Der Hase in der Tüfelsschlucht

Martina Strähl sattelt um: Die stärkste Läuferin der LV Langenthal konzentriert sich ganz auf den EM-Marathon. Bis dann bestreitet sie Bergläufe nur zu Trainingszwecken.

«Es geht bergauf»: Martina Strähl hat die Grippe überwunden.<p class='credit'>(Bild: Marcle Bieri)</p>

«Es geht bergauf»: Martina Strähl hat die Grippe überwunden.

(Bild: Marcle Bieri)

Die Redewendung «Es geht bergauf» hat für Martina Strähl eine doppelte Bedeutung. Die Berglaufspezialistin startet heute als Favoritin zum Tüfelsschlucht-Berglauf in Hägendorf. Und: Strähl hat ihre körperlichen Beschwerden überwunden. Sie fühlt sich wieder topfit. «Mitte Februar zwang mich eine Grippe dazu, das Training stark zu reduzieren», sagt die 26 Jahre alte Psychologiestudentin aus Oekingen bei Solothurn. So verzichtete Strähl unter anderem auf einen Start an der Strassen-SM über 10 Kilometer in Saxon. 6 bis 7 Wochen habe sie gebraucht, um wieder ihr gewohntes Rendement zu erreichen. Zuletzt zeigte sich die zweimalige Berglauf-Europameisterin in ausgezeichneter Form.

Sowohl am Badener Limmat-Lauf (2.Platz) als auch am Rotseelauf (1.) und am GP Fricktal (1.) stand Strähl auf dem Podest. Nach dem souveränen Sieg beim Osterlauf im Fricktal war die 1,68 Meter grosse und 53 Kilo schwere Ausdauersportlerin erleichtert: «Ich bewältigte die 16,093 Kilometer in einer hervorragenden Zeit – in 57:11 Minuten. Das gab mir viel Selbstvertrauen.»

Strähl gründet eigenes Team

Vor der heutigen 8,3 Kilometer langen Ausdauerprüfung auf den Allerheiligenberg, die den Auftakt zur Jura-Top-Tour bildet, gibt sich Strähl gelassen. «Bergläufe bestreite ich in dieser Saison lediglich zu Trainingszwecken. Mein Fokus liegt klar auf dem coupierten EM-Marathon Mitte August in Zürich», betont die für die Leichtathletikvereinigung Langenthal startende Solothurnerin. Die Limite dafür hatte sie gleich bei ihrer Flachmarathonpremiere im vergangenen Oktober in Luzern geschafft. Strähl erreichte das Ziel bei garstigen Bedingungen nach 2:39:15 Stunden – fast 5 Minuten unter dem geforderten Wert. Gegenwärtig ist Strähl hinter Maja Neuenschwander und Jasmin Nunige drittschnellste Schweizerin auf der 42,195-Kilometer-Strecke. 6 Abgesandte von Swiss Athletics können an den kontinentalen Titelkämpfen teilnehmen.

Die Ausrichtung auf den EM-Marathon bedeutet aber nicht, dass Strähl heute ohne Ambitionen läuft. «Anfang Jahr habe ich das Team Jura-Hasen gegründet. Ich laufe also auch für die Teamwertung», sagt Strähl. Die weiteren «Hasen» heissen Petra Eggenschwiler (Laupersdorf), Thomas Hohl (Basel), Thomas Hürzeler (Unterseen) und Bettina Steiger (Maisprach).

Als Triathletin unterwegs

Der heutige Tag hält für Strähl gewissermassen einen Triathlon bereit. Am Morgen schreibt sie ihre Masterarbeit zum Thema «Wie motivieren sich übergewichtige Menschen, Sport zu treiben?» fertig. Dann fährt Strähl nach Zürich, wo sie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ihrem Bruder Patrick beisteht, der nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung zum Doktor promoviert. Rechtzeitig wird sie zurück sein, wenn in Hägendorf bei Solothurn um 18.45 Uhr der Startschuss zum 26.Tüfelsschlucht-Berglauf fällt.

Berner Zeitung

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