Keiner kämpft besser als Bernhard Kämpf

Weil Benji von Ah (Giswil) und Matthias Glarner (Meiringen) im Schlussgang stellen, gewinnt der Sigriswiler Bernhard Kämpf den prestigeträchtigen Brünig-Schwinget.

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Stephan Dietrich

Wieder ein Berner, diesmal aber ein überraschender. Klammheimlich hat sich Bernhard Kämpf auf dem Brünig von fast zuhinterst in der Rangliste ganz nach vorne geschwungen. Während Benji von Ah und Matthias Glarner im Schlussgang schwitzten, bibberte Kämpf neben dem Sägemehl. Er wusste, dass er bei einem gestellten Schlussgang als Sieger ausgerufen würde. 14 Minuten später war der Sieg Tatsache, der Sigriswiler nahm es mit Freudentränen zur Kenntnis – und war erst einmal sprachlos.

Natürlich ist es der grösste Erfolg in der Karriere des 27-Jährigen. Es ist ja nach dem «Oberländischen» 2013 erst der zweite Festsieg bei den Aktiven. Verdient ist der Erfolg aber allemal, denn Kämpf belegte immer wieder Spitzenränge. Am «Eidgenössischen» 2013 in Burgdorf war er Siebter, am letztjährigen Kilchberg-Schwinget Zweiter. «Gehofft auf den grossen Coup habe ich immer, jetzt hats geklappt.» Wie aus dem Nichts, denn bis zum Mittag sah es für Bernhard Kämpf nicht gut aus. Zum Festauftakt stellte er mit Erich Fankhauser, und im 2. Gang reichte es gegen Dominik Waser erneut nicht zum Sieg. «Ich war unter Zugzwang», sagte Kämpf, der sich jeweils am Abend vor einem Schwingfest ein Glas Rotwein zur Beruhigung genehmigt.

Eigentlich hätte er ja den edlen Tropfen gestern eher in der Mittagspause benötigt. Diese nutzte der Berner Oberländer allerdings anderweitig sinnvoll. Die Physiotherapeutin habe er aufgesucht, und Gespräche mit seinen ebenfalls schwingenden Brüdern Alexander und Marcel hätten ebenfalls gut getan.

Wegweisender 4. Gang

Im Nachhinein aber erwies sich der 4. Gang als Schlüsselmoment. Der Kampf gegen Rainer Betschart war schon fast zu Ende, als Kämpf doch noch zum Siegwurf kam. «Ich hatte sicher Glück, es war ein Sieg in letzter Sekunde.» Von da an sei aber die Zuversicht auf ein Spitzenresultat gewachsen. Den 5.Gang gegen Reto Leuthard entschied er rasch für sich, und das Meisterwerk gelang Kämpf im 6.Gang gegen den «Eidgenossen» Christian Schuler. Mit dem Sieg brachte er sich in die ideale Position, der Rest ist bekannt. Mit dem Triumph krönt Bernhard Kämpf seine gute Saison. Nach starkem Beginn ergab sich in dessen Wettkampfkalender eine längere Pause. Er habe diese nicht nur zum Training genutzt, sondern auch zur Erholung. Die freien Wochenenden verbrachte er mit Kollegen. Dass die Form stimmt, bewies er vor einer Woche auf dem Weissenstein. Dort stand er gegen Christian Stucki im Schlussgang, den er allerdings verlor.

Einen Schlussgang gewonnen hat Bernhard Kämpf übrigens noch nie. Seine beiden Festsiege «erbte» er jeweils. «Dies ist mir allerdings im Moment egal. Jetzt wird gefeiert.»

Auch als Mannschaft waren die Berner, welche nicht weniger als 10 der 20 Kränze gewannen, klar die Besten. Die Innerschweizer Delegation musste sich derweil mit 6 Kränzen begnügen. Für die Gäste aus der Nordwestschweiz gab es immerhin viermal Eichenlaub.

Berner Zeitung

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