Delia Sclabas erinnert an die junge Anita Weyermann

Im Altstadt-GP hat Delia Sclabas einmal mehr ihr grosses Potenzial unter Beweis gestellt. Nur Jasmin Widmer war schneller als die Kirchbergerin. Bei den Männern wurde Andrea Salvisberg Zweiter.

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Wieder fast eine halbe Minute schneller als im vergangenen Jahr – die junge Delia Sclabas hat ihr aussergewöhnliches Potenzial aufs Neue eindrücklich unter Beweis gestellt. Im Altstadt-GP über 4,7 Kilometer lieferten sich die 14 Jahre alte Kirchbergerin und Jasmin Widmer ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen, das die Urnerin knapp zu ihren Gunsten entschied.

Am Ende fehlten Sclabas 1,5 Sekunden zum Sieg. «Schade, hat es nicht gereicht. Schon im letzten Jahr wurde ich Zweite. Aber ich bin ein weiteres Mal persönliche Bestzeit gelaufen. Das freut mich sehr», sagt die Schülerin nach ihrem 15:50,4 Minuten dauernden Steigerungslauf durch das Unesco-Weltkulturerbe. «Ich habe das Rennen in der Abwärtspassage nach dem Zytglogge verloren. Da war Jasmin schneller als ich», meint Sclabas mit einem sympathischen Lachen.

Olympia in Tokio als Traum

Widmer stützt die Aussage von Sclabas. «Ich habe kurz vor dem Aargauerstalden angezogen und bis Mitte des Stutzes die entscheidenden Sekunden herausgeholt», sagt die 26 Jahre alte Hochbauzeichnerin aus Erstfeld. Als sie gefragt wird, ob es ihr bisher grösster Erfolg gewesen sei, relativiert Widmer den Triumph: «Der Sieg am Altstadt-GP bedeutet mir viel, klar, aber ohne namhafte Ausländerinnen im Feld war es auch nicht so schwierig.»

Sie freue sich über die Laufzeit. «Unter 16 Minuten zu bleiben in einem solch coupierten Lauf, ist im Hinblick auf das nächste 5-Kilometer-Rennen auf der Bahn motivierend», sagt Widmer, deren Bestzeit über 5000 Meter auf der Bahn 16:25 Minuten beträgt. Seit zwei Jahren verfolgt die Urnerin als Halbprofi ehrgeizige Ziele. «Ich möchte an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio starten. Das ist mein Traum.» Ein realistisches Ziel sei die Teilnahme an der EM 2016 in Amsterdam, meint die SM-Dritte über 10 Kilometer auf der Strasse.

Weyermanns Einschätzung

Zurück zu Delia Sclabas. Ihre Leistungsentwicklung ist ausserordentlich und weckt Erinnerungen an die Anfänge von Anita Weyermann. Die spätere WM-Dritte über 1500 Meter (1997) gewann im Alter von 15 Jahren ihre ersten nationalen Titel. Erst als Weyermann mit 17 Jahren Junioren-Weltmeisterin über 1500 Meter geworden war, spezialisierte sie sich in dieser Sportart.

Bis dahin bestritt sie auch FIS-Skirennen. «Um erfolgreich zu sein, braucht es Talent, einen gesunden Körper und die nötige Härte gegen sich selbst», sagt Weyermann. «Bei Delia Sclabas stimmen Körperbau und Laufstil. Mehr kann ich aber nicht beurteilen, weil ich nicht weiss, wie sie trainiert», sagt die 37-Jährige. Dereinst brauche es Mut und Risikobereitschaft dafür, Überdurchschnittliches zu leisten – und Gelassenheit, sollten kritische Bemerkungen fallen, sagt Weyermann.

Favorit setzt sich durch

Der 22 Jahre alte Marokkaner Mohammed Boulama wurde seiner Favoritenrolle im Altstadt-GP gerecht. Der 3000-Meter-Steeple-Spezialist kontrollierte das Rennen und setzte sich nach drei Kilometern ab (Siegerzeit: 14:02 Minuten). Zweiter wurde Andrea Salvisberg. «Ich verlor am Aargauerstalden entscheidend an Terrain. Ich bin halt zu schwer», sagt der Triathlet aus Hasle-Rügesau und lacht.

«Der zweite Platz gibt mir Motivation für die Triathlon-WM-Serie in Yokohama. Nächste Woche strebe ich in Japan eine Top-24-Klassierung an. Das wäre ein grosser Schritt in Richtung Olympiaqualifikation für Rio.»

Auch der 14 Jahre alte Äthiopier Wako Kote hat den Altstadt-GP erfolgreich absolviert. Der Gast aus dem SOS-Kinderdorf erreichte das Ziel im ersten Asphaltrennen seines Lebens nach 18:04 Minuten.

Nochmals sehen, wie der Kontrahent zurückfällt: Auf der interaktiven Karte von Bernerzeitung.ch/Newsnetz können Sie Ihren Lauf am Grand Prix von Bern nochmals verfolgen – und sich mit anderen Teilnehmenden vergleichen.

Hier gehts zum Grand-Prix von Bern. Hier gehts zum Altstadt-GP. Hier gehts zu den Nordic Walkern.

Berner Zeitung

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