Chervets Show im Stadttheater

Lokalmatador Alain Chervet zeigte beim Meeting im Berner Stadttheater eine vorbildliche Leistung. Die Bernerin Aniya Seki gewann ihren Kampf ebenfalls, musste aber einige harte Schläge einstecken.

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Peter Berger@PeterBerger67

Das Beste kam am Schluss. Kurz vor Mitternacht lud Alain Chervet zum Hauptkampf. Und der 28-jährige Berner bot beste Boxkunst und erinnerte dabei an seinen berühmten Onkel Fritz Chervet. Alain Chervet war von seinem ungarischen Coach Istvan Szili hervorragend auf den unberechenbaren Widersacher Edgar Jimenez eingestellt worden.

«Ich blieb von der ersten Sekunde an konzentriert und konnte dies über acht Runden durchziehen», sagte Chervet. Der Zollikofer boxte variantenreich, zermürbte den Mexikaner erst mit Schlägen auf den Körper, um dann wirkungsvolle Treffer am Kopf zu landen. In der siebten Runde musste der Mittelamerikaner aus Mexiko-Stadt sogar kurzzeitig zu Boden. Jimenez, der 17 seiner 23 Siege durch K.o. gewonnen hatte, konnte seine explosive Schlagkraft nie einsetzen.

Die Mehrfachbelastung

Dass Chervet vor den gut siebenhundert Zuschauern im Berner Stadttheater eine derart beeindruckende Darbietung gelang, ist nicht selbstverständlich. Der Berner führt in Köniz einen Boxclub. «Die meisten Trainings leite ich selber, dazu fahre ich mit meinen Boxern auch an Wettkämpfe, um sie vor Ort zu unterstützen. Und selber trainieren sollte ich auch noch. Ich bewege mich ziemlich am Limit.»

Seine eigenen Einheiten baut er häufig am Morgen früh oder am Abend spät ein. Auch die Familie will nicht zu kurz kommen. Nur mit der Aufschrift «A52A» hinten auf seiner Hose ist es nicht getan. «Das erste A steht für meinen ersten Sohn Alain, das Zweite für den zweiten Sohn André. Die 52 dazwischen ist Teil der Postleitzahl von Zollikofen», klärt der zweifache Vater auf.

Schon in Paris

Wie es nach seinem 16. Sieg im 19. Profikampf mit seiner Karriere weitergeht, weiss Chervet noch nicht. Bereits am Sonntag ist er nach Paris gereist. Dort besucht er ein Seminar der kubanischen Boxtrainerlegende Pedro Diaz. «Diese Weiterbildungswoche nützt sowohl mir wie auch meinen Schülern», erklärt Chervet, warum er nach der erteilten Lehrstunde nun selber wieder die Schulbank drückt.

Seki musste leiden

Deutlich weniger souverän als Chervet war am Samstag Aniya Seki aufgetreten. Die 40-jährige Bernerin musste gegen die acht Jahre jüngere Bulgarin Ivanka Ivanova, die von 14 Kämpfen nur einen gewonnen hat, einige harte Schläge einstecken. «Ich hätte intelligenter auftreten sollen», zeigte sich Seki selbstkritisch.

«Ich agierte zu ungeduldig. Statt meine Stärke auszuspielen – abzuwarten und zu kontern –, liess ich mich auf offene Schlagabtausche ein.» Die Lokalmatadorin wusste jedoch genau, warum sie von der mit Coach Haki Hajdari Ajdarevic besprochenen Taktik abgewichen war. «Ich hatte das Gefühl, dass ich dem Publikum etwas bieten muss.»

Dank der grossen Erfahrung und vielleicht auch dem Heimvorteil reichte es Seki dennoch zu einem knappen Sieg nach Punkten. Sie will nun um den internationalen WBA-Titel kämpfen. Dass es dafür einer Steigerung bedarf, ist ihr bewusst. «Ich weiss ja eigentlich, zu was ich fähig bin. Ich sollte nur etwas mehr an mich glauben», resümierte Seki.

Ein erfolgreiches Comeback war im Vorprogramm Vahram Khudeda gelungen. Der 28 Jahre alte Thuner kehrte nach lang­wierigen Schulterproblemen und eineinhalb Jahren Wettkampfpause voller Energie in den Ring zurück.

Der gebürtige Armenier trat im Duell gegen Konstantin Alexandrov (BUL) aktiver auf und feierte in seinem 5. Profikampf den 5. Sieg nach Punkten. «Ich fühle mich fan­tastisch und bin glücklich», meinte Khudeda. Nun soll der Weg weitergehen und – wenn es nach ihm geht – «erst ganz oben enden.»

Berner Zeitung

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