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Das Leiden der Brasilianer

21 Po­destplätze haben die Bra­silianer seit 2001 in Gstaad belegt. Nun sind die Südamerikaner an einem ­Tiefpunkt angelangt. Und das ist irgendwie logisch.

Wo geht die Reise hin? Olympiasieger Bruno Schmidt (rechts) und Pedro Solberg befinden sich auf Formsuche.
Wo geht die Reise hin? Olympiasieger Bruno Schmidt (rechts) und Pedro Solberg befinden sich auf Formsuche.
Christian Pfander

Brasilien und Gstaad, das ist eine Erfolgsgeschichte. Zum 18. Mal duellieren sich die besten Männer der Welt in diesen Tagen im Saanenland – wobei die Besten sehr oft aus Südamerika kamen. Die Bilanz der Brasilianer ist eindrücklich: Seit 2001 reüssierten sie – die Pioniere des Beachvolleyballs – hier achtmal, belegten insgesamt 21 Podestplätze.

Deshalb darf das Geschehen am diesjährigen Gstaad-Major zweifellos als historisch bezeichnet werden. Bereits am Donnerstag schieden mit Alison / André Stein sowie Evandro / Vitor Felipe ein aktueller Olympiasieger und zwei aktuelle Weltmeister in der Gruppenphase aus. Die beiden Equipen waren in Gstaad als Nummer 1 respektive 2 gesetzt gewesen.

Gemäss dem Statistiker des Internationalen Volleyball-Verbandes ist es seit Einführung der Gruppenphase auf der World Tour 2001 das erste Mal, dass die Nummern 1 und 2 der Setzliste schon nach der Vorrunde die Koffer packen mussten. Wie konnte das passieren? Nun, um eine Antwort darauf zu finden, muss man zwei Monate zurückblicken.

Plötzlich ging nichts mehr

Im Mai und nach vier gemeinsamen Jahren beendeten Alison und Bruno Schmidt ihre Zusammenarbeit. Die Meldung schlug in der Szene hohe Wellen, handelt es sich doch um das erfolgreichste Duo der letzten Jahre. Alison /Bruno Schmidt waren Weltmeister 2015, sie gewannen auf der World Tour zwölf Gold-, vier Silber- und drei Bronzemedaillen.

Der grösste Triumph gelang ihnen allerdings im August 2016, als sie sich in Rio de Janeiro Olympiagold sicherten – die für das Gastgeberland mit Abstand wichtigste Medaille. «Mit ihm habe ich alles erreicht, was man mit diesem Sport erreichen kann», hält Schmidt fest.

Allein deshalb liegt es ihm fern, ein schlechtes Wort über seinen früheren Partner zu verlieren. Angesprochen auf die Trennungsgründe, wird der Defensivspezialist aber deutlich: «Wir haben einen Punkt erreicht, an dem es immer härter wurde, einander zu pushen. Mit diesem Zustand waren wir beide nicht mehr glücklich, er war inakzeptabel.»

Mit ihrer Trennung lösten die beiden Ausnahmekönner ein Erdbeben im brasilianischen Verband aus. Alison etwa tat sich mit André Stein zusammen. Dieser aber hatte im letzten Jahr an der Seite Evandros völlig über­raschend WM-Gold gewonnen, entsprechend wurde dem jungen Duo eine grosse Zukunft vorausgesagt.

«Andrés Entscheid hat mich enttäuscht», sagte Evandro gegenüber dem Nachrichtenportal Globesporte.com. «Aber er erreicht damit eine grosse Stufe auf seinem Karriereweg, deshalb muss ich das akzeptieren und nach vorne schauen.» Schmidt wählte derweil die naheliegendste Option: Er spielt wieder mit Pedro Solberg. Die beiden hatten bereits bis 2013 ein erfolgreiches Duo gebildet.

«Wir versuchen unserer Karriere damit wieder Schub zu geben. Ich bin überzeugt, dass das eine gute Entscheidung war», hält Schmidt fest. Solberg habe er indes nicht der sportlichen Vergangenheit wegen gewählt. «Sondern weil wir uns sehr nahestehen. Das macht es einfacher, aggressiver zu sein, wenn es sein muss. Weil wir beide wissen, dass wir alles zum Besten des Teams machen.»

«Wir sind keine Kinder mehr»

Allerdings ist die neue Situation, wie das Geschehen in Gstaad zeigt, alles andere als einfach – weil sich auch zwei starke Spieler erst finden müssen. Und im Falle von Schmidt und Alison kommt hinzu, dass diese nach einer längeren Pause nach ihrem Olympiasieg und kleineren Verletzungen nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. «Aber Pedro wusste das. Und er gibt mir Zeit, zurückzukommen», sagt Schmidt.

Bis es so weit ist, könnte es noch eine Weile dauern. Schmidt und Solberg sind gestern im Achtel­final ausgeschieden, gegen die als Nummer 15 gesetzten Norweger. «Im Moment denke ich nicht daran, eine Medaille zu gewinnen», sagt der Olympiasieger. «Wir sind keine Kinder mehr, wir wissen, wo wir stehen.»

Dass sich die einst scheinbar unschlagbaren Brasilianer nun No-Names beugen müssen, betrachtet Schmidt übrigens als grossen Vorteil für die Sportart: «Beachvolleyball ist nicht mehr einfach Brasilien gegen die USA. Die jungen Spieler sind daran, besser und stärker zu werden.» Im September übrigens beginnt die Qualifikation für Olympia 2020. Ab da gilt es ernst – auch und vor allem für Brasilien.

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