Der König bleibt sich treu

Sportredaktor Reto Kirchhofer zum vorzeitigen Karriereende von Schwingerkönig Matthias Sempach.

Matthias Sempach tritt per sofort vom Schwingsport zurück. Die Gründe erklärt er im Interview.
Reto Kirchhofer@rek_81

Es gibt einen Begriff, der existiert im Wortschatz von Matthias Sempach nicht: Zufall. Seit Sempach mit Schwingen angefangen hat, wollte er nie ­etwas dem Zufall überlassen. Sein Ziel war es, im Zweikampf im Sägemehl der Bessere zu sein. Entsprechend war er bereit, mehr zu investieren als die Konkurrenz.

Im Verlauf der Karriere fügte er fünf Faktoren zu einem erfolgreichen Ganzen zusammen: Der Ehrgeiz trieb ihn an, Athletik und Technik machten ihn zum kompletten Schwinger. Dank mentaler Stärke vermochte er an zwei Anlässen mit eidgenössischem Charakter zu reüssieren. Und das Umfeld ermöglichte es Sempach, sich vollumfänglich auf den Sport zu konzentrieren.

Mit seiner Professionalität auf vielen Ebenen – im Training, im Wettkampf, im Umgang mit Sponsoren und Medien – beeinflusste und beeindruckte Sempach die jüngeren Athleten. Seit der Ära Jörg Abderhaldens hat kein Athlet das Schwingen derart geprägt wie der Alchenstorfer. Und mit seiner Art – der Tradition verbunden, dem Neuen nicht verschlossen – war er für seine Sportart der ideale Wegbereiter in die Moderne.

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In der Öffentlichkeit kam der Alchenstorfer als ruhig, gewissenhaft und teilweise verbissen rüber. Dies hatte auch damit zu tun, dass sich Sempach während der Schwingfeste lieber zurückzog und fokussierte statt mit den Zuschauern zu plaudern. Seine Aussenwahrnehmung aber ist ihm wichtig; er legt Wert auf Bescheidenheit und Bodenständigkeit. So kam es vor, dass der Schwingerkönig beim Gegenlesen eines Interviews den Wunsch anbrachte, aus seinem «5-Zimmer-Haus» in Alchenstorf doch bitte ein «5-Zimmer-Häuschen» zu machen. Selbst in diesem Bereich zeichnete ihn die Detailpflege aus.

So ehrgeizig und angespannt er auf dem Schwingplatz war und wirkte, so locker und unterhaltsam ist er im Privaten. Träfe Sprüche, trockener Humor und ein komödiantisches Talent zeichnen ihn aus. Auch deshalb war Sempach für den Zusammenhalt der Berner Mannschaft von hohem Wert.

Nun haben die Verletzungen den Alchenstorfer mit 32 Jahren zum Rücktritt bewogen. Die Berner verlieren ein Jahr vor dem «Eidgenössischen» in Zug eine Leaderfigur – der Schwingsport einen seiner erfolgreichsten und den vielleicht stärksten Vertreter dieses Jahrzehnts. Sempach hätte auf solidem Niveau weiterschwingen und seine Kranzsammlung ergänzen können. Doch das hätte nicht zu einem gepasst, der stets etwas mehr investiert hat, um besser zu sein als andere. Matthias Sempach ist sich treu geblieben – bis zum Rücktritt.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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