Dem Körper Ruhe gegönnt, die Freude wiedererlangt

Siebenmal hat Caroline Steffen die Ironman-WM auf Hawaii bestritten. Dieses Jahr wird die 38-jährige Spiezerin nur als Zuschauerin vor Ort sein – weil ihr Körper eine Pause nötig hat.

Caroline Steffen ist durch das gezielte Training schneller geworden.

Caroline Steffen ist durch das gezielte Training schneller geworden. Bild: Keystone

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Es ist 6 Uhr morgens – und Caroline Steffen ist wach. Normalerweise würde sie um diese Zeit trainieren gehen. «Aber mein Coach hat mir das strikte verboten», sagt die Spiezerin und lacht. Es ist ein komisches Gefühl für sie.

Denn nun darf, ja muss sie ausspannen, dem Körper nach den Strapazen der letzten Monate Ruhe gönnen. Das ist einfacher gesagt, als getan für die Triathletin – gerade, weil sie sich derzeit auf Big Island befindet.

Auf der grössten Insel von Hawaii findet am Samstag in einer Woche die Ironman-WM statt. Siebenmal ist Steffen schon zum härtesten Wettkampf der Welt an 3,86 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen angetreten – oft bei Hitze und starken Winden.

Zweimal erreichte sie das Ziel als Zweite, der Sieg auf Big Island war lange ihr Antrieb. Doch nun hat die 38-Jährige ihren Plan geändert. Sie wird heuer an der Ironman-WM nur als Zuschauerin dabei sein.

Weniger ist mehr

«Siebenmal Hawaii ist viel, dieser Wettkampf ist wirklich sehr hart, er zehrt an deinen Kräften», hält Steffen fest. «Ich brauche nun einfach eine Pause, vielleicht auch das Erlebnis, den Wettkampf einmal als Zuschauerin zu verfolgen.»

Nach der letzten Saison – sie war an der Ironman-WM nach diversen gesundheitlichen Problemen 9. geworden – setzte Steffen einen Punkt. «Unter Brett Sutton und vor allem zuletzt mit Chris McCormack habe ich extrem hohe Trainingsvolumen gehabt, ich hatte das Gefühl, dass mein Körper eine Auffrischung braucht.»

«Siebenmal Hawaii ist viel, dieser Wettkampf ist wirklich sehr hart, er zehrt an deinen Kräften.»Caroline Steffen

Also entschied sie sich zum zweiten Mal in drei Jahren für einen Trainerwechsel. Doch den neuen Coach suchte sie erst, nachdem sie sich die Vorgabe gesetzt hatte: weniger Trainingsumfang, dafür höhere Qualität – und mehr Erholung. Seit diesem Jahr wird Steffen vom Neuseeländer Daniel Plews betreut.

«Er unterstützte mich in meinem Vorhaben», sagt sie. «Und es hat sich definitiv ausgezahlt. Ich konnte mich erholen und habe auch wieder mehr Spass am Training bekommen.» Und: Steffens Trainingszeiten auf dem Rad und im Laufen sind besser geworden. «In meinem Alter ist das nicht selbstverständlich, deshalb bin ich überzeugt, einen guten Entscheid gefällt zu haben.»

In diesem Jahr also bestritt die Bernerin fast nur Wettkämpfe über die halbe Ironman-Distanz. Dies jedoch tat sie mit Erfolg; abgesehen von der WM in ihrer Wahlheimat Mooloolaba (AUS), als sie vom 3. auf den 5. Rang zurückfiel, beendete Steffen jeden Wettkampf auf einem der ersten beiden Plätze.

So auch letztes Wochenende, als sie in Oklahoma (USA) zur Langdistanz-WM antrat (4 km Schwimmen, 120 km Radfahren und 30 km Laufen) und sich nur der Britin Jodie Swallow geschlagen geben musste. «Meine Bilanz fällt sehr zufriedenstellend aus», hält sie fest. «Ich habe in diesem Jahr wirklich Spass gehabt.»

«Ich habe in diesem Jahr wirklich Spass gehabt.»Caroline Steffen

Dies freilich auch, weil sie ihre Rennen gezielt aussuchte, für einmal den Fokus auf die USA legte und deshalb Europa fernblieb. «Aber die Schweiz fehlt mir ein wenig», sagt die in Spiez aufgewachsene Athletin und fügt lachend an: «Meine Eltern beklagen sich schon.»

Vielleicht nie mehr Hawaii

Womöglich wird Steffen über die Weihnachtstage ins Berner Oberland zurückkehren. Bis dahin sollte klar sein, wie es sportlich weitergeht. Vielleicht wird sie am Samstag in einer Woche als Zuschauerin nochmals vom Ehrgeiz gepackt. Vielleicht aber schliesst sie mit Big Island, dieser jahrelangen Quelle der Motivation, auch ab. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.09.2016, 09:01 Uhr

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