lief auch zu den Winterspielen oben ohne ein. Video: SRF

Er lief ins Maracanã-Stadion und ging um die Welt. Die Bilder von Pita Taufatofua, 33, Fahnenträger für Tonga mit eingeöltem, nacktem Oberkörper, waren ganz schnell überall. 250 Millionen Mal wurde in jener Nacht sein Name in das Google-Suchfeld eingegeben. Dass er danach im olympischen Taekwondo-Wettbewerb schon in der ersten Runde ausschied, war letztlich nebensächlich.

Schon in der ersten Stunde hatten die Spiele von Rio ihre erste Geschichte. Taufatofua hatte 15 Jahre gekämpft, um sich für Olympia zu qualifizieren. Und nun, da er es geschafft hatte, war er so begeistert, dass er nie mehr etwas anderes tun wollte.

Vier Jahre bis zu den nächsten Spielen waren da einfach eine zu lange Zeit. «Ich suchte den härtestmöglichen Sport», sagte er einmal. Er fand das Langlaufen. Auf Rollski begann er also, für die Qualifikation für die Winterspiele in Pyeongchang zu trainieren. Taufatofua war in Tonga aufgewachsen, lebte längere Zeit in Brisbane, Australien. Schnee war für ihn ein Fremdwort. Auch im Training. Erst einige Monate vor den Spielen, in einem Trainingslager im Schwarzwald, glitt er erstmals über die weisse Unterlage.

Übernachten in der Kinderkrippe

Die Qualifikation wurde zur Odyssee. Er reiste quer durch Europa, um die benötigten Punkte bei FIS-Rennen zu sammeln, liess sich von speziellen Routen (einst fuhr er im Taxi sechs Stunden von Armenien nach Georgien) und spartanischen Unterkünften (sechs Monate schlief er in einer Kinderkrippe) nicht unterkriegen. Und er schaffte es. Bei einem Rennen in Island, einen Tag vor der Deadline, qualifizierte er sich tatsächlich für die Winterspiele.

Und er konnte es auch da nicht lassen. Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt lief er auch in Pyeongchang in der Nationaltracht ein: oben ohne, mit eingeöltem Oberkörper. Im Langlaufrennen wurde er 114. von 119 – 23 Minuten hinter Sieger Dario Cologna, der ihm danach gratulierte.

Taufatofua, mittlerweile 35-jährig, hat aber noch immer nicht genug. Nächstes Jahr finden die Spiele in Tokio statt. Auch da will er am Start stehen – abermals in einer neuen Sportart. Er hat das Kajak-Fahren für sich entdeckt. Taekwando behält er sich als Plan B noch in der Hinterhand. Denn im Moment tut er sich noch ein bisschen schwer mit dem Gleichgewicht. «Es ist ziemlich schwierig, diese Kajaks sind sehr instabil, du denkst eigentlich nur daran, nicht umzukippen», erzählte er dem «Guardian». Er trainiert auf dem Brisbane-Fluss, der eine sehr starke Strömung hat und vor allem auch von Bullenhaien bevölkert wird. «Wir müssen herausfinden, wie ich im Kajak bleibe und nicht kentere», sagte er.

Sollte er sich für Tokio qualifizieren, wären ihm die nächsten 15 Minuten Internetberühmtheit bestimmt gesichert. Und sonst hat er ein wenig mehr Zeit, um sich um sein neues Projekt zu kümmern. Taufatofua hat nämlich ein Buch geschrieben. «Motivation Station» heisst es – ein Thema, zu dem der Tongaer bestimmt ein paar Geschichten auf Lager hat.

abb

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