Der GP als Standortbestimmung

Martina Strähl wird zugetraut, am Samstag das 10-Meilen-Rennen als beste Schweizerin zu beenden. Die 28-jährige Solothurnerin ist Berglaufspezialistin, hat aber auch die Olympiateilnahme 2020 am Marathon im Visier.

Im Marathon verfolgt sie langfristige Ziele: 2014 nahm Martina Strähl an der EM in Zürich teil und lief auf Platz 33.

Im Marathon verfolgt sie langfristige Ziele: 2014 nahm Martina Strähl an der EM in Zürich teil und lief auf Platz 33.

(Bild: EQ Images)

Der Aargauerstalden wird von den meisten Läufern am Grand Prix von Bern gefürchtet. Nach 14 Kilometern, wenn viele Muskeln bereits übersäuert sind, muss die Steigung unter die Füsse genommen werden. Martina Strähl hat damit keine Probleme. Die Solothurnerin, die am Donnerstag 28 Jahre alt wird, ist Berglaufspezialistin, 2009 und 2011 war sie Europameisterin in dieser Sparte. «Eingebrochen bin ich am Stalden noch nie», sagt Strähl.

Überhaupt entspricht ihr die GP-Strecke. «Sie ist hügelig, abwechslungsreich, und es hat immer viele Zuschauer.» Strähl gilt im Teilnehmerfeld der Frauen als aussichtsreichste Anwärterin auf die beste Schweizer Platzierung. Vollgas will sie jedenfalls geben. «Der Lauf findet in Bern statt. Dort habe ich immer hohe Ziele und lasse mich auch vom Publikum anspornen», sagt die in Oekingen wohnhafte und für den LV Langenthal startende Athletin. «Der GP ist in einer frühen Saisonphase immer auch eine gute Standortbestimmung.»

Hohe Belastung

Martina Strähl fährt als Läuferin zweigleisig. Neben dem Berglauf gilt ihr Augenmerk auch dem Marathon. Im letzten Jahr durfte sie an der Heim-EM in Zürich starten und belegte den 33. Platz. «Den Umständen entsprechend war diese Platzierung gut», blickt sie auf 2014 zurück. «Ich war damals durch den Studienabschluss stark belastet.»

Die Psychologin musste ihre Masterarbeit bis Ende Juli abgeben, Mitte August fand der EM-Marathon statt. Im Winter war sie wegen einer Fersenentzündung zudem dazu gezwungen, 12 Wochen lang alternativ zu trainieren. Mittlerweile ist sie wieder fit, und der Einstieg ins Berufsleben ist geglückt. Die 28-Jährige arbeitet zu 50 Prozent als Heilpädagogin in einem Kindergarten, den Rest ihrer Zeit widmet sie dem Laufsport.

Bereits in früheren Jahren hatte sie wegen ihres fragilen Knochenbaus häufig Trainings auf dem Fahrrad absolviert, und auch aktuell trainiert sie anders als viele Athleten. «Ich gehe nur dreimal pro Woche laufen», sagt Strähl. «Daneben fahre ich immer noch Velo und absolviere die Intervalleinheiten auf dem Crosstrainer.» Die Resultate seien besser als zuvor, als sie die doppelten Umfänge gelaufen sei.

Hoffnung auf Podestplatz

Im Sommer konzentriert sich Strähl zuerst auf den Berglauf. An der WM im Juli will sie unter den schnellsten 10 sein. Im Herbst steht der nächste Marathon auf dem Programm, möglicherweise in Berlin. «Ich möchte meine Bestzeit auf etwa 2:37 Stunden verbessern», sagt sie. Unrealistisch sei es, die Limite für die Olympischen Spiele 2016 in Rio unterbieten zu wollen. Diese liegt bei 2:33 Stunden. «2016 kommt zu früh, 2020 möchte ich hingegen in Tokio an den Start gehen. Ich bin noch jung.» Mit 33 wäre sie im besten Marathonalter.

Aktuell aber gilt ihre Aufmerksamkeit dem GP vom Samstag. «Ein Podestplatz wäre schön», meint Strähl. «Dies zu erreichen, dürfte aber schwierig sein. Sicher aber möchte ich die beste Schweizerin sein.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt