Der Erfolg ist geblieben

Drei Jahre nach dem Ausstieg der Postfinance verkörpern die Schweizer noch immer absolute Weltspitze. Sorgen bereite ihm die Zeit ab 2019, sagt der künftige Swiss-Orienteering-Geschäftsführer Martin Gygax anlässlich des Weltcupfinals.

Eine Klasse für sich: Judith Wyder distanziert die Konkurrenz im Sprint von Aarau um über eine halbe Minute.

Eine Klasse für sich: Judith Wyder distanziert die Konkurrenz im Sprint von Aarau um über eine halbe Minute. Bild: Keystone

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Der Sprint in den engen Gassen ist spektakulär. Zuschauer sind in Aarau zuhauf präsent, und im Ziel jubeln die Schweizer. Judith Wyder lässt ihren Siegen mit der Sprintstaffel und über die Langdistanz den dritten Triumph innert dreier Tage folgen. Die Bernerin hält strahlend fest: «Wir Schweizer wissen, wie OL in der Stadt funktioniert.»

Matthias Kyburz, in Bern lebender Fricktaler, zementiert als Zweiter seinen Erfolg im Gesamtweltcup. Es fühlt sich an wie fast immer, seit der OL-Weltcup hierzulande zu Ende geht. Was fehlt, sind die gelben Postfinance-Fahnen, neben Simone Niggli der Inbegriff für das goldene Zeitalter des Schweizer Orientierungslaufs. Im Herbst 2013 ging dieses zu Ende. Wyder jedoch hält fest, für die Elite habe sich «dank super Arbeit des Verbandes» kaum etwas verändert.

Gönner und Mitglieder

Von Verbandsseite klingt es etwas anders. Der Ausstieg des Hauptsponsors sei für Swiss Orienteering ein Schlag gewesen – und dieser noch verstärkt worden, weil Swiss Olympic im gleichen Jahr die Rückstufung der Sportart angekündet habe, hält Martin Gygax fest. Ab 2017 ist die höchste Förderkategorie olympischen Sportarten vorbehalten.

Im nächsten Satz betont Gygax seine Dankbarkeit gegenüber dem Geldinstitut, weil dessen Engagement den Ausbau sämtlicher Verbandsaktivitäten ermöglicht habe. Der 47-jährige Solothurner amtet als Leiter der Geschäftsstelle, im Januar wird er den im Rahmen einer Strukturreform neu geschaffenen Job des Geschäftsführers übernehmen.

2011, in der Blütezeit, operierte der Verband mit einem Budget von 2,7 Millionen, 2016 sind es rund 2,3 Millionen.

Wer die Budgets von einst und heute vergleicht, sich dabei vor Augen hält, dass die Postfinance jeweils ungefähr eine Million Franken beisteuerte, stösst auf eine relativ geringe Differenz. 2011, in der Blütezeit, operierte der Verband mit einem Budget von 2,7 Millionen, 2016 sind es rund 2,3 Millionen.

Gygax sagt denn auch, im Moment herrsche nicht Alarmstufe Rot. Die Mitgliederbeiträge seien erhöht, Co-Sponsoren und Gönner gefunden worden. Unter Letzteren finden sich die Diamonds of Orienteering; die Vereinigung wurde von Niggli und dem ehemaligen Postchef Jürg Bucher gegründet.

Der Wert der Heim-EM

Von hoher Relevanz sind die Fördergelder, welche der Verband von Swiss Olympic respektive vom Bundesamt für Sport erhält, weil er im Mai 2018 in Lugano die EM durchführen wird. Gygax hält denn auch fest, die Kernfrage sei, wie es ab 2019 weitergehen werde.

Teil genannter Umstrukturierung ist, die Marketingabteilung auszulagern – in der Hoffnung, auf diese Weise einen neuen Hauptsponsor zu finden. Was einer beträchtlichen Herausforderung gleichkommt. Die Plattform ist begrenzt, die Höhepunkte sind nicht immer glücklich terminiert.

Mit einer Renaissance des goldenen Zeitalters rechnet Martin Gygax nicht.

Als die OL-WM in Südschweden Mitte August begann, gewannen Nino Schurter und Nicola Spirig in Rio de Janeiro Olympiamedaillen. Als die Titelkämpfe zu Ende gingen, wurde in Estavayer der Schwingerkönig ermittelt. Mit einer Renaissance des goldenen Zeitalters rechnet der Verantwortliche nicht. Gygax weiss sehr wohl, dass der OL im gelben Gewand etwas über seine Verhältnisse gelebt hat.

Was dem Verband schwerfällt, ist den besten Athleten gelungen. Sie verfügen über persönliche Sponsoren, können vom Sport leben. Wyder sagt, sie sei «zu einem guten Zeitpunkt» im Nationalkader angekommen. Will heissen, sie konnte sich unter bestmög­lichen Voraussetzungen entwickeln.

2013, als sich die Postfinance zurückzog, war die Bernerin bereits Weltmeisterin, ihr Portfolio war mit mehreren Partnern bestückt. Die aktuelle Podestpräsenz der Schweizer ist nicht zuletzt auf Fälle wie den ihren zurückzuführen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.10.2016, 10:25 Uhr

Orientierungslauf in Bern

Hochburg mit erfreulichen Perspektiven

Orientierungslauf und Bern – das passt. Im nationalen Leistungszentrum, geleitet von Simone Niggli, trainieren Einheimische wie Judith Wyder und Zugewanderte wie der aus Möhlin stammende Weltcupgesamtsieger Matthias Kyburz und sein Vorgänger Daniel Hubmann aus dem Thurgau. Der Kanton Bern ist auch in der zweiten Reihe gut vertreten. Sabine Hauswirth, anlässlich des Weltcupfinals in Aarau Zweite über die Langdistanz, steht an der Schwelle zur absoluten Spitze. Was der 28-Jährigen fehlt, ist die Einzelmedaille an internationalen Titelkämpfen. Darauf angesprochen, hält die Belperin lächelnd fest, sie gedenke die Lücke zu füllen. «Stressen lasse ich mich nicht. Aber ich weiss, dass ich dazu fähig bin.»

Florian Howald ist der Berner Aufsteiger der Saison. An der EM in Tschechien sicherte sich der 25-Jährige seine erste Einzelmedaille; an der WM in Schweden, seiner ersten, gehörte er zur Silber-Sprintstaffel. «Ich werde topmotiviert ins Wintertraining steigen», sagt der Oberönzer, nachdem er den Sprint als Fünfter beendet hat.

Die bernische Präsenz an der Spitze scheint über die aktuelle Generation hinaus gesichert zu sein. An der Junioren-WM vom Juli in Engadin stachen zwei Athleten heraus, Simona Aebersold und Joey Hadorn gewannen je zwei Einzelgoldmedaillen. Sie kommt aus Brügg bei Biel, er aus Fahrni bei Thun. (mjs)

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