«Das WM-Programm ist nicht für Vielstarter gemacht»

Simone Niggli hat sich an der Nordic Tour, dem ersten Kräftemessen der Weltelite in dieser Saison, souverän durchgesetzt. Nun spricht die 35-Jährige aus Münsingen über fragwürdige Wettkampfformen und eine offene Frage.

Mindestens eine Nasenlänge voraus: Simone Niggli hat die Konkurrenz (links die Schwedin Tove Alexandersson) im Griff.

Mindestens eine Nasenlänge voraus: Simone Niggli hat die Konkurrenz (links die Schwedin Tove Alexandersson) im Griff.

(Bild: Sascja Rjymer/swiss orientiering)

Sie haben in der letzten Woche die fünf Weltcupläufe beinhaltende Nordic Tour mit über sechs Minuten Vorsprung auf die Schwedin Tove Alexandersson gewonnen. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus? Simone Niggli: Ich weiss nun, dass ich auf dem richtigen Weg bin, nachdem in der Saisonvorbereitung nicht alles plangemäss verlaufen war. Wichtiger als das Resultat ist für mich die Konstanz; ich hatte keinen Hänger drin. Ein besseres Feedback hätte ich nicht erhalten können.

Was bedeutet diese Überlegenheit im Hinblick auf die WM von Mitte Juli in Finnland? Die Nordic Tour war ein guter Gradmesser, obwohl mit Minna Kauppi und Helena Jansson starke Gegnerinnen fehlten. Bis zur WM dauert es noch fast einen Monat, aber ich habe nicht das Gefühl, zu früh in Form zu sein.

Was führt Sie zu diesem Schluss? Ich kann mich noch steigern, aber das gilt natürlich auch für die Konkurrenz.

In welcher Hinsicht gilt es bei Ihnen? In körperlicher, wobei ich zuerst eine Frage klären muss, ehe das Formtopping beginnen kann.

Und die lautet? Laufe ich alle Disziplinen, oder lasse ich eine aus? Das WM-Programm ist nicht für Vielstarter gemacht.

Wo liegt das Problem? Am Montag finden die Sprintqualifikation und der Sprintfinal statt, tags darauf folgt der Langdistanzfinal. Der Substanzverlust ist im Sprint trotz kurzer Distanz relativ hoch, und diese Energie fehlt dann im harten Langdistanzrennen.

Der einzige Lauf, den Sie an der Nordic Tour nicht gewannen, war der K.-o.-Sprint in der Nähe von Stockholm. Die jüngste Disziplin scheint Ihnen noch nicht so zu behagen... ... und daran wird sich wohl auch nichts ändern. Ich denke, dass viele Läuferinnen schneller unterwegs waren als in den anderen Wettkämpfen, weil oft in Gruppen gelaufen wird. Allein ist es viel schwieriger, einen hohen Rhythmus zu halten und technisch fehlerfrei zu bleiben.

Wie viel hat der K.-o.-Sprint im engeren Sinn mit OL zu tun? (lacht) Ich bin froh, gehört er nicht zum WM-Programm. Der K.-o.-Sprint mag spannend sein, ist aber nicht das, was ich unter OL verstehe.

Zweck dürfte sein, die Attraktivität der Sportart zu erhöhen und dadurch mehr Zuschauer anzuziehen, wie das bei den Langläufern erfolgreich praktiziert wird. Na ja, der Aufmarsch hielt sich in Grenzen. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Fernsehbilder gut angekommen sind. Ein finnischer und ein schwedischer Sender zeigten das Rennen live.

Das überrascht ein wenig, wenn man hört, dass die Nordic Tour 2014 mangels Sponsoren abgesagt werden muss. Ich vermute, dass die Absage nichts mit dem Interesse von Zuschauern und Medien zu tun hat. Es sieht eher danach aus, als hätte die IOF (der internationale Verband; die Red.) die Sponsorensuche verschlafen; das wäre nicht das erste Mal der Fall. Das Format der Nordic Tour sollte aber sowieso überdacht werden.

Weshalb? Wir bestritten innert acht Tagen fünf Wettkämpfe in drei Ländern (Norwegen, Schweden und Finnland). Die Reiserei ist erstens anstrengend und zweitens teuer. Die Startfelder waren deutlich kleiner als auch schon, weil sich das viele Nationen schlicht nicht leisten können.

Was schlagen Sie vor? Eine Reduktion der Wettkampforte würde das Problem sicherlich entschärfen. Zwei Stationen mit je zwei bis drei Entscheidungen würden allemal reichen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt