Der Feind unter meinem Brett

Mick Fanning verliert zwei Brüder, überlebt eine Hai-Attacke und rettet selbst einen Surfer. Doch von diesem Trauma lässt sich der dreifache Weltmeister nicht stoppen.

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Sebastian Rieder@RiederSebastian

Er ist immer noch einer der besten Surfer der Welt. Mick Fanning, 34, aufgewachsen in einem Vorort von Sidney. 2002 wird er Rookie des Jahres, 2007 wird er erstmals Weltmeister. Es ist die erste WM-Trophäe für Australien seit 15 Jahren. 2009 und 2013 wiederholt er den Triumph und wird in seiner Heimat zur lebenden Legende. Das er heute noch lebt, grenzt aber an ein Wunder.

Im vergangenen Juli kommt es in Südafrika an der Küste von Jeffreys Bay zu einem dramatischen Zwischenfall. Während Fanning auf dem Surfbrett sitzend auf seine Welle wartet, wird er von hinten von einem Hai überrascht. Fanning schreit, zappelt, schlägt wild um sich und entkommt den scharfen Zähnen ohne einen Kratzer. Erst als er später von einem Speedboot gerettet wird, weicht das Adrenalin dem Schockgefühl.

In Sicherheit schüttelt Fanning fassungslos den Kopf, gräbt die Hände ins Gesicht und sagt nur Augenblicke später vor laufender Kamera: «Ich sass nur dort und merkte plötzlich, wie sich etwas in meiner Leine verfing. Ich fing sofort an, ihn zu treten, um ihn zu vertreiben. Aber der Hai kam immer wieder und machte sich an meinem Brett zu schaffen. Ich habe nur auf die Zähne gewartet.»

Obwohl Fanning den Vorfall unverletzt überstand, brannte sich die Szene in sein Gedächtnis ein. Immer packt ihn die Angst, immer wieder plagen ihn Albträume, der Furcht stellt er sich jedoch und stürzt sich eine Woche später in die nächste Welle. «Wieder ins Wasser zurückzugehen, war das beste Gefühl aller Zeiten. Es hat mir die Augen geöffnet und gezeigt, was wirklich wichtig ist. Ich habe viel über mich selbst gelernt. Das Leben ist herrlich», sagte Fanning im «Sydney Morning Herald».

Die Frontaltherapie zeigte Wirkung. Vier Wochen nach der Rangelei mit dem Hai gewann Fanning den nächsten Wettbewerb und strich mit zwei weiteren Siegen einen persönlichen Rekordbetrag von 357'000 US-Dollar ein. Als aktueller Leader der World Tour winkt ihm dieses Wochenende am finalen Durchgang der Pipe Masters vor der Insel O'ahu die nächste Prämie für den vierten Weltmeistertitel auf Hawaii.

Zwischen Leben und Tod

Es ist der Ort, an dem Fanning erst kürzlich wieder ein Wunder vollbrachte. Anfang Dezember rettete er einen Surfer vor dem Ertrinken, nachdem dieser von einer fast fünf Meter hohen Welle erfasst wurde und nur dank Fanning dem Tod entging. Wie kurz das Leben sein kann, weiss niemand besser als Fanning. 1998 kam sein Bruder Sean bei einem Autounfall ums Leben. Erst diese Woche verstarb sein neun Jahre älterer Bruder. «Es war einer der schwersten Tage in meinem Leben», schrieb Fanning: «Peter wird immer mein Held bleiben. Wir haben neulich noch telefoniert und er hat mir gesagt, wie stolz er auf mich ist.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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